Ultraviolet
Milla Jovovich gerät als Kampfmaschine Violet zwischen alle Fronten. Mit einer Überdosis Frauen-Power und aufreizenden Schauwerten versucht dieser Science-Fiction-Trip, seine Defizite zu überdecken – vergebens.

Silent Hill (2006) hieß der letzte Versuch Hollywoods, den Konvergenztrend zwischen Film und Videospiel adäquat in einem aufwändigen Kinoprojekt umzusetzen. Regisseur Christophe Gans ordnete einer Perfektionierung der Optik alles unter, jede Logik, jede Handlung, jeden Charakter. Und dennoch konnten auch Kritiker seines Films nicht leugnen, dass zwischen den lärmenden Actionsequenzen eine zuweilen äußerst beklemmende Atmosphäre aufblitzte. Für die neueste Science-Fiction-Spielerei Ultraviolet ging Equilibrium (2002)-Regisseur Kurt Wimmer noch einen Schritt weiter. Denn in seiner futuristischen Welt, in der totalitäre Machthaber regieren, und die Menschheit sich gegen eine mysteriöse Krankheit zur Wehr setzen muss, hat eine auch nur halbwegs nachvollziehbare Narration keinen Platz mehr. Stattdessen weidet sich der am besten als Hochglanz-Trash zu umschreibende Ultraviolet an einer Aneinanderreihung sinnentleerter und unfreiwillig komischer Actioneinlagen, ganz wie ein zum Kinofilm mutiertes Konsolenspiel.
Grob skizziert geht es in Wimmers Zukunftsphantasie um eine mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattete Einzelkämpferin namens Violet (Milla Jovovich), die eine ansteckende Blutkrankheit in sich trägt. Das macht sie zu einer Hemophagen, einem vampirähnlichen Geschöpf. Wie die anderen, die ihr Schicksal teilen, wird sie von der herrschenden Klasse der Menschen verfolgt. Bei einem ihrer Sabotage-Aufträge fällt ihr die Obhut eines kleinen Jungen (Cameron Bright) zu. Dieser könnte über die Antigene in seinem Blut den Verlauf der Weltgeschichte verändern. Kein Wunder, dass Violet und er fortan von den unterschiedlichsten Mächten erbarmungslos verfolgt werden.

Milla Jovovich besitzt ein Abonnement auf Rollen in Zukunftsschockern. Berühmt wurde sie in Luc Bessons Das fünfte Element (The Fifth Element, 1997), eine Hauptrolle in den beiden Videospieladaptionen der Resident Evil (2002, 2004)-Reihe machte sie endgültig zum Traum pubertierender, PlayStation zockender Jungs. Weil Wimmer seinen Film zu Gänze auf eine möglichst streng durchgestylte Fassade ausrichtete, muss sich Jovovich von der ersten bis zur letzten Filmminute bauchfrei im engen Lederkostüm und mit wechselnden Haarfarben durch die meist computergenerierten Landschaften kämpfen. Charlize Theron machte es in dem thematisch ähnlich gelagerten Aeon Flux vor. Eine harte, an Domina-Phantasien ausgerichtete Amazone als Eyecatcher ersetzt eine stringente, nachvollziehbare Geschichte. Beide Werke operieren lediglich vordergründig mit existenzialistischen Themen wie dem Recht auf Selbstbestimmung und Individualität innerhalb einer konformistischen Gesellschaft. Wer sich nicht länger von den Verführungskünsten der durchtrainierten Schönheiten blenden lässt, erschrickt ob des Nichts an inhaltlicher Qualität.
Science-Fiction-Filme ziehen ihre Faszination nicht nur aus einer bloßen Zurschaustellung Bit für Bit durchgeplanter Spezialeffekte. Von Relevanz ist vielmehr die Frage nach dem Wiedererkennungwert, der Projektion einer Zukunftsvision auf die heutige soziale und politische Situation. Diese Spiegelung der Gegenwart in einem futuristischen Ebenbild begründet die Popularität des Genres. Meilensteine des modernen SciFi-Kinos wie Gattaca (1997) und Blade Runner (1982) erfüllen diese Vorraussetzung jeweils über eine andere stilistische Herangehensweise. Die düstere, nihilistische Atmosphäre in Ridley Scotts Klassiker begründete sogar die Richtung des Cyberpunks mit, als Antwort auf eine zunehmende Kommerzialisierung. Ultraviolet besteht dagegen nur noch aus einer redundanten Abfolge ermüdender Kämpfe im derzeit angesagten Martial-Arts-Stil. Choreographisch eindimensional müssen unterschiedlichste Waffen und Outfits herhalten, um den Anschein einer nicht vorhandenen Vielseitigkeit zu wahren.

Aus einer Vermischung von computeranimierten Hintergründen und realen Sets kreierte Wimmer eine von japanischen Animes deutlich inspirierte Optik, der es aber an einer klaren eigenen Handschrift fehlt. Die unausgegorene Ikonographie pendelt zwischen Minority Report (2002)-Einflüssen, S/M-Fetisch und einer mythisch aufgeladenen Katholizismus-Symbolik. Letzteres zeigt sich beispielsweise an kalten, streng konzipierten Stahlbauten in Kreuzform und der Beschwörung christlicher Erlösungs- und Opfermetaphorik.
Unerträglich wird es in Ultraviolet immer dann, wenn die Waffen schweigen und die Schauspielstaffagen zu pathosschwangeren Reden ansetzen. Der Superheldenfilm denkt zwangsläufig in Kategorien, die sich mit dem „Schicksal der Menschheit“ und der „Zukunft dieses Planeten“ umschreiben lassen. Das entbindet ihn aber nicht von jeglicher Kritik. Besonders das Finale mit seinen kalkulierten Emotionen und dem CGI-unterstützten Druck auf die Tränendrüse gibt die Charaktere endgültig der Lächerlichkeit preis. Dass Sony an Wimmers Fassung eigenmächtig Kürzungen um über 30 Minuten vornahm, mag das ohnehin zähe Ausgangsmaterial vollends ruiniert haben. Wo kein Wert auf eine logische Entwicklung von Handlung und Charakteren gelegt wird, sondern Bilder zu reinen Werbeträgern für Motorräder, Sportschuhe und Sonnenbrillen verkommen, blickt der Zuschauer in ein sich selbstnährendes schwarzes Loch.
Filmkritik von Marcus Wessel
Veröffentlicht am 05.07.2006
Kommentare zu Ultraviolet
D-Man 17.07.2006 14:24
Eine Frage:
Was genau hat Ultraviolet mit Resident Evil & Silent Hill
am Hut? Ultraviolet ist weder
eine Spielumsetzung noch irgendetwas in dieser Art.
vnm 22.07.2006 03:50
weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, aber
es war beschissen!
7€ kino umsonst.
El_Loco 23.07.2006 22:32
Hat jemand behauptet der Film hätte was mit Silent Hill und Resident Evil zu tun???
Hierbei handelt es sich um Trash! Einige Szenen sind ganz gut, aber der Großteil ist einfach nur Grottenschlecht, ich habe mich bei dem Film gelangeweilt, etwas nerven tun auch die Versuche dem Film einen gewissen Charakter durch Farben wie in Hero zu geben, das gelingt nämlich nicht. Einige Sachen finde ich sehr gut fotografiert, und einige Actioszenen sind sehenswert, aber all das würde den Film auf 10 Minuten reduzieren. Die sexy Outfits sind auch eine willkommene Abwechslung, aber generell ist alles andere Hirnlos. Einige gute Ansätze, nichts gutes ist dabei herausgekommen!
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Film-Angaben
Titel: Ultraviolet
USA 2006
Laufzeit: 88 Minuten
Regie: Kurt Wimmer
Drehbuch: Kurt Wimmer
Produktion: John Baldecchi, Lucas Foster
Darsteller: Milla Jovovich, Cameron Bright, Nick Chinlund, Sebastien Andrieu, William Fichtner
Kinostart: 06.07.2006
DVD-Angaben
Titel: Ultraviolet
Vertrieb: Sony Pictures
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 84 Minuten
Extras: Filmkommentar von Milla Jovovich; Entfallene Szenen; Making of; Trailer
Verleih ab: 19.12.2006
Verkauf ab: 16.01.2007
Copyright Ultraviolet
Fotos: © Sony Pictures
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