Über uns das All

Lassen Sie sich nicht von dem esoterisch klingenden Titel abschrecken! Über uns das All ist sehr präzise, ganz bei sich und bislang einer der wenigen absoluten Berlinale-Höhepunkte.

Über uns das All 01

Eine Form von Suspense: Kurz aufeinanderfolgend ist die Rede von Professor Gellendorf, von dem es heißt, er halte Pauls Dissertation für einen „Meilenstein“, und er müsse kurzfristig die Einladung zum Essen absagen. Der Zuschauer weiß: Mit Gellendorf stimmt etwas nicht, vielleicht existiert er noch nicht einmal. Und womöglich ist so einiges unwahr von dem, was Paul (Felix Knopp) seiner jungen Frau Martha (Sandra Hüller) erzählt.

An dieser Stelle mehr über den Inhalt zu verraten wäre unfair, ist Über uns das All in seiner ersten Hälfte doch ein überaus spannender Thriller, ein Suspense-Thriller eben. Und noch vieles mehr. Denn Regisseur Jan Schomburg hat den Mut, verschiedenste Genres zu versöhnen. Genau genommen ist seine Geschichte so stimmig erzählt, sind seine Figuren so genau entwickelt – und von den Schauspielern verkörpert –, dass er sich gar nicht um Genres kümmern muss. So entstehen zuweilen große Filme, und zu denen, diese voreilige Vermutung sei gestattet, kann Über uns das All durchaus gezählt werden.

Über uns das All 02

Schomburg analysiert eine Frau in der Leugnungsphase nach einem Verlust, ähnlich wie es François Ozon in seinem Meisterwerk Unter dem Sand (Sous le Sable, 2001) getan hat. Doch hier bleiben Realität und Fiktion immer getrennt. Die Frau imaginiert sich ihren Mann nicht, sie ersetzt ihn. Scheinbar.

Über uns das All löst sich in der Art seiner Inszenierung sowie im Spiel der Darsteller von dem, was manche Fernsehproduktionen aus einem solchen Stoff machen. Es gelingt Schomburg und seinem Team, an menschlichen Zuständen zu kratzen, etwas freizulegen. In dieser ungemein intimen Erzählung klingt so vieles an, ohne dass sie je geschwätzig oder beliebig wäre. Sie ist konzentriert und präzise, ganz bei sich selbst. Erst im letzten Bild ändert sich das, wenn Martha in die Kamera blickt, dem Zuschauer entgegen, und das Leben wieder die banalste aller Ordnungen gefunden hat.

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