Twilight: Eclipse - Biss zum Abendrot

Die Geschichte von Bella, dem Mädchen, und Edward, dem Vampir, geht in die dritte Runde und erweist sich einmal mehr als perfekte Wunscherfüllungsmaschine für ein genau definiertes Publikum.

Eclipse - Biss zum Abendrot

Ein Mädchen und ein Vampir vor einem Kamin, Kerzenlicht, beide sind erkennbar nackt. Er liegt auf ihr. Sie fährt mit ihren Händen hinunter zu seinem Hintern. Mach schon, sagt sie. Ich will es. Er schlägt nach nur kurzem Zögern seine Zähne in ihren Hals. Ihr Gesicht zuckt erst vor Schreck, dann vor Erregung, die Lippen sind leicht geöffnet und beben. In der halbnahen Einstellung sieht man fast die ganze Zeit die Körper der Liebenden. Dann folgt ein Schnitt auf sein Gesicht in Großaufnahme, an ihrem Hals, wie er gierig trinkt und das über ihre Haut fließende Blut mit der Zunge aufleckt.

Nein, keine Angst, das ist keine Szene aus Eclipse – Biss zum Abendrot, dem neuesten Film der Twilight-Reihe (nach Twilight – Biss zum Morgengrauen, 2008, und New Moon – Biss zur Mittagsstunde, 2009). Da bleibt Bella auch im dritten Teil noch unberührt. Der hocherotische Moment stammt aus dem sechsten Teil der ersten Staffel der Fernsehserie True Blood (seit 2008); es ist die Folge, in der die Heldin Sookie zum ersten Mal mit dem Mann ihrer Träume schläft. Die Serie demonstriert auf großartige Weise, dass eine moderne Vampirgeschichte mit viel Romantik keine Angst vor Sex haben muss.

Eclipse - Biss zum Abendrot

In Eclipse gibt es eine ähnliche Szene, die aber ganz anders endet. Auf Bellas (gespielt von Kristen Stewart) Aufforderung, (endlich) mit ihr zu schlafen, reagiert Vampir Edward (Robert Pattinson) nicht erregt, sondern mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen nobel und gequält changiert. Und statt seine Zähne in ihren Hals zu schlagen sagt er: „I want to marry you first.“ Dann gibt er ihr einen Ring, den seine Mutter getragen hat.

Das leinwandfüllende Blumenfeld, in dem Bella und Edward in einer anderen Szene sitzen, sollte auch nicht unerwähnt bleiben, um klar zu machen, was jeder weiß, der sich in den letzten eineinhalb Jahren wenigstens ein bisschen für die höheren Ränge der Kinocharts interessiert hat: Die Twilight-Serie (nach der Buch-Reihe von Stephenie Meyer) ist so ziemlich das Kitschigste, was man zurzeit im Kino sehen kann – und das Erfolgreichste. Wer nicht zur Zielgruppe gehört, steht diesem Phänomen einigermaßen ratlos gegenüber. Das gilt für Eltern wie für Filmkritiker. Jene können sich trösten, dass hier zwar mit überwältigender Marktmacht und Über-Romantik eine fragwürdige Heile-Mädchen-Welt geschaffen wird, die ganze Sache aber in ihrer Gewalt- und Sexlosigkeit ungewöhnlich harmlos ist.

Eclipse - Biss zum Abendrot

Die Kritiker sehen sich dagegen gezwungen, ernsthaft über die Verunstaltung eines verdienten Genres zu philosophieren, in dem der lüsterne Vampir zum perfekten Schwiegersohn gemacht wird. Die Prüderie, mit der es da zur Sache geht, erhält durch die oft erwähnte Tatsache, dass die Autorin Stephenie Meyer Mormonin ist, einen unangenehmen Beigeschmack. Es stimmt zwar, dass in einem Film für Dreizehnjährige ganz gewiss kein Sex vorkommen sollte. Das war in den Harry-Potter-Filmen ja auch so. Der Unterschied ist aber: Auch wenn der Akt nie vollzogen wird (jedenfalls nicht bis zur Eheschließung), so geht es in Eclipse doch um nichts anderes als Sex – nämlich darum, ihn zu vermeiden. „Schützen“ und „heiraten“ sind denn auch die am häufigsten von Edward benutzten Verben. Echter – und vorehelicher – Sex kommt nur als Vergewaltigung vor (in der in einer kurzen Rückblende erzählten Vorgeschichte einer weiblichen Figur) oder in Form von schmutzigen Gedanken, die Edward bei Männern lesen kann, wenn sie Bella erblicken. Umso nobler erscheint dagegen sein eigener freiwilliger Verzicht.

Eclipse - Biss zum Abendrot

Man kann also wahrhaftig nicht sagen, dass hier etwas vom Zielpublikum ferngehalten wird, für das es größtenteils noch zu jung ist. Vielmehr wird sehr deutlich versucht, einen Einführungskurs in Sexualität zu vermitteln, vor dem Hintergrund eines ganz bestimmten Wertesystems, das nach äußerst traditionellen Maßstäben zwischen gutem und schlechtem Sex unterscheidet – und damit ist nicht die erotische Qualität des imaginären Liebhabers gemeint, den das vorwiegend weibliche Publikum sich vorstellen mag.

Über die hemmungslos kitschigen Bilder und zum bloßen Zweck des Anschmachtens geschaffenen Einstellungen der männlichen Protagonisten kann man den Kopf schütteln oder sie als pubertäre Wunscherfüllungsmaschine hinnehmen, die liefert, was der Markt von ihr verlangt. Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass Jugendliche für schlechte Filme schwärmen, weil sie sich durch irgendetwas in ihnen direkt angesprochen fühlen. Das ist nichts, für das es hohe Filmkunst braucht. Der Autor dieser Zeilen beispielsweise hat eine bis heute anhaltende Schwäche für Grease (1978), und zwar ausdrücklich auch für den zweiten Teil (1982).

Eclipse - Biss zum Abendrot

Nicht hinnehmen kann man aber die Lieblosigkeit, mit der Eclipse gedreht ist. Szene folgt auf Szene wie Handtuch auf Handtuch an einer Wäscheleine. Von der zu vernachlässigenden Action-Handlung abgesehen, in der es um eine bedrohliche Vampir-Armee geht, die es zu bekämpfen gilt, besteht der Film fast ausschließlich aus Dialogszenen. Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn diese Dialoge nicht von herzerweichender Simplizität wären: Bella spricht mit Edward über ihre Liebe, Bella spricht mit Jacob (Taylor Lautner), dem gutaussehenden, formwandlerischen Werwolf mit dem stets nackten Oberkörper, darüber, warum sie ihn angeblich nicht liebt. Edward spricht mit Jacob darüber, dass nur er Bella richtig lieben kann. Und so weiter. Gedreht ist das in der immer gleichen konformen Schuss-Gegenschuss-Technik mit vielen Close-Ups (zum Vergleich sehe man sich die inszenatorische Vielfalt von True Blood an!), obwohl mit Javier Aguirresarobe ein Kameramann am Werk war, der für Pedro Almodóvar Spricht mit ihr (2002) gedreht hat und für Woody Allen Vicky Cristina Barcelona (2008).

Aber was soll’s. Jemand, der Grease 2 mag, sollte über Eclipse vielleicht besser schweigen.

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Kommentare


Korinna

Fazinierend finde ich ja, dass die ganze Kritik hier sich um die Enthaltsamkeit im Film dreht und nur der allerletzte Abschnitt den Inhalt des Filmes selber wiedergibt.
Das einzig treffende war meiner Meinung nach der letzte Satz.
Aber wenn ich jetzt erwähne, dass ich 14 Jahre alt und weiblich bin, werde ich wohl eh nicht ernst genommen...
Naja, mir hat der Film jedenfalls rihtig gut gefallen, der beste der Saga bisher, finde ich. Sowohl die Aktionszenen als auch die Gespräche mit Bella, Edward, Jacob, Rosalie und Co waren klasse und die Dialoge fast alle wortwörtlich aus dem Buch übernommen.
Für mich ändert auch eine solche Kritik nicht an der Tatsache, dass dies hier mein absoluter Lieblingsfilm ist. :)


chipkali

Leider entspricht der Film inhaltsgenau dem Buch. Das ist die verdammenste der Kritiken. Und so wie das Buch belanglos und simpel ist, so entspricht dem auch die Verfilmung.


bella25

Vom Film weiss ich nichts mehr aber das hier ging mir dabei durch den Kopf:

Ich hab den Film gestern in Bonn gesehen. Ok ich habe nichts erwartet. Genau das habe ich auch bekommen. Der Film ist nur auf jüngstes Teenagerfleisch zugeschnitten, auf kleine Medelsträume die genug vom Ponyreiten haben und Liebe für ein ewiges Gerede über Liebe halten ohne Liebe zu Leben. Es geht nur um Schmerz, Angst, "haben wollen" ohne Tiefe, so belanglos wie ein Mädelsmagazin, so schnell produziert wie die nächste Popstar-Gruppe, so voller Probleme die keine sind und voller Einhorn-Obsessionen, dass man sich fragen muss: "Alles klar im Kopf?".
Ich wette in 10 Jahren, werden sie sich dafür im Keller auspeitschen, so einen unsäglichen Müll, sorry, geliebt zu haben und wenn man dann die "neue" Jugend beobachtet, die vielleicht in ihrer Persönlichkeit weiterentwickelter ist, ja, dann darf man sich dafür ohrfeigen, als Vehikel für einen Schnellschuss missbtraucht worden zu sein und was viel wichtiger ist...der damalige Freund ist dann mitlerweile glücklich verheiratet, mit einer netten Familie, einen Haus, einen Pferd weil er einfach nicht so viel über NICHTS reden wollte sondern das Leben und der Liebe, nicht nur deren Vorstellung, den Zutritt gewährt hat...währen du mit deinen Obsessionen, 4 Katzen, in schwarz gekleidet in deiner 15 m² Wohnung lebst und dich fragst...mein Gott...warum versteht mich keiner.....komm mein DVD-Player (oder was auch immer)...zeig mir die Liebe..und vielleicht ist dann doch noch so viel Realitätssinn dabei, dass der VXXXXXr aus der Schublade, bei Vollmond "hergezaubert" wird;-)
Eine wichtige Frage: Vampire reagieren doch auf Blut...Sorry Mädels man kann doch offen darüber sprechen, sind doch nicht im Mittelater...reagieren die Dinger nicht auf die Monatsblutung?
Ich meine es ernst, auch so eine schwachsinnige Unstimmigkeit in der wundervollen romantischen Vampirwelt.


Lea

ich bin 14, weiblich und halte diesen film trotzdem für den letzten mist.
twilight (buch & film) war ja noch annehmbar, new moon hat mich mit seiner albernheit prächtig unterhalten, aber in eclipse wollte ich am liebsten heulen. und zwar nicht wie die ganzen 12jährigen neben mir aus herzschmerz, sondern um das umsonst ausgegebene geld, was in eine weitere grottige produktion hollywoods geflossen ist.
der film war, mal abgesehen von der story, für die die mormonin s. meyer verantwortlich ist (das unterstreicht die absurdität), öde, lieblos und vor allem laaaaangweilig.
ich für meinen teil habe genug bronzefarbene augen mit hundeblick und indianersixpacks gesehen. und das ewige gelaber wer nun wen liebt oder nicht geht mir auch tierisch auf die nerven.

fazit: wer auf grenzenlosen kitsch und unrealistisches liebesgesülze steht, mag durchaus spaß an diesem film haben, der rest geht mit einem müden lächeln und/oder traurigem blick auf den geldbeutel nach hause... :)


azu

"Aber wenn ich jetzt erwähne, dass ich 14 Jahre alt und weiblich bin, werde ich wohl eh nicht ernst genommen..."
richtig! :)

der Film war ok. Dank der selbstironischen Passagen musste man ihn nicht allzu ernst nehmen. Faszinierend ist auch, dass obwohl es ein Liebesfilm ist, keinerlei Emotionen von dem Film ausgehen. Ich musste ständig lachen, wenn es wieder losging mit den Liebesgeständnissen.
Wer da einmal Filme wie 7 Leben gesehen hat, weiß wie emotional ein Film wirklich sein kann!
Einzig allein die paar Actionszenen und die Düsterniss konnten ein wenig überzeuugen, wodurch der Film dann wenigstens zusammen mit dem Popcorn unterhaltsam war.


Sarah

wer behauptet, dass der film dem buch entspricht, hat das buch nicht richtig gelesen. wer ein buch verfilmt, sollte sich mal in etwa an die geschichte halten und nicht die hälfte weglassen oder verändern und neue handlungen und dialoge erfinden.....alleine die letzten ca. 50-60 seiten des buches wurden von den filme-machern ignoriert! und ich könnte noch unzählige beispiele nennen.......ich bin von dem film echt enttäuscht!!!!!!


Tryright

Sarah hat Recht. Ich hab den Film als Teil 3 eines Tripple Features gesehen. Gegen die ersten beiden Teile flacht er ab - obwohl auch die in vielen Details von der Original-Story abweichen. Und von dem angekündigten Action-Film war ja wohl auch nicht viel zu sehen. Der beste Kommentar im Film - "Kann er sich kein T-Shirt leisten?". Der Regisseur konnte sich wohl nicht etwas mehr Zeit und Beschäftigung mit dem Buch leisten.


kiki

Ja also ich fand ihn Gut würde 8 von 10 Punten geben, was mir nicht gefalen hat war dass einige gute stellen aus dem Buch gefehlt haben, vor allem wenn man an das Buch denkt erinnert man sich an andere stellen.
Am schlechtesten beim film fand ich den Schluss die letze Szene die war nicht so toll. Auch der heiratsantrag fand im Buch sehr romantisch und lang statt zum lesen sehr emotional im film aber kurz und Schmerzes. Außerdem lässt man die bella-Eduard Diskussionen die ich für wichtig gehalten hätte weg. Zb:. Das bella allein am platz warten soll während dem Kampf, sie das aber nicht will .

Was ich so unforeibgenommen noch sagen würde wäre dass man auf jeden Fall teil eins und zwei des Volkes gesehen haben sollte, am besten sollte man dass Buch lesen denn alle die ich kenne die nur den film gesehen haben finden twilight scheiße, alle die aber zuerst dass Buch gelesen haben und dann denn film gesehen haben fanden ihn o.k oder gut

Fazit: Die Bücher sind Welten besser als die filme sie hat einfach mehr Talent zum schreiben als zum filmen.
Das hin und her weichen zwischen den Szenen ist zu abrubt


larissa

Ist es nicht normal das jeder seine eigene Meinung von den Biss-Reihen hat?
Es gibt auch Erwachsene die diesen Film lieben?
Was hat das mit dem Alter zun tun,genau so gibt es kleine Kinder die diese Film nicht gut finden.Manche stehen auf so Kitsch-Filme?Manche Stehen auf Vampire,Sagas etc auch wenns übertrieben ist.Der Film muss auch nicht jeden gefallen.Der Film sit nicht umsonst erfolgreich und bringt der Machern viel Geld ein,mehr wollen die doch auch gar nicht?Wen interessieren die,die Kritik an den FIlmen nehmen,davon gibts genug und wird es imemr welche geben.Was verlangt ihr auch?
Ich bin 17 Jahre und finde die Filme klasse,auch wennd er 3 Teil nicht ganz so toll war wie 1 u. 2.
Soll doch jeder seine negativen und postiven Meinung lassen und gut.
WIe man da so drüber diskutieren kann.


Draculina ;-)

Sooo, ich sage es jetzt mal aus der Sicht einer beinahe 30jährigen: Autsch!
Liebe Tennies (war ich selber mal, damals war es DiCaprio, den wir toll fanden),ich kann ja verstehen, dass ihr den Kram mögt, aber meint ihr denn nicht, dass das alles etwas übertrieben ist und wer von euch ist denn nicht schon mit 15 keine Jungfrau mehr??? Guuut, sicher kann man von diesem Edward träumen oder von Mr. ich habe kein TShirt, aber dieser ganze Hype ist ja nicht recht nachvollziehbar, denn seien wir ehrlich, sooo toll sind diese Filme nicht gemacht. Außerdem, wenn der angeblich gefährlichste Killer des Planeten (EDWARD) 1. ein Weichei ist und 2. in der Sonne glitzert wie eine Perle am Sandstrand, dann kann ich mich nur noch vor lachen am Boden wälzen.
Jedem das seine und ich kenne durchaus noch 24jährige, die das toll finden, aber später werdet ihr euch das angucken und denken: "OH MEIN GOTT!!! Wie konnte ich nur?!" Ich kenn das, kennen glaub ich alle. Leo sieht in Titanic immernoch lecker aus, aber täuscht das über den Rest weg? Irgendwann nicht mehr.
Ich nehme Twilight also als Phänomen auf Zeit hin und habe irgendwie Mitleid mit Mr. Pattinson, der es hoffentlich schafft, sich das Image dieses Weichspülervampirs abzustreifen.
In diesem Sinne, und ihr könnt nun gerne auf mich schimpfen, allet Jute! ;-)






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