Twilight 4: Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht (Teil 1)

Endlich Sex und Blutdurst: Im vierten Film der Twilight-Saga beginnt für Bella die ewige Partnerschaft mit ihrem Edward.

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Nach all dem Warten, der Zurückhaltung, dem Sehnen und Schmachten ist es womöglich ein wenig frustrierend, mit Sicherheit aber antiklimaktisch (zumindest in einem übertragenen Sinne), mit welcher Nonchalance Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht, Teil 1 (The Twilight Saga: Breaking Dawn – Part 1, 2011) nun die Hochzeit der beiden Protagonisten inszeniert und all das, was nach Moral und Ordnung so danach zu kommen hat: Hochzeitsnacht, Schwangerschaft, Vampirwerdung.

In allen Details erklären muss man die Grundkonstellation der Twilight-Romane (von der Amerikanerin Stephenie Meyer verfasst) und -Filme vermutlich nur Menschen, die die vergangenen Jahre glücklich auf einem fernen Planeten verbracht haben oder an einem anderen Ort, der von globalen popkulturellen Trends erfreulich verschont geblieben ist. Die ersten drei Filme und Bücher  handeln davon, wie die brave, aber etwas ungeschickte Bella Swan (Kristen Stewart) den schönen Edward Cullen (Robert Pattinson) kennenlernt, sich in ihn verliebt und dann herausfindet, dass er ein Vampir ist, allerdings ein guter: Familie Cullen hat der Menschenjagd abgeschworen und ernährt sich „vegetarisch“, das heißt nur von Tierblut. Bella möchte ihren Edward nie mehr verlassen und deshalb auch ein Vampir werden, wovon ihr wirklich alle abraten, insbesondere ihr bester Freund Jacob Black (Taylor Lautner), der irgendwann zwischendurch herausfindet, dass er einer Familie von Werwölfen entstammt.

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Die Twilight-Saga positioniert sich also ziemlich fest im mittlerweile dicht besiedelten Berührungspunkt von schmalziger Romanze, Abenteuerstory und Vampirgeschichte; anders aber als in den heißblütigen, im Süden der USA angesiedelten True Blood-Romanen samt daraus entstandener Fernsehserie geht es bei Twilight immerzu um Selbstbeherrschung und Verzicht – auf Blut, auf Sex (vor der Ehe jedenfalls), auf Sonnenlicht (das lässt die Meyer’schen Vampire nämlich recht auffällig glitzern). Das hat dem Franchise schon von verschiedenen Seiten den Vorwurf eingebracht, eine recht konservative politische Agenda unter die jugendliche Leserinnenschar bringen zu wollen – die „Twihards“ genannten Hardcore-Fans der Bücher und Filme muss man sich in der Regel als weiblich vorstellen.

Und in der Tat transportieren die Geschichten Rollenbilder und Geschlechterstereotypen, die wohl als konventionell, wenn nicht rückwärtsgewandt gelten müssen. Der neue Film verstärkt dies ausgerechnet in dem Moment, in dem Bella sich in einem neuen Lebensabschnitt erstmals nicht nur als passive Figur erweist, sondern selbst die Initiative ergreift. Sie tut das, indem sie – und das findet sich passgenau in die reaktionäre Politik der Serie ein – trotz größter Gefahr für ihr eigenes Leben für eine Schwangerschaft entscheidet.

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Vorher aber muss geheiratet werden, und Regisseur Bill Condon, der zuletzt mit Dreamgirls (2006) und Kinsey (2004) zwei gänzlich anders gelagerte Filme gemacht hat, inszeniert dieses Fest mit der größtmöglichen Menge an romantisierendem Schmalz: Die Braut in Weiß, weiße Blüten bedecken den Boden, und beim ersten Kuss als Mann und Frau schwingt die Kamera in endlosen Kreisen um das Paar herum, während die Hochzeitsgesellschaft verschwunden zu sein scheint. Mehr geht nicht; und man möchte das auch als Zugeständnis an die Vorlage wie an die Fans lesen, mit welcher Inbrunst und Bedingungslosigkeit da das Glück wahrer Liebe in der flachsten, überladendsten Weise inszeniert wird.

Dann entführt Edward seine Bella auf eine Insel irgendwo vor Rio de Janeiro. Sie hatten sich darauf geeinigt, dass Bella ihre Flitterwochen noch als Mensch verbringen soll, aber Geschlechtsverkehr darf es schon sein, und so kommt, was das Idyll eigentlich perfekt machen sollte: Kaum ist das Bett unter vampirisch verstärkter Lust und Körperkraft zerbrochen – zu sehen gibt es freilich viel vom Bett und nur Zurückhaltendes von der Lust –, ist die Frischvermählte auch schon schwanger. Feste Nahrung kann sie dann nicht mehr aufnehmen, und obwohl das Kind, das massiv beschleunigt wächst, ihre Kräfte vollständig aufzubrauchen scheint, weigert sie sich, die Schwangerschaft abzubrechen.

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Breaking Dawn spielt hier – wie um die in den USA rund um Ehe, Enthaltsamkeit und Sexualität schwelenden Diskussionen auch komplett abzudecken – überdeutlich auf die dortigen Abtreibungsdebatten an, sogar in der stereotypen Rollenverteilung und schließlich in der Versöhnung zwischen Edward und Bella. Das wird nicht besser dadurch, dass die Lösung des Ernährungsproblems auf der Hand liegt und von den Figuren dennoch ewig lange nicht einmal erwogen wird.

Währenddessen wird Kristen Stewart computergestützt auf vollends anorektische Körperformen heruntergehungert, und auch die schließlich einsetzende Geburt ist kein schöner Anblick. In ihr zeigen sich allerdings sogar Ansätze eines Körperhorrors, die dem so glattgespülten Franchise sonst völlig fehlen. In den fast zwei Stunden dieses Filmes sind diese, die letzten fünfzehn Minuten, die allerersten, die mehr als nur oberflächliches Interesse wecken können; es sind womöglich sogar die ersten in der Filmsaga überhaupt. Sieht man das zusammen mit dem stellenweise recht widerborstigen Soundtrack und der reduzierten typografischen Inszenierung des Abspanns, so fragt man sich doch, ob Bill Condon womöglich versucht hat, ein paar Elemente einzufügen, die dem schlichten Gemüt von Vorlage und Drehbuch etwas entgegensetzen sollten. 

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Kommentare


Dr. Andreas+Jacke

Bella Swan wird Mutter – von Andreas Jacke

Die Twillight Saga geht in ihre lang erwartete letzte Kinorunde. Der letzte Roman der Tetralogie kommt nun in zwei Teilen (November 2011 u. 2012) ins Kino. Die Regie dafür übernahm Bill Gordon (Dreamgirls). Das die Regisseure bisher bei jeder Folge gewechselt haben, ist aber kaum spürbar gewesen. Und so ist auch der Inszenierungsstil des letzten Teils sehr ähnlich wie zuvor. Langes schönes Schwelgen in zärtlichen und tiefromantischen Liebesvorstellungen wechselt sich mit leichten Horroreffekten ab. Zunächst Balsam für verängstigte Seelen dann Suspense und am Ende leichter Horror. Alles relativ harmlos inszeniert und stets mit der Gewissheit versehen – dass alles zu einem guten Ende findet.

Nachdem sich Bella Swan (Kristen Stewart) bereits in der vorhergehenden Folge eindeutig für ihre Liebe zu dem Vampir Edward Cullen (Robert Pattinson) ausgesprochen hat, wird sie ihren Traummann nun heiraten. Die romantische Hochzeitsfeier ist wie es sich jede Frau nur erträumen kann. In den Bund der Ehe einzutreten ist dennoch keine einfache Sache. Ohne Tränen und Verabschiedungen geht das nicht. Garniert wird das hohe Fest noch durch die zwei Sorten von Gästen – Menschen und Vampiren – wobei die Menschen gar nichts davon wissen in welche neue, bizarre Gesellschaft Bella da nun vor ihren Augen einheiratet. Es gibt noch einige witzige Hochzeitsreden: Bellas Mutter, sieht in ihrer Tochter immer noch das Kind – während ihr Vater sie als Polizist mit seinem Revolver beschützen möchte. Wie wenig wissen Eltern doch über ihre erwachsenen Kinder?

Dann folgen die aufregenden Flitterwochen mit Edward auf einer Insel in der Nähe von Rio de Janeiro. Das junge Paar kann nun nach dem Eintritt in die Ehe endlich Bellas lang ersehnten Wünschen einer sexuellen Erfüllung nachgehen. Diese Sequenzen werden den Kultstatus, den die Figuren bei dem jugendlichen Publikum ohnehin bereits haben, ordentlich intensivieren. Doch was wäre auch die beste eine Ehe ohne Probleme? Sie beginnen damit, dass Edward beim Sex nicht bloß das Bett, sondern auch Bellas Rücken und Arm etwas ramponiert hat. Ihr macht dass nichts aus – er möchte aber nicht erstmal nicht mehr mit ihr Schlafen. Und schon kurz nach der erotischen Erfüllung müssen sich Bella und Edward mit den biologischen Konsequenzen vertraut machen: Bella ist schwanger. Das wäre eigentlich kein Problem für sie, wenn nicht der Vater ihres Kindes ein Vampir wäre und deshalb keiner so genau weiß, wie das ausgehen wird. So beginnt eine Panik, die die typischen schizoiden Elemente des Horrorfilms in sich trägt. Ist das Kind böse und wie ein Parasit, der die junge Schwangere von Innen aussaugt? Oder trägt er wie Bella mehr menschliche Züge? Bella vertraut ihren mütterlichen Gefühlen und aus ihrer Angst wird rasch eine Sorge um dieses Kind das sich dann als sehr menschlich erweisen wird...

Die Sippe der Werwölfe ist da ganz anderer Ansicht und meint man müsse die Geburt verhindern und Bella töten. Ihr alter Freund Jacob Black (Taylor Lautner) entscheidet sich aber weiterhin dafür sie zu beschützen. Psychoanalytisch betrachtet hat sich Bella mit ihrer Wahl Edward zum Gatten zu nehmen in Richtung Über-Ich entschieden. Der Reiz der Reihe besteht aus diesem Dreieck, in dem Edward der Blut entsagende, schuldbewusste Vampir das Über-Ich darstellt, während Jacob die animalische Seite eines produktiven Es verkörpert. Die Animation der Werwölfe – zu denen Jacob gehört – ist in dieser Folge besonders wichtig. Sie tragen nun vor allem untereinander einen Kampf um das Leben von Bella aus. Jacob gelingt es dabei von seinem Rudel unabhängig zu werden und die anderen zurück zuweisen.

Dennoch kostet Bella ihre Schwangerschaft fast das Leben. Edward muss aus ihr nach der Geburt einen Vampir machen, um sie zu retten. Damit wird endlich vollzogen, worauf der Betrachter eigentlich schon seit der ersten Folge gewartet hat. Doch genau in dem Augenblick wo Bella als Vampir ihre nun roten blutunterlaufenen Augen aufschlägt ist der Film vorbei. Damit bleibt die Erwartung bis zur letzten Folge bestehen. In der Tat kündigt Bellas Verwandlung das Ende der Geschichte an. Das ist ein besonders interessanter Aspekt. Auch das merkwürdige Konzept, ein Mädchen das die Wahl hat sich hat sich zwischen einem Werwolf und einem Vampir (zwei Genregestalten des klassischen Gruselfilms) zu entscheiden, wird am Ende dieser Folge bereits aufgegeben. Jacobs Part besteht am Schluss darin Bellas Baby Renesmee vor den anderen Werwölfen zu beschützen. Er ist auf das Kind geprägt, was ihn zu einem lebenslangen Beschützer von Bellas Tochter werden lässt. Er verliert damit sein Motiv weiter auf Edwards Platz bei Bella eifersüchtig zu sein. So haben sich die Perspektiven nun insgesamt verschoben. War bisher Bella diejenige, die es zu schützen galt, wird es nun fortan ihr Kind sein. Außerdem sind Bella und Edward nun nicht mehr bloß verliebte Teenager, sondern junge Eltern. Und Jacob erklimmt ebenfalls eine andere Stufe, in dem er selbst zum Leiter eines Rudels wird. Alle wichtigen Figuren kommen demnach in dieser Folge eine entscheidende Stufe letzte weiter, die so das Finale einleitet.

Die Twillight-Serie ist so erfolgreich, weil sie durch ihre romantische Fantasy-Romantik die alten viktorianischen Horrorgestalten und Spukgeschichten im Lichte emotionaler Befindlichkeiten und Sehnsüchte einfach ein ganzes Stück weit auflöst. Sie erneuert und ergänzt so das Repertoire der oralen Aggression (Biss) und des gespenstischen Spiel mit Gut und Böse – Leben und Tod. Viele Träume der Menschen werden hier erfüllt. Vielleicht ist die Unsterblichkeit zu erlangen von ihnen am Ende der wichtigste – doch das werden wir erst nächstes Jahr erfahren.


Dr. Andreas+Jacke

Ergänzung zum Film: Dreierlei Dinge wurden bei der bisherigen Kritik an diesem Film bisher kaum berücksichtigt:
1. die Zielgruppe - und damit die didaktische Funktion der Serie - die tatsächlich eine Verwantwortung übernimmt und zu übernehmen hat, denn sie richtet sich an Heranwachsende. Der 68er Kanon der freien Liebe reicht dazu nicht aus.
2. Es handelt sich in erster Linie um Unterhaltungskino - dass aber gerade weil es in den Horrorfilm hineinreicht - eine subversive Seite hat (die Michel Focaults Ansprüchen nicht Genüge tun würde) - Daher die Kontroverse über die Rücknahme des Vampirhorrors.
3. Die Geschlechterdebatte - die meisten Horrorfilme unterstützen eine gewalttätige Perspektive auf Frauen und werden deshalb von Männern unterstützt (warum auch immer). Das deckt die Twilight-Saga nicht mehr ab. Sie steht in der Tat unter matriarchalen Vorzeichen - einer Mutter-Kind-Schutz-Problematik. Das ist sicherlich konventionell aber erweitert den Rahmen.
Aber es gilgt hat die goldene Regel: Der amerikanische Blockbuster ist- wenn er nicht doch etwas Politisches gegen die Nation transportiert - sowieso verachtenswert.. So der etwas einfache europäische Kanon - an dieser Stelle.


Lusiana

Der Film ist sehr romantisch. Ich mochte zwar am Anfang Renesmee nicht, aber jetzt finde ich dass sie das Familienglück perfekt macht. Aber mal so als Rat: Jacob ist doch überflüssig z.B. im Buch Jacob kommt, Bella geht es schlecht, er geht wieder. Er kommt wieder, Bella geht es noch schlechter, er geht wieder. Dass kann doch nicht deren Ernst sein. Ich finde Jacob ist zur falschen Zeit am falschen Ort.






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