Tucker & Dale vs Evil

Endlich mal wieder eine Splatterkomödie, die mit Originalität, Witz und Cleverness überzeugt.

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Eine Splatterkomödie zu inszenieren und damit einen gewissen Kultstatus zu beanspruchen, das zeigt sich auch und gerade auf dem Fantasy Filmfest in schöner Regelmäßigkeit, scheint relativ leicht: Man verwendet dasselbe Grundgerüst, das meist im gleichen Jahrgang auch eine Handvoll ernst gemeinter Filme zur Hand nehmen – böser Slasher, amüsierwillige Teenager in Feierlaune, blutiges Handwerk –, verknüpft es mit etwas beliebigem Slapstick und ein paar Zitaten aus Filmen, die so unverzichtbar im Splatterkanon sind, dass sie auch slow Joe in the back row zwingend wiedererkennt, und behauptet dann, einen launigen Partykracher vorgelegt zu haben. An Komik haben dann die oft semiprofessionellen Produktionen zwischen Zombieschafen und evil aliens meist nur die grundlegende Überzeugung zu bieten, dass spritzendes Blut an sich bereits eine Pointe sei.

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Dabei ist mit der Überbietungslogik, die die comichafte Splatterkomödie etwa zwischen Dan O’Bannons The Return of the Living Dead (1985) und Peter Jacksons Braindead (1992) verfolgte, heute kein Staat mehr zu machen, seit letzteres Großwerk des logischerweise inzwischen zum Blockbusterregisseur avancierten Jackson einen bis heute gültigen Maßstab setzte – und, das wird allzu oft vergessen, unter all dem Gedärm und Kunstblut eine liebevolle Hommage an das Slapstickkino von Buster Keaton und Harold Lloyd versteckte. Mit Tucker & Dale vs Evil legt Regiedebütant Eli Craig nun nicht nur die wohl schönste Splatterkomödie seit mindestens einer Dekade vor, er weist darüber hinaus einem tief in der Sackgasse verrannten, untoten Subgenre einen Weg in die Gegenwart.

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Dabei bleibt narrativ im Grunde alles beim Alten: eine Gruppe Teenies im Sommerurlaub, Drogenkonsum und Nacktbaden, und schließlich die Begegnung mit zwei sich psychopathisch gebärdenden Rednecks, irgendwo im tiefen Wald. Nur dass die Rednecks, Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine), im Grunde freundlich, friedfertig und hilfsbereit sind, was die hysterischen und offensichtlich horrorfilmerfahrenen Jugendlichen jedoch konsequent fehldeuten. Tucker und Dale wissen jedenfalls nicht, wie ihnen geschieht, als die Großstadtkids beginnen, sich bei der vermeintlichen Selbstverteidigung gegen die Psychokiller durch immer absurdere Unfälle reihenweise selbst um die Ecke zu bringen.

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Aus dieser schlichten Verschiebung gewinnt Tucker & Dale vs Evil beträchtliches komisches Potenzial, indem er zwei Perspektiven auf seine eigenen, oft als ikonisch zitierten Bilder aufeinanderprallen lässt: Die Teenager, die nur unwesentlich karikaturistischer erscheinen als im seriös gemeinten Horrorkino, blicken gewissermaßen durch die Genrebrille auf das Geschehen, die eigentlich ambivalente Signale auf eine scheinbar eindeutige Bedeutung hin festlegen will – während die Serienmörder wider Willen eine betont bodenständige Perspektive einführen, welche die Mutmaßungen der Jugendlichen als lächerlich entlarvt und gleichzeitig damit die Genremechanismen und ihre Klischees selbst aufs Korn nimmt.

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Tucker & Dale vs Evil ist ein rundum gelungener Film: Eine gute Grundidee wird fantasievoll und originell durchgespielt, hinzu kommen zwei äußerst liebevoll gezeichnete (Anti-)Helden, ein perfektes Gespür für komödiantisches Timing und genug Cleverness, um die Eskalationslogik des Plots über 90 Minuten kurzweilig und abwechslungsreich zu variieren. Es wäre dem jungen Filmemacher Eli Craig nur zu wünschen, dass die Mühe, die er sich mit all diesen im Funsplattergenre so oft vernachlässigten Details gemacht hat, von den Genrefans erkannt und angemessen honoriert wird.

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Kommentare


FaceHeim

Hatten den Film gestern in der Snaekpreview und ich muss sagen ein hammer Film! Selten so Tränen gelacht. Dieser Film bedient sich am typischen Horror-Hinterwälderl-Klische aber auf eine so geniale Art und Weise das man sich gelangweilt oder veräppelt fühlt. Wenn man vom Splatter weg sieht hatte der Film sogar Niveau!
Wer auf Splatter und viel zu lachen steht sollte sich den Film UNBEDINGT angucken!


Lars Mrusek

War auch in der Snaekpreview
Super geiler Film Viele Lacher ,viel blut.
Schon lange nicht mehr so gelacht !!!


Kim

Ich habe den Film heute geschaut und ich konnte nicht mehr aufhören zu lachen!!
Genialer, humorvoller Film. Man lacht auch bei eigentlich schlimmen Szenen. Echt sehr lustig.
5 Sterne!!!


Matt

Schade, dass der Film hier nur zu so blöden Zeiten kommt - bzw. in vielen Kinos gar nicht erst kam.. naja - dafür hoffentlich bald auf DVD...


Dahlia

Der Film war einfach der Hammer :D Schon lange nicht mehr so was lustiges gesehn!






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