Trumbo

Nonchalante Kommunisten in Hollywood: Jay Roach entwirft ein gemütliches Porträt eines Autors zur Zeit der McCarthy-Ära.

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Es hat etwas von einem Klassentreffen, wenn Hollywood den Blick auf seine Vergangenheit richtet. Ob Satire oder Biopic, man entsinnt sich gerne alter Ikonen oder lacht respektvoll über die Exzentriker jener Zeit. So beginnt auch Jay Roachs Trumbo mit den bekannten Bildern der Hollywood-Selbstrückschau: Regiestühle, aufwändig gebaute Studiosets, Kondensatormikrofone und garantiert keine Greenscreens. Die Filmsets der Zeit, bevölkert von den Legenden einer Ära: Edward G. Robinson (Michael Stuhlbarg), Otto Preminger (Christian Berkel) und Kirk Douglas (Dean O’Gorman). Allesamt charakterstarke Hollywoodgrößen mit ihren in weite Anzüge gehüllten, ausladenden Körpern, ständig glimmenden Zigaretten und einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Die Zeilen, die sie im Studio lesen oder inszenieren, stammen von Dalton Trumbo, den Bryan Cranston in seiner unverkennbaren Körperlichkeit imitiert: die durch jahrelanges Sitzen leicht gebeugte, eingeschnürte Haltung, der aufrechte Kopf und ein Gesicht, aus dem der Blick des Wissenden stets eine fast arrogante Gelassenheit ausstrahlt.

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Die Zigarettenspitze im Mundwinkel, sitzt Trumbo vor der Schreibmaschine, auf die er mit den Zeigefingern einhackt. Er schreibt, denkt und lebt mit Nachdruck. Der gleiche Nachdruck, mit dem der Autor seine Widersacher in langen, präzisen und immer wieder von Kunstpausen gespickten Ausführungen niederwalzt. Und Widersacher gibt es für aktive oder ehemalige Mitglieder der Kommunistischen Partei wie Trumbo reichlich in den Reihen Hollywoods. Allen voran die Motion Picture Alliance for the Preservation of American Ideals, an deren Spitze niemand anders steht als John Wayne (David James Elliott), der als Prototyp des großspurigen Antikommunisten auf die abtrünnigen Hollywood Ten hinunterblickt. Zusammen mit der in aristokratische Kleider und prunkvolle Hüte gehüllten Gossip-Queen Hedda Hopper (Helen Mirren), die mit scharfer Zunge gegen die Volksverräter unter den Hollywoodstars agitiert, bildet er die antikommunistische Front der Unterhaltungsindustrie. Ein bunter Kostümball, auf dem sich Hollywood in Gut und Böse separiert.

Einmal McCarthy und zurück

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Ein derartiger Aufbau hört sich zunächst wie eine Hollywood-Satire à la Robert Altman an, doch Trumbo bleibt ein schlichtes Biopic. Bevor der Dunst von Metaebene sich verbreiten kann, schaltet Roach Schwarz-Weiß-Archivaufnahmen dazwischen, die mit ebenfalls farblosen Reenactments verschmelzen, die wiederum schließlich live zu Farbbildern der Verhöre durch das Komitee für unamerikanische Umtriebe werden. Trumbo und die Hollywood Ten werden hier nach ihrer Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei gefragt, können die Kommission aber in erster Instanz noch mit scharfer Zunge und dem First Amendment lächerlich machen.

In zweiter Instanz werden die Abtrünnigen dann für diese Missachtung des Kongresses zu Gefängnisstrafen von sechs bis zwölf Monaten verurteilt. Trumbo findet sich kurz darauf nackt in einer Zelle wieder, in der er, den Anweisungen eines Wärters folgend, seine Zunge rausstrecken, die Hoden anheben und den Anus spreizen muss. Die Demütigung zeichnet für einen kurzen Moment die Schrecken der McCarthy-Ära auf das Gesicht des Schriftstellers, die sonst vor allem dann an die Oberfläche brechen, wenn nicht die Bösewichte aus Filmindustrie und Staatskomitee hasserfüllt auf Trumbo hinabschauen, sondern einfache Menschen wie Gefängniswärter, Nachbarn oder Kinobesucher. Menschen, die nicht der „US & Them“-Logik des Hollywood-Kostümballs unterworfen sind. „Once I get out of here, I have to decide what kind of writer I want to be“, schrieb Dalton Trumbo einmal in einem Brief an seine Familie. Jay Roach aber sinniert nicht. Er ist an schnellen Lösungen interessiert, und so wirkt Trumbos Knastaufenthalt, nach kurzem Schrecken, wie ein der Vollständigkeit geschuldeter Arbeitsausflug, den der Autor mit Bravour in wenigen Filmminuten besteht.

Schwarzmarktromantik

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Wieder auf freiem Fuß, beginnt für Trumbo die Zeit auf der schwarzen Liste Hollywoods. Dieser zum Trotz ist der Schriftsteller, den Jay Roach aus dem Knast entlässt, hauptsächlich eins: erfolgreich. Er ist nicht mehr der bestbezahlte Autor Hollywoods und muss jetzt unter Pseudonym B-Movie-Drehbücher schreiben, aber er schreibt. Im perfekten Sinnbild für sein Leben auf der Blacklist sitzt Trumbo seinem Freund und Kollegen Ian McLellan Hunter (Alan Tudyk) gegenüber. Auf dem Tisch steht ein Academy Award. Neben ihm ein Skript. Der Oscar gehört Trumbo, die Inschrift zeigt „McLellan Hunter“. Das Drehbuch ist für einen neuen „Gorilla-Film“. Kein Academy-Kandidat, ein B-Movie für die King Brothers Productions. Und so zieht es sich hin. Nun verhandeln die Autoren, wie die Prämie zu teilen ist. Beide überbieten ihr Gegenüber, indem sie den eigenen Anteil zurücknehmen. Nachdem die Verhandlungen abgeschlossen sind, schiebt McLellan seinem Freund das Skript rüber. Es ist sein Beitrag für den B-Movie-Drehbuch-Schwarzmarkt, dessen Infrastruktur Trumbo, angetrieben von Arbeitswillen und mithilfe von Zigaretten, Whiskey und Amphetaminen, für sich und seine Blacklist-Kollegen hochgezogen hat.

Die unvermeidliche Vernachlässigung des Familienlebens wird mit einem Schlafzimmergespräch wieder eingerenkt, und auch die Fernsehbilder, die die Hinrichtung des wegen Hochverrats angeklagten Ehepaares Julius und Ethel Rosenberg ankündigen, können das Glück der Trumbos nicht mehr erschüttern. Nur kurz darauf zeigen diese Bilder erneut die Academy Awards. Auf dem Drehbuch-Oscar steht zwar wieder nicht Trumbo, gefeiert werden darf aber trotzdem.

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