Tropic Thunder

Ben Stillers stargespickte Parodie auf die Allüren und Eitelkeiten im Blockbusterkino hat große, sehr komische Momente - und gelegentlich zu viel Leerlauf.

Tropic Thunder

Es ist wieder so weit: Hubschrauberrotoren drehen sich über asiatischen Feldern, Bomben und Napalm fliegen, und im Vordergrund sterben amerikanische G.I.s. Und gerade wenn’s so richtig melodramatisch wird, unterbricht einer der Soldaten die Szenerie, die sich plötzlich als Filmset herausstellt, auf dem alles schief geht, was schief gehen kann. Denn Regisseur Damien Cockburn (Steve Coogan) hat seine Crew kaum, seine Schauspielstars gar nicht im Griff. Kurz darauf brennt ein Spezialeffekt zu früh ab, womit der Film, der hier gedreht werden soll, nach nur fünf Tagen schon einen ganzen Monat im Drehplan zurückliegt.

Wenn ein Film über den Vietnamkrieg unter solch dramatischen Umständen in die Binsen geht, liegt die Erinnerung an Francis Ford Coppolas Apocalypse Now von 1979 nicht fern. Coppolas Meisterwerk ist berüchtigt für seine Entstehungsgeschichte: Die Dreharbeiten dauerten nicht wie geplant wenige Wochen, sondern weit über ein Jahr und fanden unter unmenschlichen Bedingungen statt. Martin Sheen, einer der Hauptdarsteller, erlitt während der Zeit einen Herzinfarkt.

Tropic Thunder

Das Ergebnis war freilich einer der berühmtesten Filme aller Zeiten und der womöglich wichtigste Film über Vietnam, den die amerikanische Kriegsfilmproduktion hervorgebracht hat. Zahlreiche der ikonisch gewordenen Bilder aus Apocalypse Now findet man nun als Zitate in Tropic Thunder wieder; Tropic Thunder ist allerdings weder wirklich Hommage an noch Parodie auf Coppolas Film, sondern bedient sich für ganz andere Zwecke aus dem Fundus, den Apocalypse Now mit seiner Bildersprache, seiner eigenen Mythologie und seiner Entstehungsgeschichte bietet.

Das eigentliche Thema von Tropic Thunder sind die Eitel- und Befindlichkeiten der Stars und Macher im Blockbusterkino, und zu diesem Zweck versammelt der Film einen ganzen Schwung von absonderlichen Kreaturen, die aber nur zu vertraut erscheinen, wenn man neben dem Kino auch nur ein wenig die Klatschpresse verfolgt. Vor allem sind das die Schauspieler, die zum Dreh von „Tropic Thunder“, dem Film im Film, nach Asien eingeflogen wurden: der durch seine anscheinend immergleichen „Scorcher“-Filme bekannte Actionstar Tugg Speedman (Ben Stiller), der Flatulenzkomiker Jeff Portnoy (Jack Black), Rapper Alpa-Chino (Brandon T. Jackson) und der Charakterdarsteller Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.).

Tropic Thunder

Portnoy macht Filme irgendwo in den Niederungen zwischen Eddie Murphy und den Gebrüdern Farrelly; anders als er hat Speedman sich durch eine Rolle als geistig behinderter „Simple Jack“ bemüht, seine Genreecke zu verlassen und Fuß im anspruchsvollen Kino zu fassen – beziehungsweise einen Oscar zu gewinnen. Dass ihm das nicht gelingen wird, ist Thema des denkwürdigsten Dialogs des Films, in dem Lazarus Speedman auseinandersetzt, dass nur jene Rollen auch mit Oscars prämiert werden, in denen der Behinderte noch besondere Fähigkeiten mitbringt – Rain Man (1988) und Forrest Gump (1994) wurden ausgezeichnet, Sean Penn in Ich bin Sam (I am Sam, 2001) aber nicht. „Going full retard“ lohne sich halt nicht.

Behindertenverbände haben in den USA wegen dieses Dialogs zum Boykott von Tropic Thunder aufgerufen, aber ihre Kritik geht am Kern vorbei – hier werden nicht die Behinderten lächerlich gemacht, sondern die herablassende Haltung Hollywoods ihnen gegenüber –, und trifft auch noch ausgerechnet die witzigste und präziseste Szene des ganzen Films.

Tropic Thunder

Während dieses Gesprächs sind die Protagonisten längst im Dschungel gestrandet – um den Film realistischer wirken zu lassen, versteckt Cockburn Kameras im Dschungel und schickt seine Hauptdarsteller allein auf einen Trip durch die Wildnis. Und weil die ahnungslosen Schauspieler ein echtes Lager von Drogenhändlern für das im Drehbuch beschriebene Kriegsgefangenenlager halten, gibt es alsbald reichlich Verwicklungen, Explosionen und Schussgefechte.

Tropic Thunder wird dann relativ schnell zu einem eher durchschnittlichen Beispiel für das Actionkino, das der Film eigentlich en passant auch noch parodieren sollte. Mit seinen schicken Effekten reiht sich Tropic Thunder jedoch eher selber in das Genre ein. Weil sich die Beziehungen zwischen den Protagonisten nie so recht zu einem stimmigen Ganzen fügen wollen, entsteht keine Dynamik zwischen ihnen – und die fehlt auch Tropic Thunder in einigen Passagen. Das macht den Film leider dem herkömmlichen Blockbusterkino mit seinen stereotypen Versatzstücken und Handlungselementen nur noch ähnlicher. Was ihn deutlich davon abhebt ist natürlich die Distanz, die er zu sich selbst aufbaut, indem das Metafilmische fortwährend betont und immer wieder ausgespielt wird.

Tropic Thunder

Und wenn man die grandiose Parodie eines Studiobosses erlebt hat, die ein bekannter Schauspieler (und Eigentümer eines Filmstudios) hier auf die Leinwand bringt, von dem man derlei weder gewohnt ist noch erwartet hätte, ist man mit Tropic Thunder schon beinahe versöhnt. Falls man den Mann trotz Brusthaartoupet und Bodysuit überhaupt erkennt.

Größere Verkleidungskunst beweist in diesem Film nur noch der blonde Australier Lazarus, ganz der in seinen Rollen versinkende method actor, der sich seine Haut hat operativ einfärben lassen, um die Rolle eines Afroamerikaners spielen zu können. Ohnehin ist es eine große Freude, Downey Jr. bei der Arbeit zuzusehen; wie er seine Figur hier mit Alpa-Chino immer wieder über authentische schwarze Erfahrung streiten lässt, das macht es, bei allen Schwächen im Detail, dann schon wert, Tropic Thunder zu sehen.

Trailer zu „Tropic Thunder“


Trailer ansehen (1)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.