Tron Legacy

28 Jahre nach ihrem Science-Fiction-Film Tron haben sich die Disney-Studios an eine Fortsetzung gewagt. Wie sein Vorgänger legt auch Tron Legacy vor allem Wert auf eine ansprechende Verpackung.

Tron Legacy Plakat

Tron (1982) verfolgt einen eigenwilligen Ansatz: ein Film, der hauptsächlich im Inneren eines Großrechners spielt und von Programmen und Viren handelt. Dieses Konzept funktionierte allerdings nur, indem die virtuelle Welt vermenschlicht wurde. Programme sehen aus wie Menschen, genau genommen wie ihre Entwickler, und verfügen sogar über eine Persönlichkeit, auch wenn diese immer den Befehlen der User untergeordnet ist. In diese Welt, dem sogenannten Raster, wird der Spieleentwickler Kevin Flynn (Jeff Bridges) transferiert, muss in Gladiatorenkämpfen als Figur eines Computerspiels antreten und gegen das diktatorische Regime des Master-Control-Programms ankämpfen.

Ein Hitler der virtuellen Welt

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Die wirkliche Neuerung an Tron waren rein computergenerierte Sequenzen – auch wenn viele scheinbar am Computer entstandene Szenen tatsächlich auf klassische Weise animiert wurden. Vom heutigen Standpunkt ist diese Technologie zwar weit überholt, trotzdem ist Tron mehr als ein bloßes Sci-Fi-Kuriosum vergangener Tage. Der Film legte vor allem Wert auf eine gelungene Verpackung. Der Comiczeichner Jean Giraud entwarf die legendären Kostüme – welche die Silhouetten ihrer Träger mit leuchtenden Schaltkreisen betonen und wie nach außen gestülpte Nervenbahnen aussehen –, Synthesizer-Pionierin Wendy Carlos, vor allem durch ihre Filmmusiken für Stanley Kubrick bekannt, steuerte den Soundtrack dazu bei. Produktionsdesign und Kostüme können sich auch heute noch sehen lassen. Was damals noch aufwändig und teuer war, besticht heute durch sein minimalistisches Design.

28 Jahre später bringt Disney nun mit Tron Legacy eine Fortsetzung in die Kinos. Kevin Flyyns Sohn Sam (Garrett Hedlund) macht sich darin auf die Suche nach seinem verschwundenen Vater und landet schließlich im Raster. Dort hat sich das Programm CLU – verkörpert von einem CGI-animierten, deutlich jüngerem Ebenbild von Jeff Bridges – gegen seinen Schöpfer gewendet und ist zu einem Hitler der virtuellen Welt geworden: Es gibt einen Genozid an Programmen ebenso wie eine Art Nürnberger Parteitag.

Die erdrückende Disney-Handschrift

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Nicht nur, was die Computertechnologie angeht, ist in der Zeitspanne zwischen beiden Filmen einiges passiert, auch die Möglichkeiten des Darstellbaren im Kino haben sich um ein Vielfaches erweitert. Allein das Raster hat mit der abstrakten und sterilen Welt des Originals bis auf die charakteristischen Linien kaum mehr etwas gemeinsam und ist räumlich komplexer, aber auch naturalistischer geworden. Gemeinsam mit Michael Wilkinson (Kostüme) und Darren Gilford (Produktionsdesign) ist es Regiedebütant Joseph Kosinski gelungen, die Ästhetik aus Tron aufzugreifen, daraus aber einen distinktiven, von der Farbe Schwarz dominierten futuristischen Look zu entwickeln. Bis auf wenige Patzer – etwa die offenbar einem Cyber-Porno entsprungenen Sirenen in High Heels oder das Darth-Vader-Kostüm von CLU – wird das ästhetische Konzept des Originals erfolgreich ins 21. Jahrhundert übertragen.

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Erfreulich an Tron Legacy ist, dass er die Handschrift der Disney-Studios, die sich in Tron mit den Verniedlichungen, dem albern infantilen Humor und der stets präsenten Familienkompatibilität bemerkbar macht, weitgehend abgelegt hat. Zugeständnisse an den Riesenkonzern gibt es natürlich trotzdem genug. Der Soundtrack des französischen House-Duos Daft Punk ist stark von solchen Zugeständnissen geprägt und für sich genommen sicher kein Meisterwerk. Während Wendy Carlos’ Experimente mit dem Moog-Synthesizer seinerzeit aber noch von der für Disney obligatorischen Streicher-Soße überschwemmt wurden, können sich Daft Punk mit ihrer musikalischen Handschrift – auch weil ihre Form der elektronischen Musik selbst zum Bombast neigt – deutlich besser durchsetzen.

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Tron Legacy ist vor allem ein sinnfreies und ästhetisch beeindruckendes Spektakel. Erwartungen an die Handlung sollte man also keine haben. Wie Tron ist auch seine Fortsetzung dramaturgisch äußerst anspruchslos. Als Füllsel zwischen ausgedehnten Verfolgungsjagden mit den Lightcycles, auch hier wieder in sehr schönem Design (Daniel Simon), und Duellen mit den leuchtenden Disken dient eine blutarme Vater-Sohn-Geschichte und ein Konflikt zwischen einem abtrünnigen Programm und seinem Entwickler. Diese Versuche, dem Film Substanz zu verleihen, kann man ebenso wie das mitunter esoterische Geschwafel und die christliche Symbolik getrost vernachlässigen. Stattdessen sollte man sich lieber seine 3-D-Brille aufsetzen und sich an bunten Linien und wummernden Bässen erfreuen.

Trailer zu „Tron Legacy“


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Kommentare


Galuwen / Filmkobold

Ich fine das Experiment missglückt: Lieblose Produktion > Das Labor von Dr. Flynn aus den 80ern weicht in 2011 inem Keller mit einer af einem Fotostativ montierten Soakergun. Im Raster wirkt alles zu "menschlich". Man fühlt sich keinen Moment "in einem Computer". Dazu trägt auch die "Zwischenwelt" in Form einer Mondlandschaft bei. Schade ein tolles Konzept aus den 80igern wird heir mit vermeintlicher Supertechnik (die eigentlich gar keine ist > siehe "Plastikhelme" der Protagonisten) kaputtgetreten. Hier hat man den "Kult" des Originals nicht verstanden. Dort glaubt man sich durch die Konstraste zwischen totalem schwarzen Nichts und den Outlienkonturen wie in einem Computerspiel. Das misslingt im Remake völlig. Über die Story möchte ich hier garnicht reden.


Boris

Die 3D Version ist eine pure Abzocke. Dort gibt es viele 2D-Sequenzen, wobei die 3D-Brille eher stört. Das echte 3D-Gefühl, wie z.B. beim Avatar hat man überhaupt nicht. Und das ganze für 11 Euro!!


Andy

Tja ich hab auch viel mehr erwartet und dachte eigentlich kann man nicht viel falsch machen wenn die Produzenten von Disney das Drehbuch schon hatten für einen zweiten Teil von Tron.
Der zweite Teil für Tron war schon für die 80er geplant gewesen aber leider versank die Idee wegen mangelden Besuchern an der Kinokasse 1982.
Aber man kann die Jungs und Mädels dafür loben das sie trotzdem dem Mut hatten eine Fortsetzung zu drehen und zu Produzieren. Aber leider haben sie irgendwie verschlafen beim Trailer und bei der Berichterstattung hinzuweisen das es sich um eine Fortsetzung handelt und nicht um einen Ersten Teil.
Viele Freunde aus meinen Freundeskreis wussten nicht das es bereits schon einmal einen Tron Film gegeben hat und das der einfach nur alt war aber wesentliche Story Bestandteile enthielt die die Geschichte noch aufregender gemacht hätten wenn man sie richtig erzählt hätte im Film oder einfach besser vermarktet, somit hätten dann die jungen Kinobesucher heutiger Tage zu den ich auch zähle auch leichter die Story verstanden. Ich hab den Film schon 2 mal angesehen und immer wieder wenn das Licht anging im Kinosaal sah ich nur lauter Fragezeichen über den Köpfen der Kinobesucher schweben weil irgendwie in Tron Legacy manches zu kurz kam oder einfach nur am Rande erwähnt worden war. Der Film verspricht ein Abenteuer zu sein mit viel Effekten und Soundkulisse von feinsten, nur zu dumm das der Film irgendwie sich nur auf das beschränkt und nicht das versprochene Abenteuer ist mit Überraschungen und plötzlichen Wendungen des verlaufs.
Trotz dem allen ist der Film sehr sehenswert auch wenn man viel vergessen hat und der Regiesseur sollte noch mal seine Hausaufgaben machen bevor er wieder versucht einen Film zu drehen.






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