Trennung mit Hindernissen

Gibt es eine Trennung ohne Hindernisse? Eigentlich ja, scheint Peyton Reeds Film zu sagen, der den Bruch eines Paares wesentlich konsequenter abbildet, als es der täuschende deutsche Verleihtitel vermuten lässt.

Trennung mit Hindernissen

„Damals, als ich dich verlor, da sah ich es nicht ein. Ich war mir sicher, dass ich sterbe, dass ich nie mehr lachen werde, wenn ich dich verlier’. Du sagtest, ich passe nicht zu dir. […] Hättest du mich nicht verlassen, wär’ ich heut bestimmt ein anderer Mann. Ich würd’ nur wissen, was ich tun muss, und nie probieren, was ich kann. Doch nun trink’ ich jede Stunde Leben wie frischen wilden Wein. Danke für dein Nein.“

Diese Zeilen von Udo Jürgens scheinen symptomatisch für eine neue Tendenz im stargespickten amerikanischen Unterhaltungsfilm. Am Ende von Couchgeflüster (Prime, 2005) tauscht das auseinandergegangene Liebespaar noch einmal wohlwollend wissende Blicke aus. Die zurückliegende gemeinsame Zeit wird geschätzt, doch nun geht man getrennte Wege. Während Prime ansonsten den Konventionen der Romantic Comedy noch folgte, wusste kürzlich Gore Verbinskis The Weather Man zu überraschen. Den gesamten Film hindurch muss die Titelfigur lernen, sich mit der Trennung von ihrer Frau zu arrangieren. In diese Kerbe schlägt nun auch Trennung mit Hindernissen (The Break Up), in dem allerdings zunächst nicht die Perspektive eines Verlassenen, sondern beider sich Verlassender eingenommen wird.

Trennung mit Hindernissen

Der Vorspann erzählt als Fotoalbum die lichten Momente in der Beziehung zwischen Brooke (Jennifer Aniston) und Gary (Vince Vaughn). Doch bereits in der Folgeszene werden die Differenzen, gespiegelt in zwei denkbar konträren Familien, die zum Abendessen erscheinen, überdeutlich. Es kommt zum Bruch.

Schon die Wahl des familiären Abendessens als Ausgangspunkt für den Zwist verdeutlicht das Spannungsfeld, in dem sich der Film bewegt. Einerseits sind es natürlich derartige Situationen, in denen die Vorstellungen von Partnern kollidieren, andererseits ist die Familienkonfrontation schon lange zum filmischen Klischee erstarrt. Genauso geht es einem mit den Protagonisten, die beide nur allzu typische Merkmale des Geschlechterkampfs aufweisen. Trotz der zum Teil präzisen Beobachtungen erlangen die Figuren keine Lebendigkeit, bleiben immer Ansammlungen männlicher und weiblicher Charakteristika. Im Grunde genommen haben Brooke und Gary abgesehen von mancher als Allgemeinplatz erscheinender schlechter Angewohnheit keine ernsthaften Probleme, weder für sich, noch miteinander.

Trennung mit Hindernissen

Michelangelo Antonionis Die Nacht (La Notte, 1960) und Mike Nichols’ Wer hat Angst vor Virginia Woolf (Who’s afraid of Virginia Woolf, 1966) zeigen den Zerfall einer Partnerschaft, jeweils komprimiert in wenigen Stunden, doch am Ende der Enttäuschungen und Verletzungen steht so etwas wie eine gemeinsame Zukunft, auch wenn dies vielleicht das Schlimmste ist. Elizabeth Taylor hat Angst, hat ein Problem, sie leidet. Bei The Break Up gibt es das nicht. Nur ein einziges Mal gelingt es Jennifer Aniston, echten Schmerz in ihrem Blick erkennen zu lassen. Es ist der Moment, in dem alles endgültig aus ist. Brooke hat sich entschieden. Keine weiteren Verletzungen. Dies ist es, was den neuen amerikanischen Film von seinen Vorbildern unterscheidet. Es gibt einen Schlussstrich, aber vielleicht nur, weil es nie echte Probleme gab und genausowenig echte Gefühle. Deshalb funktioniert The Break Up, der nur im Stile einer Romantic Comedy beginnt, fast zu keinem Augenblick als Drama.

Im Gegensatz zu den genannten Vorläufern oder auch den unzähligen Filmen Ingmar Bergmans, in denen Liv Ullmann an und mit Max von Sydow oder Erland Josephson leidet, ist The Break Up erstaunlicherweise kein Film über eine Partnerschaft, sondern ein Film über zwei Individuen. Peyton Reed skizziert sie als einzeln Handelnde und Missverstandene, so kommt es zu keinerlei Schnittmenge, die als Beziehungsessenz gelten könnte, und folglich scheint nach dem Bruch auch nichts verloren, außer vielleicht einer Winzigkeit, die im letzten Blick Vince Vaughns steckt. Beide Figuren geben Raum zur jeweiligen Identifikation, doch mehr Platz wird der Position des Mannes eingeräumt. Er ist es, der zu lange braucht, um sich der eigenen Gefühle klar zu werden, und der dennoch, nachdem er merkt, dass es ihm in der Beziehung gar nicht gut ging, mit melancholisch-nostalgischem Blick auf die Frau schaut, die ihm einst so viel bedeutete und ihn doch nie als er selbst wahrgenommen hat.

Trennung mit Hindernissen

Wenn es sie jemals gab, die von Taylor und Moreau verkörperten Frauen, dann sind sie, zumindest im amerikanischen Kino, längst dem Typus Aniston gewichen. Frauen, die weniger exzentrisch lieben und leiden, die keinen Schmerz besitzen, den sie teilen wollen würden, und die schon gar nicht den Schmerz der Männer teilen wollen.

The Break Up ist profaner als seine Vorgänger. Aber vielleicht ist es das Leben ja auch? Nur so kann man die deutsche Schlagerperspektive einnehmen, sich auf eine Seite schlagend, oder eben gleich auf beide, rückblickend von zwei Einzelnen berichtend. Das Besondere, das mag in der Zukunft liegen. Davon erzählt Peyton Reeds Film nicht.

Was ihn dennoch sehenswert macht, ist die Konsequenz, mit der er seinen amerikanischen Originaltitel umsetzt. Am Ende dann, das sich in Andeutungen so manche Option offen lässt, erklingt nicht Udo Jürgens, sondern Johnny Nash, der aber ebenfalls den reinigenden Charakter der Trennung in den Vordergrund stellt: „I can see clearly now, the rain is gone“.

 

Trailer zu „Trennung mit Hindernissen“


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Kommentare


Björn

Der Film war das schlechteste was ich je gesehen habe. Überhaupt nicht lustig!!! Ich musste kämpfen, dass ich nicht einschlafe. Zusätzlich störte das richtige eindringen in die Handlung durch die schlechte Haltung von dem Mikrofon. Das Mikrofon ist immer wieder von oben ins Bild gerutscht. Ich hab irgendwann angefangen zu zählen und bin auf 186mal gekommen, dass das Mikrofon ins Bild gerutscht ist.
Also Leute, spart euch das Geld und geht dafür lieber mit eurem Partner was essen. So kann man vielleicht eine Trennung vermeiden.






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