Treffer
Kneipenschlägereien und Motorradrennen in der süddeutschen Provinz: Dominik Grafs Treffer ist ein Kleinod des deutschen Films der 80er Jahre.
Dominik Graf dreht seit Beginn seiner Karriere sowohl fürs Fernsehen als auch fürs Kino. Die beiden Medien, in Deutschland wegen der Filmförderstrukturen ohnehin nicht exakt zu trennen – zumindest ist das Kino nicht ohne das Fernsehen denkbar, letzteres andererseits natürlich sehr wohl ohne ersteres – sind in Grafs Filmschaffen keine Gegensätze, sondern befruchten sich gegenseitig. Treffer funktionierte denn auch in beiden Zusammenhängen: Als Fernsehfilm konzipiert fand die rasante Erzählung um drei junge Biker nachträglich den Weg auf die Leinwand und wurde zum Überraschungserfolg.
Zu Filmbeginn wird es Tag. Albi (Maximilian Wigger) liegt mit gehörig Restalkohol im Blut in der Kneipe, Tayfun (Tayfun Bademsoy) bei der Frau eines anderen im Bett und Franz (Dietmar Bär) sitzt mit Onkel und Tante am Frühstückstisch. Bald schwingen sich alle drei auf ihre Motorräder und brettern zu „Darling come home soon“ von The Lovin' Spoonful, einem dieser großartigen Titelsongs, die Dominik Graf seinen Filmen in den 80er Jahren verpasste, durch eine noch schlaftrunkene, menschenleere Kleinstadt.
Die Kleinstadt liegt irgendwo im Süddeutschen, gedreht wurde in der Pfalz, genau lokalisiert wird die Handlung nicht. Dennoch bekommt Dominik Graf in seinem Frühwerk Treffer das süddeutsche Kleinstadtleben in seinen Regionen übergreifenden Grundzügen ausgezeichnet zu fassen. Treffer ist ein Jugendfilm angefüllt mit der Vitalität des räudigen, postklassischen Genrekinos. Der anarchische Geist der billig heruntergekurbelten Bikerfilme aus Roger Cormans AIP-Schmiede weht durch die Pfalz und wird kurzgeschlossen mit einer gehörigen Portion cinephiler Sensibilität, die wieder ein wenig vom Genre und seinen Reduktionen wegführt und Figuren wie Setting ein Eigengewicht verleiht, das bei Corman nicht vorgesehen war.
Aber erstmal werden alle Hebel bedient: Es gibt Kneipenschlägereien, Moto-Cross-Rennen, später auch eine illegale Autowettfahrt, es gibt coole Jungs und coole Sprüche (die sich in der Rückschau in eine Zitatenfundgrube für Kulturhistoriker der Jugendprache verwandeln) und es gibt toughe Mädchen, die im entscheidenden Moment freilich ihre Toughness vergessen; es gibt, kurz und gut, alles, was ein ordentlicher Jungsfilm braucht.
Die drei eingangs erwähnten coolen Jungs – von denen allerdings nur zwei genuin cool sind, Franz ist zunächst fast schon genuin uncool, ganz unerwartet findet er dann in den entscheidenden Momenten aber auch eine Form von Coolness, die als mühsam erkämpfte fast noch wertvoller ist als die natürliche bei Albi und Tayfun – arbeiten gemeinsam in einer Autowerkstatt, Tayfun und Albi als Mechaniker, Franz als Verkäufer. Eines Tages stirbt ihr Chef und sein Nachfolger setzt die drei ohne mit der Wimper zu zucken vor die Tür. Während die chronischen Geldsorgen der Freunde immer akuter werden, verliebt sich Albi in die blonde Conny (Barbara Rudnik).
Treffer arbeitet mit einem dichten, klassischen Plot voller Genrezeichen und setzt diesen in eine konstruierte Lebenswelt ein, die mehr sein will als nur Projektion, als Machofantasie. Bei den Schlägereien wie bei den Wettfahrten geht es nur sekundär um Attitüde, primär geht es um Materielles, um Geld, Frauen und Autos, meistens in exakt dieser Reihenfolge. Auch die Präsentation interessiert sich nicht für Attitüde: Rauh und unprätentiös gefilmt gerinnt das Provinzielle des Sujets zur Form.
Am schönsten jedoch sind die Figurenzeichnungen: Der Frauenheld Tayfun, dessen türkische Herkunft zwar thematisiert wird, der sich aber nicht über sie definieren muss. Der wilde Albi, der eine waschechte Hollywoodromanze verpasst bekommt, die zu keiner Sekunde verlogen erscheint. Und vor allem Franz. In den meisten anderen Filmen hätte Dietmar Bärs Figur als komischer Sidekick geendet, hier wird aus dem trinkfreudigen Dampfplauderer der heimliche, tragische Star des Films. Die Opferrolle scheint ihm auf den Leib geschrieben, er weiß das und kann doch nichts dran ändern. Und diese Hilflosigkeit ist, zum Beispiel in einer der schönsten Szenen, als er alleine am Lagerfeuer sitzt und trinkt, während sich seine Kumpels mit ihren Freundinnen vergnügen, vielleicht das Eindrücklichste an diesem schönen Film.
Filmkritik von Lukas Foerster
Veröffentlicht am 17.01.2009
Kommentare zu Treffer
Würstchen (Horst) 11.12.2010 19:53
Ich fang dann mal an.
Als ich "Treffer" Mitte der 80er im Fernsehen sah und ihn ZUM GLÜCK aufnahm wurde er sofort zu meinem Lieblingsfilm ( Warriors von Walter Hill musste auf Platz 2 rutschen).
Ich hab hier meine eigene Situation erkannt , wir waren,Zu dieser Zeit, auch 3 Kumpels die wie Blöde mit den Bikes durch Bremen ballerten und fast jede Minute zusammen hingen, ich hatte wohl mehr Franz´s Rolle auch wenn ich nicht dick war und zum Glück noch lebe.......
Ich hab ihn mir zum Glück als original aus einer alten Videothek "geschossen" und sehe ihn mir noch bis heute (keine Ahnung wie oft schon !!) 2010 diesen Film regelmässig und ständig wieder an, auch wenn ich ihn mittlerweile synchronisieren könnte :-))
Für mich einer der besten Filme überhaupt !!!!
Ecki 23.02.2011 16:02
War damals ( 80er ) mein absoluter Lieblingsfilm und habe ihn mit derzeitiger
Biker-Clique mind. 20-30 x geguckt. Wie hieß
noch die Schauspielerin mit dem Ami-Akzent,
welche ich absolut hammermäßig fand?
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Blog: Berlinale im Dialog

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Film-Angaben
Titel: Treffer
Deutschland 1984
Laufzeit: 110 Minuten
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Regie: Dominik Graf
Drehbuch: Christoph Fromm
Produktion: Michael Hild, Alexander Wesemann
Bildgestaltung: Helge Weindler
Montage: Rolf Basedow
Musik: Stefan Melbinger
Darsteller: Maximilian Wigger, Dietmar Bär, Tayfun Bademsoy, Barbara Rudnik, Beate Finckh
Kinostart: 29.06.1984
DVD-Angaben
Titel: Treffer
Vertrieb: Eurovideo
Bild: 1,33:1, 4:3
Sprache(n): Deutsch (DD 1.0)
Untertitel: keine
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 110 Minuten
Extras: kein Bonusmaterial
Verleih ab: k.A.
Verkauf ab: 15.01.2009
Copyright Treffer
Fotos: © Eurovideo
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
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Nacht von Di auf Mi, 14.02-15.02., 00:15 Uhr, BR
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