Transformers - Die Rache

Sam Witwicky geht aufs College, Kampfroboter werden zur vierten Waffengattung der US-Armee: Michael Bay hat wieder einen Transformers-Film gedreht.

Transformers - Die Rache

„A story needs a beginning, a middle and an end“. Das verlangt Agent Simmons (John Turturro) von einem gealterten Kampfroboter, der zum Schwadronieren neigt. Kohärenz, Kompaktheit und Beschränkung aufs Wesentliche mahnt er an. Es gab einmal eine Zeit, in der von Hollywoodfilmen dasselbe erwartet werden durfte. Dass diese Zeiten zumindest im Blockbusterbereich vorbei sind, dafür ist Transformers – Die Rache (Transformers: Revenge of the Fallen), der direkte Nachfolger des immens erfolgreichen ersten Transformers-Realfilms, geradezu ein Musterbeispiel.

Transformers - Die Rache

Die Szenenabfolge dieses Films als zwangsläufige, lineare Progression einer in sich folgerichtigen Handlung zu beschreiben, ist mit viel Biegen und Brechen vielleicht möglich, die bestimmende Logik des Films ist jedoch eine andere. Transformers – Die Rache springt von Attraktion zu Attraktion, durchschreitet dabei Kontinente ebenso mühelos wie Stratosphären, sprengt kulturelle Sphären und Genregrenzen. Ein Beispiel unter vielen: Der Prolog in China ist zunächst augen- wie ohrenbetäubendes Industrialgetöse mit einigen knallbunten Kampfrobotern zwischendrin. Als eines dieser Geräte durch einen Häuserblock kracht, schneidet Bay auf eine chinesische Familie, die verdutzt von ihrem Abendmahl aufblickt, als das Metallmonster durchs Wohnzimmer kracht. Die brachiale Soundkulisse macht für einen Moment Platz für eine kurze chinesische Harfenmelodie. Nach dem nächsten Schnitt ist alles wieder wie zuvor.

Transformers - Die Rache

Der Plot ist, wie im Vorgänger, Nebensache und läuft auf dieselbe Konfrontation heraus wie im Jahr 2007: auf der einen Seite Kampfroboter mit, auf der anderen Seite Kampfroboter ohne menschliche Unterstützung. Ansonsten synthetisiert Transformers – Die Rache  schamlos Bruchstücke älterer wie neuerer Fantasy/Science-Fiction Filme von Der Terminator (1984) über Star Wars (1977) bis zu Die Mumie (The Mummy, 1999). Zum reinen Zitatenkino zum Beispiel eines Robert Rodriguez wird der Film dabei nie, Bay eignet sich dank seiner werbe- und musikvideogestählten Hochglanzästhetik die popkulturellen Bilder in einer Weise an, die nicht mehr auf ihre Ursprünge verweist.

Transformers - Die Rache

Bekannt wurde Bay durch seine Filme für das Produzentenschwergewicht Jerry Bruckheimer. Bei den Transformers-Filmen jedoch arbeitet er mit Steven Spielberg zusammen, dem Meister der kindgerechten Blockbusterunterhaltung. Durch diese Kollaboration ist das Bay-Kino noch hybrider geworden, als es ohnehin schon war. Auf der einen Seite scheint die Zusammenarbeit mit Spielberg Bays Filme in gewisser Weise humanisiert zu haben: Als Gegengewicht zu den kinetischen Actionsequenzen und den Macho-Onlinern räumt auch Transformers – Die Rache der soap opera um Sam Witwicky (Shia LaBeouf), seiner Freundin Mikaela Banes (Megan Fox) sowie seinen Eltern Ron und Judy recht viel Platz ein. Sam verlässt das heimische Kinderzimmer und zieht ins Studentenwohnheim – sein Zimmergenosse ist ein noch größerer Nerd als er selbst. Dabei geht es mal mehr, mal weniger komisch zu und die kruden Scherze zielen für einen Film dieser Größenordnung erstaunlich weit unter die Gürtellinie. Gleichzeitig sorgt die Kooperation mit dem Spielzeuggiganten Hasbro, der die ursprünglich in Japan entwickelten Transformers-Figuren seit Ende der 80er Jahre vertreibt, dafür, dass das martialische Kriegsspielzeug zu seinem Recht kommt – und mit ihm Michael Bays Waffenfetisch. Prominenter noch als im ersten Teil des Franchises rückt Bay auf den Schlachtfeldern auch reales militärisches Gerät ins Feld. Seine bedingungslose Liebe zu Kampfflugzeugen ist spätestens seit Pearl Harbour (2001) bekannt, diesmal jedoch bekommen alle drei Waffengattungen der US-Armee genug Gelegenheit, zu glänzen. Mehr und mehr werden die Roboter in die Befehlshierarchie eingebunden und fungieren schließlich als vierte Waffengattung.

Transformers - Die Rache

Am Ende landet der Film für sein ausuferndes, allzu ausuferndes Finale in Ägypten. Nicht im realen – auch wenn Bay Wirbel um die Tatsache macht, dass er auf den echten Pyramiden drehen durfte – sondern in dem aus dem ersten Indiana Jones-Film Jäger des verlorenen Schatzes (Indiana Jones and the Raiders of the Lost Ark, 1981), komplett mit den mehr als nur grenzrassistischen Ägypter-Klischees des großen Vorbilds. Bay, notorisch unsensibel in allen politischen Fragen, übernimmt diese Klischees ebenso gedankenlos aus Spielbergs neokolonialistischem Abenteuerfilm, wie er vorher bei jeder Gelegenheit Megan Fox in unverschämter Hochglanz-Softporno-Ästhetik auf ihre sekundären Geschlechtsmerkmale reduziert. Macht das auch Transformers – Die Rache zu einem neokolonialistischen Film? Vielleicht schon, aber die Logik des amerikanischen Blockbusterkinos hat sich seit den frühen 80er Jahren grundsätzlich gewandelt. Greift man eine geläufige Metapher für die Beschreibung der Indiana Jones-Filme auf, könnte man sagen: Transformers: Revenge of the Fallen ist nicht mehr bloß eine Achterbahnfahrt, sondern der gesamte Vergnügungspark auf einmal. Für (fast) jeden ist etwas dabei und vielleicht ist deshalb die reaktionäre auch nur noch eine unter mehreren, zumindest tendenziell gleichberechtigten Lesarten, die der Film anbietet.

Transformers - Die Rache

Wenn sich Bay vertut, dann eher in den megalomanen Dimensionen, die seine Effektsequenzen diesmal angenommen haben und die der kinetischen Wirkung einzelner Sequenzen in die Quere kommen. „I'm too old for this crap!“ meint der eingangs erwähnte Roboter-Methusalem – er humpelt tatsächlich mit einer Art Krückstock über die Schlachtfelder – zu seinen menschlichen Gefährten. Schon mancher Dreizehnjährige wird angesichts dieses Films auf ähnliche Gedanken kommen. Und selbst diejenigen, die, wie der Rezensent, dem Treiben des Blockbusterregisseurs par excellence grundsätzlich wohlwollend gegenüber stehen, werden sich zumindest im letzten Teil des Films eingestehen müssen: Hier übertreibt Herr Bay.

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Kommentare


Hermann

hier übertreibt herr foerster


Marcel

Das denke ich auch ... @ Herrmann


Borno

Is doch erstaunlich, wie schnell man bei derartigem visuellen wie materiellen Überfluss den Reiz verlieren kann, wobei dieser Verlust nicht einmal durch den Hauch einer "Story" oder gar Entwicklung von Charakteren wie "Handlungselementen" aufgefangen werden kann.

Dabei bleibt der Eindruck, unter einem ganzen Regal von Energie-Drinks zusammengebrochen zu sein: viel Energie, aber irgendwie synthetisch und geschmacklos.

MfG Borno


Bruce lee

teil war sehr gelungen. Die Story hat egstimmt von vorn bis ende. Die Charaktere haben gepasst. Und die Autoroboter sahen sehr gut aus. Die Produktion sehr teuer und Aufwendig. Teil 1 ein sher guter Film. teil 2 die Rache naja. Ein mittelmässiger Action Film. mehr nicht. Die Story naja zieht sich sehr lange vor allem die Szene in der Wüste. Die Charaktere überzeugen auch nicht mehr. Haben wahrscheinlich zu viel Gage bekommen. Sie spielen ihre Rolle nicht Glaubwürdig sondern eher langweilig. der Film ist zu lang und der Anfang total überflüssig. Und irgend wann fragte ich mich sogar wann ist dieser 08/15 Action Film endlich zu ende. Als er dann fertig war, war ich sehr Enttäuscht vom Film. kann auf keinen fall mit Teil 1 mithalten. Anschauen muss mann sich auch nicht mann Verpasst doch nichts. Aber wenn doch dann auf einen langen mittelmässigen Film vorbereiten. Ach und zum Schluss die Liebesszene zwischen madame Fox und herr le Bouf ist so zum Kotzen das sie im ganzen Fim von einander verlangen ich liebe dich zu sagen.


kuskus

ihn allen punkten stimme ich bruce lee zu!

In dem film fand ich persönlich das weniger mehr gewesen wäre. Dabei meine ich die ständigen transformationen"

im ersten teil war das ein hingucker und derbe geil, im zweiten teil war das ein nur noch in gewissermassen aufgezwungen!






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