Transformers

Die Decepticons sind auf der Suche nach Allspark, einer Art Talisman, der seinem Träger unbegrenzte Macht zur Verfügung stellt. Leider befindet sich Allspark irgendwo auf der Erde und die Menschen sind irgendwie im Weg.

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Nicht einmal Michael Bays geliebte Kampfflugzeuge, die wie in Pearl Harbor (2001) auch in Transformers für jede Menge wundervoll verkitschte Gegenlichtaufnahmen gut sind, können etwas gegen die riesigen Weltraumroboter ausrichten. Diese legen gleich zu Beginn eine Militärbasis nach der anderen in Schutt und Asche und wenden sich langsam aber sicher auch zivileren Gefilden zu. Gegen böse Kampfroboter hilft in diesem Fall nur eines: gute Kampfroboter. Schließlich erhalten diese dann doch noch einige menschliche Sidekicks, unter anderem einen „The Strokes“ T-Shirts tragenden Semi-Nerd namens Sam Witwicky (Shia LaBeouf). Der muss eines Tages feststellen, dass sein neu erstandenes Auto ihm nicht nur ermöglichen könnte, die Highschoolqueen Mikaela Banes (Megan Fox) auf dessen Rücksitz zu befördern, sondern auch noch einiges mehr in Petto hat.

Dass der Mensch ganz ohne technische Unterstützung den Kampf gegen die Maschinen gewinnen kann, hat Hollywood noch nie geglaubt, dies widerspräche nicht zuletzt auch den eigenen Produktionsverfahren. Das Neue an Transformers ist deshalb nicht, dass hier Maschinen gegen Maschinen kämpfen, sondern höchstens, dass die menschlichen Figuren hier nicht einmal mehr so tun müssen, als könnten sie auf den Ausgang der maschinellen Auseinandersetzung  Einfluss nehmen. Und ganz neu ist auch das nicht: Vor allem Steven Spielbergs Krieg der Welten (War of the Worlds, 2005) spielte viel von dem, was Transformers ausmacht, bereits unter ähnlichen Vorzeichen durch.

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Denn wie Krieg der Welten ersetzt Transformers auf der Ebene seiner Protagonisten die kontrollierende Handlung durch den gebannten, gleichermaßen bewundernden wie furchtsamen Blick. Beide Filme schreiben das erwünschte Zuschauerverhalten in das Werk selber ein und lassen Tom Cruise beziehungsweise Shia LaBeouf mit derselben Ehrfurcht vor gewaltigen CGI-Monstren erstarren, die die Regisseure bei ihrem Publikum auslösen wollen. Dieser selbstreflexive Turn ist zwar nicht ganz neu im Kino Michael Bays – bereits Bad Boys 2 (2003) verwendete stellenweise ähnliche Strategien –, hier erreicht er jedoch eine neue Dimension: „This is easily a hundred times cooler than Armageddon!“ ruft ein begeisterter Jugendlicher, als sich langsam aber sicher der Showdown ankündigt. Selbst die nerdige Metarezeption der Ain’t It Cool News integriert Michael Bay bereits vorab in sein Spektakel.

Die konzeptuellen Parallelen zu Krieg der Welten lassen sich möglicherweise darauf zurückführen, dass dessen Regisseur als ausführender Produzent an Transformers beteiligt ist. Und der Film vermischt in der Tat die Handschriften der beiden Filmemacher, die im Sommer-Blockbuster zu Hause sind wie kaum einer ihrer Zeitgenossen.

Transformers erweitert das Michael-Bay-Kino gleich in mehrere Richtungen. Zuallererst gehorcht der Film natürlich dem wichtigsten Funktionsprinzip des Blockbusters, immer mehr von allem zu bieten als alle seine Vorgänger. Die daraus resultierende Materialschlacht gipfelt in einer halbstündigen Zerstörungsorgie in den Straßen L.A.s, die das nachzuholen versuchen scheint, was Independence Day (1996), Godzilla (1998) und King Kong (2005) schuldig geblieben waren. Und wer tatsächlich bisher an den Qualitäten Bays als Actionregisseur zweifelte, dem werden hier eindrucksvoll die Augen geöffnet.

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Gleichzeitig jedoch ist der Einfluss Spielbergs nicht nur in den selbstreflexiven Wendungen des Films spürbar, sondern beispielsweise auch in der konsequenten Vermenschlichung der Roboter. In mancher Hinsicht ist Transformers mehr Spielberg als Krieg der Welten, der sich mit seiner düsteren Endzeit-Vision ein gutes Stück von der gut geölten Gefühlsmaschinerie entfernte, die dem Regisseur seine größten Erfolge bescherte, von E.T. (E.T. – The Extraterrestrial, 1982) bis Jurassic Park (1993). In Transformers findet sich dagegen wieder dieselbe Mischung aus leicht ironischem Melodrama, leicht campigem Humor und stark übertriebenen Actionsequenzen, die vor allem die Indiana Jones(1981- )-Filme auszeichnete.

Die Eingemeindung ins Spielberg-Lager hat unter anderem zur Folge, dass Michael Bay einige seiner eigenen Markenzeichen als Auteur aufgeben muss. Ablesbar ist dies unter anderem an der Wahl der Hauptfigur. Die klassischen Bay-Protagonisten wären eigentlich Lennox (Josh Duhamel) und Epps (Tyrese Gibson), zwei bis an die Zähne bewaffnete, dumme Sprüche klopfende Soldaten. Im Mittelpunkt der Handlung jedoch steht der Highschool-Loser Sam, der sich – trotz der genreüblichen Generalmobilmachung im letzten Filmdrittel – in diesem Leben nicht mehr in einen echten Kriegshelden verwandeln wird. Genau wie, nebenbei bemerkt, Shia LaBoeuf in diesem Leben kein echter Schauspieler mehr wird, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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In mancher Hinsicht bietet Transformers Anlass, die Maßstäbe der eigenen filmkritischen Praxis zu überdenken, und zwar nicht nur deshalb, weil diese automatisch Teil einer gigantischen Marketingmaschinerie wird. Natürlich kann man sich darüber lustig machen, dass in Hollywood Hunderte von Millionen Dollar für einen Film über Plastikspielzeug ausgegeben werden. Oder sich über die krude ausgestellten Klischees über ethnische Minderheiten und Frauen ärgern, mit welchen Michael Bay seine Filme mit schöner Regelmäßigkeit anreichert – hier allerdings weit weniger offensichtlich als im Falle von Bad Boys 2 und ohnehin niemals in wirklich rassistischer oder sexistischer, allerdings durchaus in recht unsensibler Manier. Denn Bays Filme folgen nie einer konkreten, gegen eine spezifische Minderheit gerichteten politischen Agenda, sondern greifen wahllos auf die im kulturellen Raum verfügbaren Bilder und die in ihnen enthaltenen Vorurteile zurück. Das heißt natürlich nicht, dass im Umkehrschluss Bays Filme in politischer Hinsicht automatisch unproblematisch sind. Allerdings verwandelt sich eine solche ideologische Argumentation nur allzu leicht in einen konservativen Kulturpessimismus, der das Ideal eines politisch korrekten Qualitätskinos postuliert und den Blick auf den eigentlichen Film erschwert.

Unvoreingenommen betrachtet, ist Transformers nicht nur einer der unterhaltsamsten amerikanischen Filme der letzten Zeit, sondern auch einer der ehrlichsten. Zumindest insoweit er mit den Mitteln der Populärkultur einige derer eigenen Grundlagen – eine fast manische Technoeuphorie genauso wie eine eigenartige Mischung aus Militarismus und Masochismus, die sicherlich nicht zufällig immer wieder in der lustvollen Zerstörung von Großstädten gipfelt – in einer Weise offen legt, wie man es so eindrucksvoll nicht alle Tage zu sehen bekommt.

 

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