Transformers 3

Das Weiße Haus und die NASA werden nicht erfreut sein: Wenn Michael Bay nicht gerade außerirdische Auto-Roboter aufeinander krachen lässt, verrät er streng geheime Hintergründe der Mondlandung.

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Ja, die Amerikaner waren auf dem Mond und nicht etwa nur in einem Filmstudio. Nein, es ging bei der Mission nicht um Bodenproben oder einen Imagegewinn im Kalten Krieg, sondern um die Erkundung eines Raumschiffs von Außerirdischen, das dort gestrandet war. Dieses bislang gut gehütete Geheimnis lüftet der Vorspann von Transformers 3 (Transformers: Dark of the Moon), der Archivbilder von Kennedy und Nixon mit nachgestellten Aufnahmen von der Mondlandung vermischt. Was Neil Armstrong und sein weniger bekannter Kollege Edwin Aldrin bei ihrem großem Schritt für die Menschheit übersahen, war der Transformer Sentinel Prime, weiser Mentor des Autobot-Anführers Optimus. Erst in der Gegenwart wird der Sentinel entdeckt und gemeinsam mit einigen High-Tech-Säulen, die ganze Planeten in Bewegung versetzen können, auf die Erde und in eine US-Militärbasis verfrachtet.

Den Helden der beiden vorherigen Transformers-Filme, Sam Witwicky (Shia LaBeouf), plagen derweil ganz profane Probleme: Als frischer Uni-Absolvent findet er keinen Job und wird deshalb von seinem Vater (Kevin Dunn) gepiesackt – zudem scheint seine neue Freundin Carly (Rosie Huntington-Whiteley) von ihrem gutaussehenden, wohlhabenden Boss Dylan (Patrick Dempsey) umgarnt zu werden. Von seiner Ex Mikaela musste Sam sich notgedrungen trennen, da deren Darstellerin Megan Fox vom Ausführenden Produzenten Steven Spielberg hinausgeworfen wurde, nachdem sie Regisseur Michael Bay mit Adolf Hitler verglichen hatte. Die als Model bekannte Huntington-Whiteley hat in ihrem Filmdebüt nicht viel mehr zu tun als gut auszusehen, hilflos und verängstigt zu sein und sich von Männern retten zu lassen. Letzteres wird notwendig, da sich der reaktivierte Autobot Sentinel als Verräter erweist, der mit den Decepticons kooperiert und so einen neuen Krieg zwischen den beiden Transformer-Zivilisationen entfacht.

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Wer nun ob der wirren Plot-Entwicklungen und der zahlreichen Charaktere glaubt, nicht ohne die Kenntnis der zwei vorherigen Teile (Transformers, 2007; Transformers – Die Rache, Transformers – Revenge of the Fallen, 2009) in die Trilogie zu finden, kann von jeglichen Bedenken befreit werden. Die Narration dient hier allein als Setup, um böse Maschinen (Decepticons) auf Menschen und die mit ihnen alliierten guten Maschinen (Autobots) krachen zu lassen. Neue Zuschauer dürften es auch leicht haben, die beiden Autoroboter-Gruppen auseinanderzuhalten, sind die einen doch farbig und freundlich, während die anderen grau aussehen, über einen sprechenden Namen („Decepticons“ lässt sich als „Betrüger" übersetzen) und geifernde Fangzähne verfügen und mit der Lincoln-Statue ein patriotisches Symbol zerstören. Die Decepticons planen die Menschheit zu versklaven, die Autobots kämpfen „im Namen der Freiheit“ für jene Menschheit, die sie ansonsten „vor sich selbst beschützen“ müssen. Sämtliche Alien-Roboter sprechen glücklicherweise perfektes Englisch, selbst wenn sie untereinander reden – zwischenmenschliche Kommunikation wiederum verbindet der Film gerne mit ungeniertem Product Placement.

Michael Bay folgt auch in Transformers 3 seiner Faszination für Technologie, Krieg und Zerstörung. Dazu nutzt er im Rahmen einer sinnlichen Überwältigungsstrategie gigantomanische 3D- und CGI-Bilder sowie orchestrale Musik von Steve Jablonsky, die dem Zuschauer auch bei geschlossenen Augen präzise vorschreibt, was er gerade zu fühlen hat. Und doch schleichen sich Abweichungen von Blockbuster-Standards in Bays Film. Dies beginnt beim Protagonisten Sam, der zwar periodische Testosteron-Überschüsse erlebt, ansonsten aber in seiner komplexbeladenen Durchschnittsexistenz eher das Gegenteil eines hypermaskulinen Helden ist, wie man ihn im Action-Genre häufig sieht. Sam darf sogar weinen, und zwar mehrfach. Zudem zeigt Bay eine – primär amerikanische – Menschheit, die sich nicht im Alleingang retten kann, sondern regelrecht abhängig von ihren Alliierten ist. Vor dem Hintergrund der häufig als unilateral kritisierten US-Außenpolitik kann das als ein überraschend politischer Subtext gelesen werden, zumal in einem vom Pentagon unterstützten Film, der einem ohnehin oft konservativen Genre entstammt.

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Natürlich existieren dessen Stereotypien auch in Transformers 3. So rückt die Kamera mehrfach die US-Flagge in den Mittelpunkt und schafft dabei visuelle Referenzen auf einzelne Verse der amerikanischen Nationalhymne. Wer wie die Geheimdienstchefin Charlotte Mearing (Frances McDormand) traditionelle weibliche Rollenvorstellungen nicht erfüllt, wird als asexuelles Biest karikiert. Und militärische Hierarchien mit ihren Subordinations-Gesten spielen eine zentrale Rolle im Wertesystem dieses Films. Doch Bay bricht die Ernsthaftigkeit dieser Motive auch immer wieder mit komödiantischen Elementen – sei es eine hyperkinetische Witzfigur (Ken Jeong), ein kantiger deutscher Lakai (Alan Tudyk) oder ein Miniroboter-Duo, das wie Haustiere gehalten wird. Zudem glänzen John Malkovich und John Turturro in schrillen Nebenrollen.

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Bay hat mit Transformers 3 einen familienfreundlichen Action-Kracher geschaffen, der auf Schimpfwörter und erotische Szenen weitgehend verzichtet. Der Endkampf ist mit mehr als 30 Minuten etwas überdehnt und schließt mit einem allzu vorhersehbaren Finale, setzt dabei aber dramaturgisch geschickt mehrere Schwarz-Pausen ein und glänzt mit einer furiosen Sequenz, in der ein Hochhaus langsam kippt und Sams Kampftruppe auf eine Schlitterpartie schickt. Ob, wann und von welchem Regisseur es einen vierten Teil der Filmreihe geben wird, steht derzeit noch nicht fest. Fans in Hollywood und Singapur dürfen sich jedoch auf Transformers-Attraktionen in dortigen  Vergnügungsparks freuen.

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Kommentare


Sebastian

Transformers 3 - Ein Film der sich überhaupt nicht für seine Figuren interessiert (und verbrät sie teilweise unnütz), die Geschichte sehr oberflichlich erzählt (und dafür trotzdem über 150 Minuten braucht!) und auch an seinen Nebenhandlungen nur vorbeischlittert.
Fazit: ganz oberflächliches Kommerzkino, das man schon kurz nach dem Abspann vergessen hat, eben ein 153 miütiger Zeitvertreib, der in 3D dann auch noch ordentlich kostet.

Ist dies vielleicht ein Trend, dass 3D-Filme keine so sorgfältige Handlung benötigen, weil der Effekt der Dreidimansionalität über solche Defizite hinwegtäuscht?
Anscheinend braucht man nur noch auf drei Dinge zu achten: 3D, viel Action, ein paar lässige Sprüche und schon ist der Gewinn gewiss.


Michael

Danke Sebastian, Dein Kommentar ist präzieser und treffender als die ganze Kritik hier auf der Webseite!






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