Aushilfsgangster

Die Rache der Anleger: Brett Ratner schickt in seinem Heist-Movie einen illustren Star-Cast in das strengbewachte Penthouse eines Luxus-Wohnturmes.

Aushilfsgangster 1

Weltweite Wirtschaftkrise. Vor allem im Land der unbegrenzten Möglichkeiten haben viele (Klein-)Anleger die Auswirkungen der Machenschaften dubioser Finanzjongleure mit dem Ersparten bezahlt. Für eine Major-Company wie Universal Grund genug, die allobwaltende Misere zum Gegenstand eines Films zu machen, oder besser, zum Aufhänger, denn in Aushilfsgangster (Tower Heist, 2011) weiß man nicht so recht, worum es eigentlich gehen soll.

Da ist der Milliardär Arthur Shaw (Alan Alda), Investmentvirtuose und Philanthrop. Er residiert im Penthouse eines der teuersten Apartmenthäuser Manhattans. Den Boden seines auf dem Dach befindlichen Pools verziert ein Mosaik in Gestalt einer Dollarnote. Nach der morgendlichen Schwimmrunde spielt Shaw gerne per Internet Schach mit dem Haus-Manager Josh Kovacs (Ben Stiller), der quasi als Ober-Concierge dem Angestelltenapparat in dem Tower mit Eigentumswohnungen vorsteht.

Aushilfsgangster 2

Als Shaw eines Tages von der resoluten FBI-Agentin Claire Denham (Téa Leoni) wegen millionenfachen Betruges verhaftet wird, ist klar, dass nicht nur Kovacs seine Ersparnisse verloren hat, sondern auch alle seine Angestellten, denn er hatte den Pensionsfonds der Towermitarbeiter dem Investmentbetrüger anvertraut.

Der alte und grundgute Doorkeeper Lester (Stephen McKinley Henderson) wiederum, der nach 40 Dienstjahren kurz vor der Pensionierung steht, fühlt sich um den wohlverdienten Lebensabend mit seiner Frau betrogen und weiß nur einen Ausweg: sich vor die U-Bahn zu werfen. Der Versuch misslingt, doch für Kovacs steht fest, es muss etwas getan werden. Erst recht, nachdem FBI-Agentin Claire, mit der Josh übrigens bereits zum Rendezvous verabredet ist, ihm steckt, dass Shaw wahrscheinlich mangels Beweisen freikommt.

Aushilfsgangster 3

Natürlich weiß Claire, dass Shaw die verbliebenen Millionen irgendwo versteckt hält, und Kovacs findet schnell heraus, dass sie sich nur im geheimen Tresor seines Apartments befinden können. Ein Leichtes, das Geld zu holen, wenn man noch im Tower arbeiten würde. Aber natürlich wurde Kovacs gefeuert. Und weil jeder betrogene Mann ein gefühltes Recht auf Selbstjustiz und Gewaltausbrüche hat (der von Kovacs richtete sich gegen einen edlen Sportwagen, den Shaw als Sammlerstück in seinem Apartment zu stehen hat), ist hier zur rechten Zeit und am rechten Ort Schluss mit lustig und dramaturgisch nun endlich alles in den Startlöchern für den eigentlichen Film.

Selbstverständlich kann man die Betrogenen nicht alleine rächen. Deshalb gehen neben dem suizidgefährdeten Lester auch noch der Concierge Charlie (Casey Affleck), der bankrotte Investmentbanker Mr. Fitzhugh (Matthew Broderick) und der angehende Fahrstuhlboy Enrique (Michael Peña) auf Beutezug.

Aushilfsgangster 8

Aber das alles geht nicht ohne echten Ganoven. Was für ein Glück, dass Kovacs täglich auf dem Weg zur Arbeit am Haus von Slide (Eddie Murphy), einem echten Gangster, der sich mit seiner Freundin echt gemeine Streitgespräche liefert, vorbei muss. Slide, der Profi, soll die Bande von Aushilfsgangstern – hier passt mal der deutsche Verleihtitel besser als der die Erwartungen hochschraubende Originaltitel – anführen. Dass die beiden problemlos klarkommen, liegt natürlich daran, dass Slide, das Ghettokid, und Josh Kovacs, ebenfalls Ghettokid, einander aus der Kindheit kennen und quasi verlorene Brüder im Geiste sind.

Zweifelsfrei gehört die Szene, in der Slide die anderen Aushilfsgangster im Kaufhaus einer Eignungsprobe unterzieht, worin jeder binnen 15 Minuten etwas im Mindestwert von 50 Dollar entwenden soll, zu den witzigsten Szenen dieses Films. Spätestens aber, als sich die übergewichtige Housekeeperin Odessa – Precious-Haupdarstellerin Gabourey Sidibe – den Ganoven anschließt und sich just im rechten Moment als Meisterpanzerknackerin outet, dürfte es mit der Geduld manchen Zuschauers ob dieser völlig überfrachteten und geradezu haarsträubend dusseligen Plotkonstruktion vorbei sein.

Nach einer sich ungefähr 45 Minuten hinschleppenden Exposition kann es nun endlich an den eigentlichen Tower Heist gehen. Doch in den folgenden knapp 60 Minuten ändern sich weder Tempo noch Humor nennenswert. Aushilfsgangster schleppt sich müde von einem altem Kalauer zum nächsten halbgaren Gag, von einem einfallslosen Standard zum nächsten vorhersehbaren Plotpoint. Selten hat man einen doch recht illustren Cast für einen derart uninspirierten, handwerklich geradezu stümperhaft umgesetzten Stoff verschlissen gesehen – und das trotz fünf Drehbuchautoren und einem versierten Regisseur wie Brett Ratner.

Was an Engagement im Bild fehlt, versucht Christophe Beck in seiner jazzig angereicherten blechbläserdominierten Heist-Action-Musik wettzumachen. Doch das Prinzip „Viel hilft viel“ hilft dem undynamischen, lahmen Film nicht auf die Beine, sondern offenbart vielmehr, dass es hier an allen Fronten mächtig scheppert.

Kommerziell aber kein Grund zur Sorge: mit Box-Office-Lieblingen wie Stiller und Murphy ist der Film eine sichere Nummer. Bestürzend jedoch ist die Erkenntnis, dass man in einem solchen Fall offenbar glaubt, auf handwerkliche Qualität verzichten zu können. Angesichts der Aushilfsgangster wäre man fast versucht, auf die Regulierungswirkungen des Marktes zu vertrauen und dem Publikum von der Investition in eine Kinokarte abzuraten.

Trailer zu „Aushilfsgangster“


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