Tierisch wild
Ein Vater-Sohn-Plot, eine Initiation im Dschungel und viel Löwengebrüll auf dem neuesten Stand der computergenerierten Animation. Mit Tierisch wild versucht Disney erneut, in Sachen Family Entertainment alles richtig zu machen.

Der imponierende Löwe Samson ist der Star des New Yorker Zoos, sein Sohn Ryan reicht an die brüllende Männlichkeit des Vaters nicht heran. Ein handfester Minderwertigkeitskomplex treibt Löwe junior aus der Sicherheit des Geheges in die Wildnis der Großstadt und durch unglücklichen Zufall auf eine tropische Insel, die kurz vor der Vernichtung durch einen feuerspeienden Vulkan steht. Samson muss Ryan zurückgewinnen – behilflich sind ihm das verliebte Eichhörnchen Benny, der ständig vergrätzte Koalabär Nigel, die geistig unterbelichtete Anakonda Larry und das meterhohe Objekt von Bennys Begierde: die Giraffendame Bridget. Das Quintett muss sich erst durch Manhattan kämpfen, ein Boot kapern und Ryan aus den Fängen einer tanzenden Gnu-Sekte befreien, bis die Reifeprüfung absolviert und die allgemeine Versöhnung herbeigeführt ist. Ein plotbedingtes Déjà-vu stellt sich ein, so man Disneys vorherige Animationskomödie Himmel und Huhn (Chicken Little, 2005) gesehen hat, die ebenfalls eine Initiation mit Familienkonflikt erzählt, vor allem aber in Bezug auf Madagascar (2005) aus dem Hause Dreamworks, in dem ein Löwe mit seinen Tier-Kollegen aus dem Central Park Zoo in die Wildnis ausbricht.

Bewährte Muster werden im Spielfilmdebüt des Spezialeffekt-Spezialisten Steve Williams nicht verlassen, aber Tierisch wild (The Wild) funktioniert in diesem Rahmen ganz gut. Für die Kinder gibt es reichlich körperbetonte Gags, die Erwachsenen werden mit Sprachwitz unterhalten, der in der Originalfassung mit den Stimmen von Kiefer Sutherland als Löwe Samson und James Belushi als Eichhörnchen vergnüglich ist. Wer sich für die technischen Finessen der Computeranimation begeistert, darf die sechs Millionen einzeln entworfenen Haare des Löwenpelzes und den Hyperrealismus der rasanten, detailreichen Bilder bewundern. Leider fällt die Spannungskurve proportional zum steigenden Kitschanteil der Brüll-Beziehung zwischen Samson und Sohn. Originelle Nebenfiguren wie das Choreographen-Gnu oder psychedelisch blinkende Chamäleons helfen die Kinozeit überbrücken.
Seinen besten Moment hat der Film, als die zum ersten Mal in ihrem Leben dem Zoo entflohenen Tiere in einem Müllwagen zur Musik von Coldplay über den Times Square rollen und umgeben von blinkenden Werbebotschaften nur noch staunend die Augen aufreißen. „Menschen sind hoffnungslos. Nicht zu glauben, dass sie am obersten Ende der Ernährungskette stehen“, stellt Giraffe Bridget später fest. In der Filmverwertungskette dürfte sich Tierisch wild mit seiner Mischung aus produktionstechnischer Perfektion, hundertmal erprobter Figurenkonstellation und einfallsreicher Tonspur wacker schlagen. Die Altersfreigabe von 0 Jahren ist angesichts des hohen Tempos und der Lautstärke allerdings viel zu niedrig angesetzt.
Filmkritik von Sonja M. Schultz
Veröffentlicht am 01.06.2006
Kommentare zu Tierisch wild
Julia 05.06.2006 14:41
Habe mir den film am Samstag im Kino angeguckt...Und ich fand ihn total super,süß gemacht und sogar bisschen spanned! Und das obwohl ich kein kind mehr bin*g*also auch sehr schön für erwachsene zum angucken!!
Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu Tierisch wild. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.
Kommentar schreiben
Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: Tierisch wild
Originaltitel: The Wild
USA 2006
Laufzeit: 81 Minuten
Regie: Steve Williams
Drehbuch: Mark Gibson, Philip Halprin
Produktion: Clint Goldman, Beau Flynn
Kinostart: 01.06.2006
DVD-Angaben
Titel: Tierisch wild
Vertrieb: Buena Vista
Bild: 1,78:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Spanisch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1), Portugiesisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Türkisch, Portugiesisch
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Spieldauer: 78 Minuten
Extras: Der Koala Nigel – ungeschnitten; Ein schräger Dschungel-Nager; Musik-Video "Real Wild Child" von Everlife; Unveröffentlichte Szenen
Verleih ab: 05.10.2006
Verkauf ab: 05.10.2006
Copyright Tierisch wild
Fotos: © Buena Vista
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
Berlinale 2012: Empfehlungen
Filmempfehlungen für Forum, Forum Expanded und Panorama der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin. weiter
Berlinale: Kritiken
Captive
R: Brillante Mendoza
Die Wand
R: Julian Pölsler
Barbara
R: Christian Petzold
Revision
R: Philip Scheffner
Caesar Must Die
R: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
Death for Sale
R: Faouzi Bensaïdi
Aujourd'hui
R: Alain Gomis
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Neu im Kino
09.02.2012
Die Unsichtbare
R: Christian Schwochow
Der Junge mit dem Fahrrad
R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Hugo Cabret
R: Martin Scorsese
In Darkness - Eine wahre Geschichte
R: Agnieszka Holland
Black Gold
R: Jean-Jacques Annaud
02.02.2012
Moneyball
R: Bennett Miller
Die Summe meiner einzelnen Teile
R: Hans Weingartner
Underworld Awakening
R: Måns Mårlind, Björn Stein
Dame, König, As, Spion
R: Tomas Alfredson
Demnächst im Kino
Gefährten
R: Steven Spielberg
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Don 2
R: Farhan Akhtar
Take Shelter - Ein Sturm zieht auf
R: Jeff Nichols
Shame
R: Steve McQueen
Barbara
R: Christian Petzold
Beauty
R: Oliver Hermanus
Das Turiner Pferd
R: Béla Tarr
Der Schnee am Kilimandscharo
R: Robert Guédiguian
Viva Riva
R: Djo Munga
Kaddisch für einen Freund
R: Leo Khasin
Der Preis
R: Elke Hauck
Young Adult
R: Jason Reitman
Der perfekte Ex
R: Mark Mylod
Der König von Bastøy
R: Marius Holst
Kill Me Please
R: Olias Barco
Martha Marcy May Marlene
R: Sean Durkin
Das Leben gehört uns
R: Valérie Donzelli
UFO in Her Eyes
R: Xiaolu Guo
Beloved
R: Christophe Honoré
The Yellow Sea
R: Na Hong-jin
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Die Wand
R: Julian Pölsler
Neu auf DVD
Crazy, Stupid, Love.
R: Glenn Ficarra, John Requa
Sieben Tage Sonntag
R: Niels Laupert
Boardwalk Empire Season 1
R: Timothy Van Patten, Allen Coulter ...
Aktuell im TV
Neandertal
Mo 13.02, 09:25 Uhr, kultur (ZDF digital)
L.A. Confidential
Nacht von Mo auf Di, 13.02-14.02., 02:00 Uhr, arte
Im Schatten
Di 14.02, 20:25 Uhr, 3Sat
Hotel Ruanda
Nacht von Di auf Mi, 14.02-15.02., 00:15 Uhr, BR
Schläfer
Mi 15.02, 20:15 Uhr, kultur (ZDF digital)
Yella
Mi 15.02, 22:25 Uhr, 3sat







1 Kommentar