3 Days to Kill

Luc Besson kreiert erneut eine Action-Mixtur mit einem ordentlichen Schuss Parodie. Oder?

Die Komödie wechselt die Seiten

3 Days to Kill 01

Spätestens seit Ende der 1990er ist der Drehbuchautor und Produzent Luc Besson der Actionkomödie tief verbunden. Begonnen hat alles mit Taxi (1998), in aller Regelmäßigkeit wird seitdem die Credits-Liste des wohl nach wie vor wichtigsten französischen Exports im kommerziellen Kinokosmos gespickt von einer ordentlichen Portion Kalauer plus Spektakel – neben den zahlreichen Taxi-Sequels sind hier etwa die The Transporter-Reihe, Bandidas, 2006 oder die gut gelungene Persiflage Lockout (2012) zu erwähnen. Im letzten Jahr hat diese Liebe auch den Regisseur Besson infiziert, und zwar so stark, dass er seine Comeback-Karriere (nach eigener Aussage von 2006 wollte Besson den Regiestuhl eigentlich nie mehr besteigen, dieser Vorsatz hatte aber nicht einmal drei Jahre Bestand) um einen weiteren Film ergänzte. Der krude auseinanderfallende Malavita – The Family (2013) um den alternden Ex-Mafioso Manzoni (Robert De Niro) scheiterte allerdings ziemlich flachwitzig.

3 Days to Kill 05

In 3 Days to Kill überlässt Besson das Ruder dem eigentlich vor allem als TV-Produzenten arbeitenden Amerikaner McG, der neben dem von der Kritik zu Unrecht abgetanen Sportfilm Wir waren Helden (2006) vor allem durch seine 3 Engel für Charlie-Verfilmung (Charlie’s Angels, 2000) und die Serie O.C. California bekannt ist. Die formelhafte Handschrift bleibt jedoch eine ähnliche wie bei Malavita –The Family: Action plus Genreversatz plus ein langjähriger Starschauspieler in der männlichen Hauptrolle. Die Hybridisierung erfolgt hier nicht durch den Gangster-, sondern durch den Agentenfilm, die Erzählung des alternden, sich aber nicht zur Ruhe setzen könnenden Helden fällt mit Kevin Costner statt De Niro deutlich melodramatischer aus. Als CIA-Agent mit der Diagnose Krebs und nur noch wenigen Monaten Lebenserwartung in den Ruhestand entlassen, reist Ethan Renner in die alte Wahlheimat Paris, um den Kontakt mit seiner Ex-Frau (Connie Nielsen) zu suchen und endlich seine Tochter (Hailee Steinfeld) richtig kennenzulernen. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht, steckt diese doch gerade mitten in der Pubertät. Um Zeit zu gewinnen und seiner Vaterrolle doch noch gerecht werden zu können, lässt sich Renner im Tausch gegen ein womöglich lebensverlängerndes Testmedikament von der geheimnisvollen Vivi Delay (!) erneut für ein Killerkommando rekrutieren.

Hang oder Zwang zur Parodie?

3 Days to Kill 11

De Niro als Ex-Mafioso, das funktionierte in Malavita zumindest auf einer holzschnittartigen Metaebene der (Selbst-)Parodie. Mit dieser im Hinterkopf mag man auch 3 Days to Kill einen solchen Umgang (mit Costners Starpersona, mit den Figuren, aber auch insgesamt) unterstellen. Nein, man muss es sogar, wäre der Film doch, würde man ihm nicht auf dieser ironischen Ebene begegnen, ein ziemlich ärgerlicher Schuss in den Ofen. Und wenngleich der Aufwand zur Revitalisierung Costners als tragischen Helden für den Zuschauer ungleich größer ausfällt (war dieser doch in den Nullerjahren im Gegensatz zu De Niro eher unsichtbar geblieben; die Rolle hier erinnert denn auch mehr an die Costner-Figuren der späten 1980er und der 90er Jahre), zu viel guten Willen muss man auch wieder nicht aufbringen, denn das Mittel der Überzeichnung ist omnipräsent. Etwa wenn wie auf Knopfdruck ein aufdringlich leitmotivischer Soundtrack, der im Prinzip jeden Handlungsabschnitt schon mindestens zehn Sekunden vorher einleitet, zu hochpathetischen Spitzen emporsteigt. Dazu dann eine junge dunkelhäutige Migrantin, die mitleidserregend ihr Gesicht und ihren riesigen Babybauch in die Kamera streckt? Das kann kein Ernst sein, wobei sich der Film mit diesem völlig daneben liegenden Seitenstrang über eine die Wohnung des Helden besetzende Familie aus Mali allerdings auch in einem komischen Modus angreifbar macht.

Wahnvorstellung eines alten Mannes?

3 Days to Kill 12

Auch das übrige Figurenkabinett ist an klischeebehafteter Skurrilität kaum zu überbieten und ruft längst im Grabe vermutete Stereotypen des 80er-Jahre-Actionkinos wieder auf. Der gejagte Top-Terrorist ist ein Deutscher, Deckname ‚Der Wolf‘, sein Assistent hört auf den Namen Albino (man kann dem stark aufspielenden Isländer Tómas Lemarquis, hierzulande auch durch seine Rolle in Pola Becks Am Himmel der Tag (2012) bekannt, nur wünschen, nun nicht immer als fieser Bösewicht besetzt zu werden). Völlig entrückt ist aber die Auftraggeberin Vivi (Amber Heard), die immer wieder als eine Art traumbildliche Domina mit ständig wechselndem Lack- und Leder-Outfit inszeniert wird. Hier erreicht 3 Days to Kill seine maximale Offenheit und doch noch einen wirklichen Spannungsmoment, untergräbt die angedeutete halluzinogene Wirkung des geheimnisvollen Medikaments (Renner muss immer wieder den umgekehrten Chev Chelios aus Crank (2006) machen und seinen Puls möglichst niedrig halten) doch den Status der gesamten Geschehnisse. Auch zwei Sequenzen mit Mutter und Tochter, die sich am nächsten Tag an nichts mehr erinnern können, deuten das an. War am Ende doch alles nur die krude und seltsam komische Wahnvorstellung eines alten Mannes? Und das gleich im doppelten Sinne?

Trailer zu „3 Days to Kill“


Trailer ansehen (2)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.