Three Burials – Kritik

In seiner ersten Regiearbeit fürs Kino verkörpert Tommy Lee Jones einen abgewrackten Cowboy, der wie ein Besessener den letzten Willen seines besten Freundes erfüllen will.

Three Burials

Früher oder später versuchen sich viele bekannte Schauspieler als Regisseure. Sei es, um selbst einmal eine Geschichte in Szene zu setzen oder sich eine Hauptrolle direkt auf den Leib zu schneidern. Beispiele hierfür finden sich etwa in Hollywood mit Robert De Niro, Jodie Foster oder George Clooney und auf internationaler Ebene mit Jean Marc Barr, Andy Lau oder Uli Lommel. Häufig ist das Ergebnis zu durchschnittlich und unausgegoren um sich nachhaltig ins Gedächtnis einzuprägen und der Ausflug ins Regiefach bleibt ein einmaliges Erlebnis. Auch wenn es durchaus Schauspieler gibt, deren Arbeit als Filmemacher weder einmalig blieb, noch in Vergessenheit geriet, ist für die Produktion der meisten dieser Filme wohl eher der Name des Stars entscheidend, als qualitative Kriterien.

Auf der Liste der Regie führenden Schauspieler befindet sich auch Tommy Lee Jones, der bereits 1995 mit dem Fernsehwestern Einmal ein Cowboy, immer ein Cowboy (All the Good Boys) debütierte. Nun hat auch sein vor zwei Jahren in Cannes uraufgeführter, erster Kinofilm Three Burials (The Three Burials of Melquiades Estrada) einen deutschen Verleih gefunden. Dabei handelt es sich erneut um einen Western, wobei die Handlung diesmal in die Gegenwart übertragen wurde. Schauplatz ist ein texanisches Städtchen, in das die moderne Entwicklung zwar schon in Form von Handys und Einkaufszentren Einzug gehalten hat, das ansonsten aber vom Hauch einer vergangenen Ära umgeben ist.

Three Burials

Der Film erzählt von der Freundschaft zwischen dem Cowboy Pete (Tommy Lee Jones) und dem illegal aus Mexiko eingewanderten Melquiades (Julio Cedillo). Nachdem Melquiades von dem Grenzbeamten Mike (Barry Pepper) versehentlich erschossen wird, vertuscht dieser die Tat. Als Pete herausfindet, wer seinen Freund getötet hat, nimmt er Mike als Geisel und macht sich gemeinsam mit ihm und der bereits halb verwesten Leiche von Melquiades auf die Reise nach Mexiko, wo er den letzten Willen seines Freundes erfüllen und ihn in seiner Heimatstadt begraben möchte.

Jones bereichert seinen modernen Western um eine soziale Dimension, die sich vor allem in den von rassistischen Untertönen geprägten Spannungen zwischen Amerikanern und Mexikanern zeigt. Vor diesem Hintergrund inszeniert er mit gemächlichem Erzähltempo seine mit archaischen Themen wie Verlust, Schuld und Erlösung gespickte Geschichte. Den Konventionen des Genres entsprechend konzentriert sich Jones dabei vor allem auf die Austragung von Konflikten unter Männern, allerdings werden auch immer wieder die Ehefrau von Mike und die Gespielin von Pete mit in die Handlung einbezogen.

Auch wenn die Frauen hier nur eine untergeordnete Rolle spielen, werden sie auf eine im Western ungewöhnlich vielschichtige Art gezeigt: Wie sie etwa mit der sexuellen Aggression oder Impotenz ihrer Männer umgehen müssen und neben ihrem Leben als Ehefrauen auch eigene Bedürfnisse stillen. Ein unterschwelliges Ehedrama findet hier ebenso seinen Platz wie humorvolle Szenen einer Affäre. Gerade in kleinen Episoden wie diesen, die in die eigentliche Geschichte integriert sind, hat der Film einige seiner stärksten Momente. Mitunter benutzt Jones dabei allerdings plakativere Mittel als nötig wäre und verdeutlicht etwa die Beziehungsprobleme zwischen Mike und seiner Frau mit einer parallel dazu im Fernsehen laufenden Soap.

Three Burials

Anstatt seine Geschichte linear zu erzählen, kombiniert Three Burials in der ersten Hälfte des Films unterschiedliche Zeitebenen miteinander. Da überrascht es kaum, dass es sich bei dem Verfasser des Drehbuchs um Guillermo Arriaga handelt, der das Spiel mit unterschiedlichen Perspektiven und seine Vorliebe für das Motiv des Schicksals bereits in den Filmen Alejandro González Iñárritus wie Amores Perros (2000), 21 Gramms (2003) oder kürzlich Babel (2006) in den Mittelpunkt gerückt hat. In ihrer Behandlung von Menschen, die mit einer Tragödie konfrontiert werden, wirken die Drehbücher Arriagas mittlerweile geradezu formelhaft in der Verwendung gleich bleibender Elemente.

Three Burials unterscheidet sich von den Filmen Iñárritus nicht nur durch die Ästhetik eines Western, sondern auch durch die Vorgehensweise Arriagas. Sind die Ereignisse sonst um ein einzelnes Ereignis herum konstruiert, konfrontiert er den Zuschauer hier mit bis zu drei parallel ablaufenden Zeitebenen. Wenn in der Mitte des Films die verschiedenen Zeitebenen plötzlich bis zum Schluss zu einem kontinuierlich ablaufenden Erzählstrang zusammenfallen, scheint diese Vorgehensweise vollends ins Leere zu laufen und nicht mehr als eine ästhetische Spielerei zu sein. Dass die größte Schwäche von Tommy Lee Jones’ Kinodebüt ausgerechnet am Drehbuch eines international renommierten Autors liegt, ist wohl genau jene Ironie des Schicksals, von der Arriaga in seinen Drehbüchern erzählt.

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