The Yellow Sea – Kritik

Die Axt nicht nur im Walde.

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Sonny Crockett und Ricardo Tubbs können ein Lied singen von der Kriminalität in Grenzstädten. 2006 hatte Regisseur Michael Mann nicht nur seine Erfolgsserie Miami Vice auf die große Leinwand gebracht, sondern gleich einmal die altehrwürdige frontier verschoben. Von Miami aus geht es nach Havanna, und besondere Meetings finden im Dreiländereck Argentinien-Brasilien-Paraguay statt.

Auch die Demarkationslinie zwischen China, Südkorea und Russland bietet Anlass zum Grenzüberschritt jeglicher Hinsicht. Die Kriminalitätsrate, so verrät uns eine Texttafel zu Beginn von The Yellow Sea (Hwanghae), ist astronomisch hoch. Im Mittelpunkt des unerlaubten Geschehens: die Joseonjuk. Sie sind Illegale, Heimatlose, Vertriebene, die zwischen den Ländern driften. Zu ihnen gehört auch der in China lebende Taxifahrer Gu-Nam. Und seine Frau. Die ist in Korea verschwunden, Gu-Nam auf den Schulden des Visa sitzengeblieben und nun mit einem Mordauftrag in Ulsan.

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Anders als die Drogenbarone in Miami setzen asiatische Halbweltler nicht auf Schusswaffen, sondern traditionell auf Schneidegeräte. Und wenn es wirklich arg wird, greift man auch gerne mal zur Axt.

Regisseur Na Hong-jin hat mit seinem klaustrophobischen und erbarmungslosen Debüt The Chaser (Chugyeogja, 2008) die Messlatte hoch gelegt. The Yellow Sea bedient sich einer anderen Dramaturgie und ist ein gelungener Nachfolger, ohne die absolute Brillanz des Erstlings zu erreichen.

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Na nimmt sich viel Zeit, die Figuren dort zu platzieren, wo er sie haben will, ehe Ende des zweiten von vier Kapiteln nicht nur das Tempo, sondern auch die Leichenfrequenz gesteigert wird. Das ist, wie der Name der Produktionsfirma, Popcorn Film, vermuten lässt, äußerst unterhaltsam und manchmal an der Grenze zum Exzess. Anders als in dem humorlosen Chaser, der die Nähe des Serienkillerfilms zum Horror betont, berauscht sich The Yellow Sea zum Teil an der eigenen Materialschlacht. Im Gegensatz zu vergleichbaren amerikanischen Produktionen erreicht der Actionthriller dieser Couleur allerdings eine Intensität, die auf technischer Virtuosität gepaart mit Fantasie basiert.

Und niemand schwingt die Axt so souverän wie Nas Lieblingsschauspieler Kim Yun-seok.

Trailer zu „The Yellow Sea“


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