The Warlords

Statt auf Fantasy-Elemente, wie man sie aus dem chinesischen Wuxia-Kino kennt, setzt dieses historische Schlachtenepos auf ungeschönten Realismus und einen grimmigen, bisweilen nihilistischen Gestus.

The Warlords

Auf dem Gebiet des Kriegsfilms markierte Steven Spielbergs Der Soldat James Ryan (Saving Private Ryan, 1998) zweifelsfrei eine Zäsur. So realistisch wie möglich wurde darin die Landung der Alliierten in der Normandie nachgestellt. Eine wacklige Handkamera, deren Siegeszug inzwischen nicht mehr zu stoppen scheint, verband sich mit ungeschönten, harten Gewaltdarstellungen und einer dazu passenden schmutzigen Farbgebung aus verschiedenen Grau- und Brauntönen. Diese von Spielberg und seinem Kameramann Janusz Kaminski entwickelte einprägsame Ästhetik fand seitdem immer mehr Nachahmer und Anhänger. Auch Peter Chan, der seit den achtziger Jahren als Produzent und Regisseur in Hongkong arbeitet, folgt in seinem mit großen Aufwand produzierten Historienepos The Warlords (Tau Ming Chong) einem sehr ähnlichen visuellen Konzept.

Die zum Teil auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte setzt Mitte des 19. Jahrhunderts ein. In China kommt es unter der Führung des zum Christentum konvertierten Mystikers Hong Xiuquan zum Aufstand der Taiping-Bewegung, die sich offen gegen das Kaiserhaus und die herrschende Qing-Dynastie stellt. Als der einzige Überlebende einer gnadenlos geführten Schlacht kann sich der kaiserliche General Pang (Jet Li) in ein in der Nähe gelegenes Dorf retten. Dort macht er die Bekanntschaft der beiden Banditen Er-Hu (Andy Lau) und Wen-Xiang (Takeshi Kaneshiro). Um die Familien des Dorfes zu ernähren, organisieren die Brüder Raubzüge in ihrer Umgebung. Die Ernten sind schlecht und Nahrungsmittel dementsprechend knapp.

Mit seinen militärischen Kenntnissen erweist sich Pang als Retter in der Not. Schon bald führt er die Männer von einem erfolgreichen Raubzug zum nächsten. Zwischen ihm, Er-hu und Wen-Xiang erwächst währenddessen eine tiefe Freundschaft, die mit einem blutigen Schwur und dem Versprechen, sich in guten wie in schlechten Zeiten beizustehen, besiegelt wird. Es scheint, als könne die drei nichts und niemand stoppen. Pang überredet Er-hu und Wen-Xiang schließlich dazu, mit ihren Männern der kaiserlichen Armee beizutreten und gegen die Taiping in den Krieg zu ziehen. Gegen einen zahlenmäßig überlegenen Feind gelingt ihnen kurz darauf ein kaum für möglich gehaltener Sieg.

The Warlords

Chan lässt von Beginn an keine Zweifel aufkommen, dass jeder Erfolg trügerisch und kein Glück von Dauer ist. Die schwarzen Rauchwolken über dem Schlachtfeld künden sodann von drohendem Unheil, das allen Beteiligten früher oder später irreversible Entscheidungen abverlangt. Shakespeare hätte die Tragödie dieser Männer kaum konsequenter inszenieren können. Bis zu ihrem letzten Atemzug schwelgt der Film in einem manchmal nur schwer erträglichen Nihilismus. So dürfte beispielsweise Pangs Entscheidung, Tausende unbewaffneter Soldaten zu massakrieren, selbst hart gesottene Zuschauer nicht kalt lassen.

The Warlords formuliert in diesen Momenten einen gnadenlosen wie unmissverständlichen Abgesang auf jene Helden-Mythen, die das chinesische Kino nur zu gerne mit verschwenderischem Aufwand erzählt. Im Unterschied zu Hero (Ying xiong, 2002) oder zuletzt Three Kingdoms: Resurrection of the Dragon (Saam gwok dzi gin lung se gap, 2008) geht Chan mit einem chinesischen Volkstribun wie Pang hart ins Gericht. Die Heroisierung, die man dem Film zunächst unterstellen könnte, da er durchaus mit Bewunderung auf Pangs Rückkehr an die Spitze der Armee blickt, verkehrt sich mit zunehmender Laufzeit eindeutig in ihr Gegenteil. Dass der Film in China dennoch so ein großer Erfolg wurde, erklärt sich wohl nicht zuletzt mit der hochkarätigen Besetzung. Andy Lau, Takeshi Kaneshiro und vor allem Jet Li zählen zu Asiens größten Kino-Stars.

The Warlords

Obwohl die Besetzung mit Martial-Arts-Star Li diese Erwartung schürt, ein Kampfkunst-Spektakel ist The Warlords keineswegs. Die Duelle Mann gegen Mann bleiben die Ausnahme, dafür bietet Chans düsteres Historiendrama blutige Kämpfe in epischer Breite, in denen Tausende Komparsen, Pferde und Kanonen zu einem kunstvoll choreografierten Todesballett verschmelzen. Anders als Hero, Tiger & Dragon (Wo hu cang long, 2000) und andere Vertreter des Wuxia-Kinos verzichtet Chan auf die für das Genre typischen Fantasyelemente. Weder General Pang noch seine Mitstreiter verfügen über übernatürliche Kräfte, obschon sie mitunter unvorstellbare Qualen erdulden müssen. An die Stelle fliegender Kämpfer tritt ein ungeschönter Realismus, der wie schon in Spielbergs Der Soldat James Ryan das Sterben auf dem Schlachtfeld zumindest in Ansätzen erfahrbar macht.

So sehr der Film sich um eine kritische Distanz zum Militarismus und der gezeigten Gewalt bemüht, so ganz nimmt man ihm seine pazifistische Haltung nicht ab. Dafür wird das Blutvergießen und Zersplittern der Knochen mit zu großer Eleganz und Perfektion in Szene gesetzt. Teils in extremer Zeitlupe und untermalt von einem wuchtigen Soundtrack, der seine Verwandtschaft zu den Kompositionen bekannter amerikanischer Action-Blockbuster nicht verleugnen kann, treffen die Kombattanten aufeinander. Zurück bleiben leise Zweifel und in jedem Fall ein schaler Beigeschmack.

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Kommentare


Berthold Schwarz

Pazifismus scheint mir der Film gar nicht anzustreben. Dafür ist er eine sehr intelligente Studie über Macht und ihre Verteilung. Zuweilen etwas holzschnittartig hätten aber Shakespeare wie auch Schiller ihre Freude an diesem Drama gefunden.






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