The Tourist

Wie man eine der begehrtesten Frauen der Welt an der langen Leine durch einen der schönsten Käfige führt: The Tourist von Florian Henckel von Donnersmarck.

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War Das Leben der Anderen (2005) wirklich ein so guter Film, wie er zu Zeiten der größten Euphorie, als Debatten über Stasivergangenheit und Oscarjubel eigenartig sich verbanden, gehandelt wurde? Will meinen: die gediegene Gesetztheit der Inszenierung, dieses gutbürgerliche Ästhetikideal, das da verhökert wurde, jene christdemokratisch durchwehte Moral im Hintergrund. Das Leben der Anderen war, wenn es denn ein guter Film war, auf jeden Fall ein äußerst wertkonservativer Film. Insofern ist es verkehrt, von Florian Henckel von Donnersmarcks Filmen politisch Gewagtes zu erwarten, auch wenn er als „politischer Regisseur“ positioniert worden sein mag. Das Politische an einem Film wie Das Leben der Anderen folgt der Logik der Ausbeutung einer tendenziell düsteren Epoche deutscher Geschichte zum Zwecke der Konsolidierung des Status quo.

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Insofern ist auch die Enttäuschung erstaunlich, mit der gelegentlich auf die Ankündigung reagiert wurde, der deutsche Shootingstar plane als nächstes Projekt einen gefälligen Entertainmentstreifen mit Hollywoodprominenz. Denn schon der Donnersmarck von Das Leben der Anderen war ein Regiedebütant, der gerade in Sachen Inszenierung und Bildregie nach dem ganz großen Kino Amerikas schielte. Sein erfolgsberauschter Auftritt bei der Oscarverleihung erschien da nur folgerichtig.

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Nun also The Tourist (nach der Vorlage Fluchtpunkt Nizza (Anthony Zimmer, 2005), von Jérôme Salle), mit Angelina Jolie und Johnny Depp. Statt Nizza geht es diesmal um Venedig, wie im Original vor allem aber um eine geheimnisvolle Schöne in der schönen Stadt und um die Suche nach ihrem unbekannten Geliebten und viel Geld. Ein bisschen Hitchcock, ein bisschen Polanski, schöne Sets, zugkräftige Stars: Die Formel scheint so etabliert wie gefahrlos, von Donnersmarck will großes Kino. Kein Straucheln, keine respektvolle Vorsicht, ganz souverän inszeniert er seine Gangsterklamotte runter. Man könnte aber auch sagen: abgehoben.

Was den Blick auf die Schauplätze angeht, ist von Donnersmarck auf jeden Fall schon „amerikanisiert“. Er schwelgt im „Europäischen“, dem verblassten Pomp Venedigs und Paris, den teuren Oberflächen, der verkrusteten Dekadenz. Anders gesagt: Venedig wird hier nie, niemals mehr als bloße Kulisse. Dekadent übrigens auch der Soundtrack, keine Szene ohne Streicher, oder Klavier, Bläser oder Beats, am besten alles zugleich.

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Gleich die Exposition von The Tourist verweist dabei auf die Vergangenheit, zeigt, wie von Donnersmarck sowohl um Bruch (mit den Erwartungen vor allem des deutschen Publikums) und Kontinuität (bei der Orientierung am Idealbild des Hollywoodfilms) bemüht ist. Das Überwachungsdispositiv wird sofort wieder etabliert, nur ganz anders als zuvor die bedrohliche Stasispitzelei. Wir sehen eine Interpoltruppe, gezwängt in einen Überwachungswagen, wie sie Elise Clifton-Ward (Angelina Jolie) durch die Straßen von Paris verfolgen. Mit der Kamera zoomen die Polizisten auf den Hintern der Dame (reizend drapiert mit einem neckischen roten Band) und fragen sich: „Slip oder kein Slip?“ So weit noch lustig. Doch dann schneidet von Donnersmarcks Kamera selbst auf Frau Jolies Gesäß und nimmt damit schon in der ersten Minute die den gesamten Film dominierende Perspektive ein: Halb lüstern, halb machohaft wird hier die Frau ausgestellt, begafft, in den Kader gezwungen. Die Kamera macht sich mit den männlichen Protagonisten des Filmes gemein.

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Doch solange der Ausgang nicht klar ist, kann dieses Spielchen ja auch reizvoll sein: lasziv-frivoles Kokettieren der Frau, leicht panisches Überreagieren des Mannes (der Polizei, der Gangster, kurzum: der Macht). Wenn Miss Ward in Venedig eintrifft, wartet ein ganzes Einsatzkommando auf sie. The Tourist ist ein Film, in dem ununterbrochen verfolgt, beobachtet, belauscht wird: Paranoid ist hier jedoch die Überwachungsgewalt, nicht die überwachte Person. Die freut sich viel eher über so viel Aufmerksamkeit und nimmt die Sache sportlich: Catch me if you can. Jedoch, all die Verwirrungspossen sind mehr schlecht als recht getarnte Balzspielchen. Hier ist die einzige relevante Frage letztendlich die, wer herausfinden darf, ob Slip oder kein Slip.

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Ganz viele Männer mit ganz viel technischem Schnickschnack also, und eine Sexbombe. Nach einiger Unsicherheit, inwiefern Miss Ward Herrin, Teilnehmerin oder Sklavin eines groß angelegten Verwirrspielchens ist, entscheidet sich das Drehbuch gegen Ende mit recht brutaler Härte für die Sklavin. Die Frau ist wesenhaft hilflos, wird erklärt zum nur relativ freien Wesen in der zu komplizierten Welt der Räuber und Gendarme. Spätestens da wird einem klar, was für ein erzkonservativer Geist den Herrn Donnersmarck umtreibt, und was für ein Misstrauen gegenüber dem Weiblichen. Man denkt zurück: War das nicht auch das Dilemma der Helden des Debüts, dass sie über die Kaprizien der Frau ins Verderben stürzten? In The Tourist sind die Gefahren des Weibes von Anfang an unter Quarantäne gestellt, über allem wacht männliche Kontrolle (wie immer getarnt als Beschützer). Der Film tut nichts anderes, als die Gefahren zu zeigen, die ausgelösten Verwirrungen zu beobachten, und dann die Reißleine ziehen. Die Gitterstäbe, mal unsichtbar, mal massiv, sind jedoch immer da.

Trailer zu „The Tourist“


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Kommentare


Tonja

Der Film ist langweilig, langatmit und vorhersehbar. Mr. Depp ist ab und witzig, ansonsten ist dieser Film eine Enttäuschung.


tenia

Welch abgehobener Autorenkommentar. Zwar gut geschrieben, die Hauptprobleme dieses lehrbuchhaften Flops liegen jedoch sehr klar ganz woanders.


Gerd

Ein schöner Unterhaltungsfilm, amüsant, intelligent, nicht übertrieben wie mancher Unterhaltungsschrott gerade auch aus Hollywood. Und es gibt auch eine zentrale Frage an den Zuschauer - Wo liegt der Sinn und Nutzen von Überwachungen?


Moviestar

Ausgezeichneter Film! Alles stimmt: Spannung, Action, Besetzung (..) =]

Kann ich wärmstens empfehlen!!!


Eidmann, michaela

Also anscheinend hat bis heute niemand gemerkt das dies nur ein billiger Remake von "Fluchtpunkt Nizza" mit Sophie Marceau ist.


Josee

Der Film ist enttäuschend, auch oder vor allem, weil Angelina Joli "nur" als Schönheitsgöttin dargestellt wird. Und zum Thema Sexbombe fällt mir nur ein, kann man eine so stark untergewichtige Schauspielering überhaupt sexy finden?


vic

I think he is the tourist, the german noble filmmaker, the way he looks at Venice. Von Donnersmack is obsessed with all the symbols of his noble descent, from fashion defilees (got to take Carla Bruni for that), abstract city views, balls and cafees, Paris and Venice. All the rest is perceived as comic and ridicoulus: russian mafia, italian police, scotland Yard, hotel staff, technology. Narrative is not so fluid as things come from nothing into the film, you don't know why.


Jan M.

Super guter Film ist wirklich nur zu empfehlen,Gute Bsetzung!


Kon

Schöner, klassischer Liebesfilm mit guten Schauspielern und wunderschöner Kulisse. Etwas Thriller, etwas Action, etwas Lovestory...von allem die perfekte Hollywood-Dosis, sodass die ganze Familie ihr Eintrittsgeld im Kino entrichten kann.
Popcorn-Kino halt - entspannend und nett anzusehen...nicht mehr und nicht weniger.

Eines ist der Film aber zum Glück nicht: So Pseudo-intellektuell und nichtssagend wie die Kritik von Herrn Klingler.


AznGeek

Habe sowohl das Original als auch das amerikanische Remake gesehen und ich finde The Tourist wirklich besser im Vergleich zum Original. Zwar kann eine Angelina Jolie einer Sophie Marceau in keinster Weise das Wasser reichen wenn es darum geht elegant und stilvoll zu wirken, passt aber dennoch gut rein in den Hollywoodrahmen.

Und vor Allem im Gegensatz zum Original kann man viel eher nachvollziehen warum und wie die beiden Hauptdarsteller eine Beziehung aufbauen - dadurch gewinnt The Tourist einiges an Dramatik.

Lasst euch nicht verwirren wenn jemand sagt dass das Original "Anthony Zimmer - Fluchtpunkt Nizza" so viel besser wäre und schaut euch beide Filme an. Ich bin mir sicher dass viele mit den französischen Filmen mit ihren Independence Charakter wenig anfangen können und stattdessen die Hollywoodtypischen Inszenierung bevorzugen.

Allgemein kann ich nur sagen dass ich nicht finde dass das Geld verschwendet war. Habe mir insgesamt etwas mehr Tiefgang erwartet dennoch ist die Unterhaltung grundsolide. Die Kulisse ist wirklich traumhaft auch wenn man nur das Hochglanzvenedig sieht - ich find ja gerade die angeschlagenen Gebäude interessant und gelangweilt habe ich mich auch nicht. Darum geht es doch, ein Film soll unterhalten und nicht einen neuen kulturellen Maßstab für irgendein Genre festlegen und das tut er.

Übrigens stimme ich mit Kon in seiner Aussage überein wenn ich sage dass die Kritik von Herrn Klingler absolut nichtsaussagend ist. Den Prosatext hätte man sich auch sparen können.

MFG


Victoria

Was für eine Zeitverschwendung, diesen Film zu sehen, flach, farblos, oberflächlich.

Frau Jolie ohne Mimik und total abgemagert war sehr weit von der Ausstrahlung entfernt, die sie noch als Mrs. Smith hatte.
Johnny Depp sah aufgequollen, fahl und dumpfbackig aus.
Versagte die Maske und Beleuchtung oder war es Absicht der Regie, dass Frau Jolie fettig glänzte und Herr Depp faltig und bleich wirkte?

Was für ein langweiliger Film. Es kam nie wirkliche Spannung auf wie z.B. beim "Ghostwriter" von Polanski.

Die letzte Szene lässt einen unwillkürlich an den fantastischen Bondfilm denken und bereuen, "the tourist" gesehen zu haben.

Das einzig schöne waren die Luftaufnahmen von Venedig. Ich habe mich schon lange nicht mehr so geärgert, ins Kino gegangen zu sein.


Jack Stockton

The Tourist glänzt durch schöne Bilder, ein Aufgebot an populären Darstellern/innen und einer herrlichen Kulisse. Es mag der Story, betrachtet man den gesamten Handlungsrahmen, abträglich sein, das diverse Klischees in ein Skript gestopft wurden wie von vorherigen Rezensenten bemängelt. Doch ist Innovation ein seltenes Gut und ich fühlte mich vom Spannungsfaden sowie der Auflösung am Ende gut unterhalten. Ganz im Gegensatz zum vorher erwähnten Ghostwriter, den ich unerträglich langweilig fand, kann ich diesen Film entgegen aller Einwände anderer bezüglich Mrs. Jolie empfehlen. Hervorzuheben ist die darstellerische Leistung von Johnny Depp, witzig zu agieren ohne dabei Witze oder sich selbst lächerlich zu machen.
Bye
Jack


Alex

Leute,spart eure Geld!So was langweiliges habe ich schon seit lange nicht gesehen, und die beide "Stars" sind echt schwache Schauspieler...


Bärbl

Wir können Alex nur zustimmen.....außer man steht auf "Bambi-Augen" und aufgespritzte Schmolllippen......SCHADE ABER AUCH


Henni

Langweilig, die 14 Euronen tun weh


lola

der film war weder gut noch schlecht aber meine wertvolle zeit diese 95 minuten habe ich eig. schlecht ausgenutzt und werde sie nicht mehr herbekommen :(


ernie

Entbehrlich. "Love-Story" zwischen Plastic-resp. Botox Puppet AJ und einem schlampig-ungepflegten Depp, resp. Kaspar Nullhorn. Auflösung am Ende mehr als lächerlich. Dazwischen: reichlich german-humor Zwangswitzischkeit, basierend auf bildzeitungskonformen Hosenboden-Cliches, eine ordentliche Portion Racismus liefert Herrenmensch FvHD gleich mit: Aryans fighting against Glatzkopfmonster and his dumb Untermenschen. Die am Ende ausgerrrottet werden, wie sichs gehört. Wasn Flachpfiff.


June

Das Original mit Sophie Marceau war deutlich besser- die Schauspieler glaubwürdiger, das Drehbuch liebevoller umgesetzt. In "the Tourist" ist von allem ein bißchen zu viel (oder wenig): zu viel Hollywood, zu wenig schöne Frau (Angelina sieht aus wie eine Puppe- unnatürlich, zu großer Kopf, zu magerer Körper), zu viel abgehobene Filmmusik etc.


Mariela

Langweilig...sehr langweilig...Ich bin Argentinien. Johny Depp (esta buenisimo).Un beso a todos


Jana & Nadia

Wir gucken grad the tourist und uns ist so langweilig, dass wir währenddessen noch im Internet ein Forum gesucht haben, in dem wir andere Leute vor der Dummheit bewahren wollen diesen Film anzusehen.
Boooooooooooooring!!!!!!!!!


Gerry

Möchte-Gern Lara Croft schippert belanglos durch Venedig, steif im Boot stehend wie ein Bügelbrett. Johnny Depp hat auch nix neues auf Lager und die Story ist einfach nur gääähn.....


Velant

Schaut Euch lieber die französische Originalfassung von 2005 an mit Yvan Attal und Sophie Marceau. Regie und Szenario : Jérôme Salle. Bedeutend besseres Kino!

www.imdb.com/title/tt0411118/news


Christian

Liebe DVD Fans, Bei diesem Film ist leider die Story an den Haaren herbeigezogen. Aber noch viel schlimmer werden die beiden Charaktere dargestellt - A.J. ist hier so eine langweilige Trantüte, der Depp Jonny auch nur ein irrwitziger "Held". Finger weg von diesem langatmigen Film!


Anne

... kann nicht glauben, dass so viele den Film so schlecht und langweilig finden. Und selbst, wenn sich meiner Meinung scheinbar nicht allzu viele anschließen und The Tourist total ablehnen, möchte ich trotzdem festhalten, dass ich diesen Film wahnsinnig gut finde und ihn immer wieder schauen könnte!
Ich liebe Angelina und Johnny in diesem Film, zugegebenermaßen spielen sie nicht soo gut wie in manch anderen Filmen und es gibt sicherlich interessantere, actionreichere und aufregendere Filme als diesen ... und trotzdem fand ich die Story spannend und sehr unterhaltsam und die Besetzung großartig und passend.
Ich bin definitiv kein Experte, was Regie, Kameraführung, Story, Besetzung usw. betrifft. Ich guck den Film und mag ihn oder nicht und The Tourist mag auf jeden Fall sehr!
liebe grüße


Röufu

Kein Vergleich zu dem Original Anthony Zimmer mit Sophie Marceau. Die Gummibootlippendame wirkt einfach nicht.....


Andrea

Mir hat der Film nicht gefallen.


Martin Zopick

Mit Topdarstellern ist ein glatt poliertes Remake rausgekommen, das manche eine Thrillerkomödie genannt haben. Doch von beiden Komponenten ist wenig zu sehen. Von einer Komödie gleich gar nichts und das bisschen Thrill juckt kaum. Die Spannung, die von der Doppelbödigkeit der Agenten herrühren könnte, geht verloren, weil man zu früh über die Hintergründe aufgeklärt wird. Da sind die Rollen klar verteilt. Auch wenn es dem Zuschauer manchmal so ergeht wie Scotland Yard: er blickt die Zusammenhänge nicht immer, weil zu viele logische Stolpersteine im Weg liegen. Angelina Jolie muss hier recht eindimensional agieren und kann nur durch ihre kostbare Garderobe glänzen. Da lässt der Regisseur F.H.v.D. Johnny Depp als Mathelehrer schon mehr Gestaltungsspielraum. Er kann zwischen ahnungslosem Trottel und unfreiwilligem Actionhelden agieren.
Die Handlung bleibt trotz Verfolgungsjagden und kurz angedrohter Folter über weite Strecken blutleer. Es fehlt der Biss. Da springt kein Funken über. Es bleibt eine fast schnulzenhafte Romanze vor einer malerischen Kulisse von Venedig. Mit einem Stoßseufzer erinnert man sich an ‘Anthony Zimmer‘, als dieser noch durch Nizza flüchtete.






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