The Taste of Money

Das Leben der reichen Leute. Im Sang-soo dreht eine Variation auf seinen letzten Film.

The Taste of Money

Während in Südkorea aktuell die Mittelschicht am Verschwinden ist, dreht Im Sang-soo einen Film über die beiden Extreme, die übrig bleiben. Beispiel für diese gesellschaftliche Veränderung ist eine absurd reiche Familie, die in einem Lagerraum ihr Geld bis zur Decke stapelt und emotional verkümmert ist. Das Familienoberhaupt hat eine Affäre mit der philippinischen Haushälterin, der Sohn macht zwielichtige Deals mit ausländischen Geschäftsmännern, und die Mutter verzehrt sich nach den Körpern junger Männer. Jene dagegen, die in der Hierarchie ganz unten stehen, müssen diesem Sodom und Gomorrha tatenlos zusehen, können dabei aber wenigstens ihre moralische Integrität wahren. So wie Young-jak (Kim Kang-woo), der als Sekretär der Familie vom Geschmack des Geldes kosten darf.

Eigentlich ist The Taste of Money (Do-nui mat) eine Variation auf Ims letzten Film Das Hausmädchen (Hanyo, 2010), seinerseits ein Remake des gleichnamigen Klassikers von Kim Ki-young. Im Mittelpunkt steht erneut ein Angestellter aus armen Verhältnissen, der von einer reichen Familie ausgebeutet wird. Und auch ästhetisch knüpft Ims neuer Film als freizügiger Erotik-Thriller in Hochglanz an seinen Vorgänger an, macht aus dieser Ähnlichkeit allerdings keinen Hehl. Ganz im Gegenteil lässt sich Im noch zu etwas selbstgefälligen Referenzen hinreißen. In einer Szene sieht sich die Familie etwa Das Hausmädchen an, später läuft auch mal das Original im Hintergrund.

The Taste Of Money 02

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass Im die Faszination einer kapitalistischen Scheinwelt zu vermitteln versucht. Das Haus der Familie, der Hauptschauplatz in The Taste of Money, ist ein endloses Labyrinth aus glatten Oberflächen und dekorativen Spiegelungen, vollgepackt mit protzigen Statussymbolen. Wenn der Film allerdings immer wieder mit eleganten Kamerafahrten die Insignien der Macht einfängt, erliegt er ihrer Schönheit irgendwann selbst. Das betrifft nicht nur Gegenstände, auch an den wohlgeformten, nackten Körpern der Darsteller – vom Waschbrettbauch der Hauptfigur bis zu den gemachten Brüsten einer Horde Prostituierter  – kann sich die Kamera nicht sattsehen.

The Taste Of Money 03

Im ist ein Regisseur, für den Stil und Ästhetik maßgebliche Kriterien seiner filmischen Sprache sind. Das ist grundsätzlich natürlich nicht verwerflich, allerdings ist The Taste of Money dabei ausgesprochen unterkomplex und einfältig. Bei der Charakterisierung seiner Figuren fallen Im nur haarsträubende Klischees ein. Während sich die sexbesessenen Reichen in dekadenten Orgien ergehen, bleibt die Funktion der Armen darauf beschränkt, traurig zu schauen und von ihrem übertrieben schicksalsträchtigen Leben zu berichten. Die zahlreichen emotionalen Verstrickungen, die beide Schichten verbinden, geraten schließlich derart trivial, dass sie einer Seifenoper Konkurrenz machen könnten. Die Dekadenz der Reichen ist in Zeiten der Wirtschaftskrise ein beliebtes Sujet. Nur zu dumm, wenn einem Regisseur dazu nichts einfällt. 

Trailer zu „The Taste of Money“


Trailer ansehen (3)

Kommentare


sk

Eine sehr treffende Kritik, wie ich finde. Leider hat der Film keinen Mehrwert gegenüber seinem Vorgänger.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.