The Spirit

Frank Millers eklektische Verfilmung von Will Eisners legendärer Comicreihe The Spirit bietet wunderschöne Frauen und Schießereien ohne Tote. Spannung oder Interesse werden allerdings leider nicht geweckt.

The Spirit

An einer Stelle, an der es dafür fast schon zu spät ist, beginnt auf einmal eine Szene, die von so viel Liebe für den Trash spricht, mit so viel Verve und Bedingungslosigkeit in die Untiefen filmischer Bilderwelten hineinsteigt, dass man mit Frank Millers nahezu durchgehend langweiliger Filmfassung von The Spirit fast schon versöhnt sein möchte. Der Titelheld (Gabriel Macht) findet sich auf einen Zahnarztstuhl gefesselt wieder, als er aus einer Ohnmacht erwacht. Sein Erzgegner „The Octopus“ (Samuel L. Jackson) betritt den Raum, wie seine Assistentin Silken Floss (Scarlett Johansson) in eine Nazi-Uniform gekleidet, und verspricht dem Spirit große Schmerzen und fortdauernde Qualen unter den herumhängenden Hakenkreuzen, und illustriert das, indem er ein kleines, possierliches Tierchen im Spuckbecken des Behandlungsstuhls auflöst.

Allein die Namen schon! Reich an Anspielungen auf Trashiges und weniger Trashiges kommt die Szene daher, und atemberaubend ist sie ob ihrer kaltschnäuzigen Übertreibung in allen Belangen schon. Natürlich soll das alles ironisches Spiel sein – der große Schwarze und die schicke Blonde in Uniformen der Herrenmenschen! Ob aber Will Eisner, auf dessen Comics der Film beruht, für diesen leichtfertigen Umgang mit Symbolen der Nationalsozialisten Verständnis gehabt hätte? Der Sohn jüdischer Immigranten, dessen letztes Meisterwerk, The Plot (Das Komplott, 2005), sich aufklärerisch mit dem antisemitischen Machwerk par excellence, den „Protokollen der Weisen von Zion“ beschäftigte?

The Spirit

Eisner, der 2005 im Alter von 87 Jahren starb, gilt als einer der Begründer der „Graphic Novel“, des Romans in Comicform, und als einer der Menschen, der den Comic überhaupt erst zu Kunst weiterentwickelt hat. Frank Miller, der selbst vor allem als Comicautor bekannt geworden ist und mit Eisner befreundet war, hat sich für sein Drehbuch ausführlich bei Eisners Originalcomic The Spirit (1940-1952) bedient, nicht ohne sich natürlich auch einige Freiheiten zu nehmen. Für die Verfilmung einer Comicserie, die über Jahre hinweg immer nur aus kurzen Geschichten von wenigen Seiten bestand, ist das gar nicht anders möglich.

So findet man hier lauter aus Eisners Oeuvre bekannte Figuren: Den Spirit natürlich ebenso wie The Octopus und Sand Saref (Eva Mendes) oder Lorelei (Jaime King). Alle haben mehr oder minder sinnvoll veränderte Rollen, am einschneidendsten ist aber sicher die Entscheidung, aus Danny Colt, wie der Spirit bürgerlich heißt, einen unsterblichen Superhelden mit besonderen Kräften zu machen. Im Comic ist er ein versehentlich begrabener Scheintoter, der nach seiner Wiederauferstehung seine Anonymität nutzt, um weiterhin und effektiver Verbrechen zu bekämpfen.

The Spirit

Das ermöglicht immerhin ausgedehnte Schieß- und Prügelszenen mit dem nicht weniger unverwundbaren Octopus, und in den Gewaltexzessen wird dann auf einmal die Ähnlichkeit zu Sin City (2005), die schon in der Bildästhetik auffällt, noch deutlicher. Miller hatte seinerzeit neben Robert Rodriguez die Gelegenheit, sich seine ersten Sporen als Regisseur zu verdienen. Und gewiss gelingt es ihm auch hier, viele schöne Bilder zu zaubern – nicht zuletzt weiß der Mann schöne Frauen ins rechte Bild zu setzen, und Eva Mendes ist atemberaubend, sobald sie zu sehen ist.

Aber all das reicht nicht; Miller gelingt es nie, den Bildern oder den Figuren Leben einzuhauchen. Der Spirit soll, so will es das Drehbuch, ein Frauenheld sein, aber warum das so sein soll, oder was er an den Frauen findet, erschließt sich nicht. Sie alle bleiben Pappfiguren in einer unzusammenhängenden und uninteressanten Handlung, die in ein Spektakel eingebettet wurde, das ganz auf Film Noir getrimmt daherkommt: Die Erzählhaltung des Films und mehr noch seine ganze Ausstattung schreien danach. Die gelegentlich auftauchenden hypermodernen Waffen und Gegenstände lassen das Ganze umso eklektischer wirken. Von Samuel L. Jacksons bizarrem Augen-Make-Up ganz zu schweigen.

The Spirit

In einer weiteren Szene des Films übrigens sitzt Octopus an einem Tisch und blickt einem von ihm mittels Gentechnik entwickelten Lebewesen zu: Ein einzelner Fuß, oben mit einem winzigen Kopf versehen, der fortwährend herumhüpft und dabei kurze Begeisterungslaute ausstößt. Das ist atemberaubend anstößig, wieder grandios trashig, aber lange nicht so witzig, wie es wohl gedacht ist, und vor allem völlig bedeutungslos. Ein Sinnbild auch für den Rest des Films.

Trailer zu „The Spirit“


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