The Rocker

Rock’n’Roll Forever! The Rocker ist ein typischer Jack-Black-Film ohne Jack Black.

The Rocker

Es ist der Traum jedes echten Rock’n’Rollers. Ausverkaufte Konzerte, ein hoch dotierter Plattenvertrag und jede Menge willige Groupies. Wir schreiben die 80er Jahre, und Bands wie Van Halen und Whitesnake feiern mit einem bombastischen, eingängigen Mix aus Metal und Rock ihre größten Erfolge. Auch Vesuvius, der fiktive Prototyp einer typischen 80er-Jahre-Hair-Band, stehen kurz vor dem endgültigen Durchbruch. Nur für Schlagzeuger Robert (Rainn Wilson), den alle einfach „Fish“ nennen, entpuppt sich sein Lebenstraum letztlich als Fata Morgana. Von seinen Kollegen wird „Fish“ kurzerhand aus der Band geschmissen. Die Plattenfirma will es so.

An dieser Stelle macht die neue Komödie von Ganz oder gar nicht (The Full Monty, 1997)-Regisseur Peter Cattaneo einen Zeitsprung. Die 80er mit ihren Föhnfrisuren und charakteristischen Synthesizer-Klängen sind längst Geschichte, im neuen Jahrtausend regieren dafür Web 2.0 und ein eher nüchterner College-Rock. Für „Fish“ hält das Leben jedoch weiterhin keine echten Höhepunkte bereit. Sogar sein schlecht bezahlter Job in einem Callcenter ist er los und so bleibt ihm nicht anderes übrig, als vorübergehend bei seiner Schwester (Jane Lynch) einzuziehen. Der Zufall will es, dass deren Neffe Matt (Josh Gad) für die Schulband A.D.D. noch einen neuen Drummer sucht. Und so kommt zusammen, was auf den ersten Blick nicht zusammengehört.

The Rocker

Cattaneo bleibt mit The Rocker seinem Faible für sympathische Loser treu. „Fish“, der dank YouTube als nackter Schlagzeuger Berühmtheit erlangt, steht in der Tradition der Working-Class-Helden aus Cattaneos Erfolgskomödie Ganz oder gar nicht. Auch er bekommt die Chance auf ein Comeback, als er schon gar nicht mehr damit gerechnet hatte. Er fühlte sich bereits aussortiert und nicht gebraucht, ehe er unverhofft im Scheinwerferlicht seinen zweiten Frühling erleben darf.

Rainn Wilson, der dem Ensemble der amerikanischen Büro-Satire The Office angehört, übernahm zum ersten Mal die Hauptrolle in einem Kinofilm. Zuvor war der Schauspieler in verschiedenen Nebenrollen zu sehen, wo er wie in der Fantasy-Klamotte Die Super-Ex (My Super Ex-Girlfriend, 2006) bekannten Namen wie Uma Thurman und Luke Wilson als Sidekick die Show stahl. Schon damals deutete sich an, dass er ohne weiteres auch den Sprung in die erste Reihe schaffen würde. The Rocker liefert hierfür nun den endgültigen Beweis. Es ist eindeutig Wilson, der den Film trägt. Mit vollem Körpereinsatz drischt er auf sein Arbeitsgerät ein. Die Rolle des liebenswerten Sonderlings verlangt von ihm die Balance zwischen temperamentvollem Overacting und einer – vor allem in den Szenen mit Filmpartnerin Christina Applegate – schüchternen Unreife.

The Rocker

Wenn er nass geschwitzt am Schlagzeug sitzt, scheint Wilson seinem Kollegen Jack Black echte Konkurrenz machen zu wollen. Mit dessen School of Rock (2003) dürfte The Rocker ohnehin fast zwangsläufig verglichen werden. Nicht nur, dass beide Filme eine ähnliche Figurenkonstellation aufweisen, auch in dem nie zur Disposition gestellten Feel-Good-Charakter und ihrem musikalischen Sujet ähneln sie sich. So wie Black seinerzeit den überdrehten Anarcho-Pädagogen für eine Schulklasse gab, treibt Wilsons „Fish“ seine jungen Bandkollegen als väterlicher Lehrmeister immer wieder an. Der dabei zu beobachtende „Clash of Cultures“ – enthusiastischer Alt-Rocker trifft auf melancholische Emo-Punks – fällt allerdings zahm und unspektakulär aus. Apropos unspektakulär. Dieses Attribut trifft gleichermaßen auf den Soundtrack zu. Die austauschbaren, vorrangig soften Indie-Rock-Nummern lassen die Power, die „Fish“ auf der Bühne ausstrahlt, schmerzlich vermissen. Einzig die zitierte 80er-Hymne The Final Countdown ragt aus diesem Einheitsbrei heraus. Für einen Film, bei dem sich vieles um Musik als Lebensinhalt dreht, ist das wahrlich ernüchternd.

The Rocker

Anders als die Komödienerfolge eines Judd Apatow, die wie Superbad (2007) oder Beim ersten Mal (Knocked up, 2007) bei allem Klamauk zumeist um glaubwürdige, differenzierte Charaktere bemüht sind, bleiben gerade „Fishs“ Mitstreiter Matt, Curtis (Teddy Geiger) und Amelia recht blass. Während „Fish“ die Rampensau gibt, sind sie nur Staffage.

Dass der Film vom Verleih kurzfristig auf Anfang Januar verschoben wurde, überrascht nicht. Beim alten Starttermin Mitte September wäre die Konkurrenz vermutlich zu groß gewesen. Sowohl gegen den neuen Will-Ferrell-Nonsens Stiefbrüder (Step Brothers, 2008) als auch gegen Ben Stillers Film-Satire Tropic Thunder (2008) hätte The Rocker den Kürzeren gezogen. Die Ferrell-Komödie sticht diesen mit ihrem albernen Humor aus, Stillers prominent besetzter Dschungel-Trip wiederum ist ihm an satirischer Schärfe merklich überlegen.

Trailer zu „The Rocker“


Trailer ansehen (1)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.