The Rainbowmaker

Weil die georgische Regisseurin Nana Djordjadze einst vom Blitz getroffen wurde, hat sie ein Meteorologen-Märchen für Erwachsene gedreht. Das plätschert allerdings mehr seicht dahin, statt kräftig einzuschlagen.

The Rainbowmaker

In Djordjadzes Coming-of-Age-Geschichte 27 Missing Kisses (2000) verschluckt eine Frau drei Gabeln, da ihr Liebhaber sie verlassen hat, und ein Mann schießt sich in seinen zu großen Schwanz, um Sex mit der Dorfschönheit haben zu können. Dagegen scheint die Exposition von The Rainbowmaker auf ein harmloses Vergnügen für Kinder einzustimmen – bis die neugierigen Racker ihren Vater Datho (Merab Ninidze) heimlich beim Liebesspiel mit einem Todesengel beobachten, der eigentlich ihren Großvater (Ramaz Chkhikvadze) abholen will, der wiederum seine Schwiegertochter (Anna Antonowicz) ständig als „Schlampe“ oder „Flittchen“ betitelt.

The Rainbowmaker

Spätestens dann fühlt man sich an die merkwürdige Mischung aus Verspieltheit und Plumpheit von 27 Missing Kisses erinnert und fragt sich, ob die Unterhaltung wirklich kindgerecht ist, zumal die beiden Kinder im Handlungsverlauf zu Randfiguren werden. Vielleicht möchte Djordjadzes neuer Film doch eher Heimkehrerdrama, Romanze mit Fantasy-Einschlag und etwas Gangster-Story sein. Schließlich ist Protagonist Datho gerade aus dem Gefängnis entlassen worden und hat damit zu kämpfen, dass sich seine schöne Frau Elene mit einem dubiosen Feuerschlucker herumtreibt und ihn seine Sprösslinge für eine Flasche halten, weil ihnen Opa bislang vorgegaukelt hat, der abwesende Vater sei ein heroischer Geheimagent mit überirdischen Kräften.

The Rainbowmaker

Letztere erlangt Datho dann tatsächlich: Der Meteorologe wird von einem mysteriösen Blitzschlag zum Herrn über Schnee und Graupelschauer gemacht, um seine abtrünnige Ehefrau mithilfe selbst kreierter Gewitter und Regenbogen zurückzugewinnen. Die Reaktion der Angebeteten: „Das kannst du? Ist ja toll.“ Mit vergleichbarer Verhaltenheit reagiert man auch als Zuschauer auf die eher putzigen denn imponierenden Wettereffekte und auf den magischen Realismus der Inszenierung, die überwiegend mit Klischees arbeitet und das ernste Potenzial der Geschichte nicht ausschöpft.

The Rainbowmaker

Magie bedeutet in The Rainbowmaker Zirkus, Vollmond und Rauchschwaden, reale Probleme werden ebenfalls auf allzu magische oder vielmehr rätsel- und sprunghafte Weise gelöst. Momente der Annäherung zwischen Datho und seinen entfremdeten Kindern finden nicht statt, die schleierhaften Motive der Mutter werden durch ihre offenherzigen Kleider ausgeglichen, und der Vater vergnügt sich nebenbei mit einer Pilotin (Chulpan Khamatova). Trotzdem sind sie am Ende, nachdem es noch mal ordentlich geblitzt und gedonnert hat, eine glücklich wiedervereinte Familie.

Die Szenenfolge ist ähnlich lose wie in 27 Missing Kisses. Dort hielt aber der Fokus auf die unkonventionelle Hauptfigur die Erzählung zusammen, während sie hier recht oberflächlich und konzeptlos zwischen den Charakteren und Genres pendelt. Zu mehr als ein paar charmanten Einfällen und einigen hübschen Landschaftstotalen wurde die Regisseurin von ihrem Blitzschlag leider nicht inspiriert.

Kommentare


ecco

wir haben gestern eine preview des films gesehen und waren maßlos enttäuscht vom gesehenen. ein film, der einen ständig mit der frage "warum?" zurücklässt.

ein paar beispiele: alle figuren haben eine perfekte deutsche synchronstimme, nur datho hat einen hörbaren ausländischen/russischen akzent. oder warum trägt die eigentlich hübsche schauspielerin der pilotin immer eine als perücke erkennbare kurzhaarfrisur? warum heißt der film im deutschen "the rainbowmaker", wenn es ein regenbogenmacher auch getan hätte? warum schwimmt elena kilometerweit zum leuchtturm, wenn doch auch eine straße dorthin führt? warum wird sie in jeder zweiten szene getragen? warum schläft datho mit der anderen perückenträgerin, der ca. 65-jährigen tod-darstellerin? was sollten die ständigen auftritte des todes überhaupt bezwecken? und so weiter und so fort.

inhaltlich strotzte der film nur so von plattheiten, die nur noch vom dauernden alkoholgenuß aller schauspieler übertroffen wurde.

großartig war allein im vorspann die liste der institutionen, die diesen film finanziell unterstützt hatten. warum auch immer...

für uns der schlechteste film seit langem.


Nane

Gestern den Film im Kino 8 1/2 in Celle (mit 4 weiteren Zuschauern!) gesehen. Ich fand ihn zauberhaft! In einem Märchen muss nicht jede Frage nach dem Warum eine Antwort finden. Der Tod als ältere, aber dennoch hübsche Frau, die eine unhandliche Sense mit sich herumträgt, war ein guter Einfall. Drollig auch, wie der Grossvater seinen Sohn mit der Pilotin verkuppeln will und um die beiden herumscharwenzelt.


Martin Zopick

Das Märchen mit dem poetischen Titel ist wunderschön in Bilder umgesetzt, die Darsteller sind nicht schlecht, vor allem die weiblichen sind ausnehmend gutaussehend. Zwei von ihnen: Freundin und Pilotin Lia (Chulpan Khamatova) ist locker unkonventionel und Ex Ehefrau Elena (Anna Antonowicz) der Feuerschopf ist auch nicht übel in ihrer Rolle. Zwischen den beiden Frauen der umschwärmte Vater Datho, der bekannteste Darsteller im deutschsprachigen Fernsehen Merab Ninidze. Die Kinder sind recht aufgeweckt, der Tod ist weiblich und hat auch noch Lust auf Sex. Sogar ein Happy End gibt es.
Dennoch zündet der Film nicht. Er ist nett gemeint, aber nur halbherzig gemacht. Das Drehbuch ist zu unentschlossen, wie z. B. die Liebeszenen, die mehr einem griechisch-römischen Ringkampf ähneln und keine Emotionen transportieren. Die Figuren hüpfen alle so feenhaft leicht durchs Bild, ohne Bodenhaftung. Sie wirken oft kopflos hin und her gerissen, wie die besagten Blumenkinder. So bleiben sie bis ans Ende entrückt, unrealistisch wie das ‘Glückliche Ende‘. Schön anzusehen, aber per Saldo schwach.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.