The Purge 3: Election Year

Im dritten, bisher ambitioniertesten Teil von James DeMonacos Thriller-Reihe kämpft sich eine Präsidentschaftskandidatin durch eine blutige Nacht. Der US-Wahlkampf scheint sich dabei direkt auf der Leinwand fortzusetzen.

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Es ist kein Zufall, dass The Purge 3: Election Year mit der Aufnahme einer im Wind flatternden US-Flagge endet. Im neuesten Teil der erfolgreichen Thriller-Reihe zeichnet noch stärker als in den Vorgängern ab, dass Schöpfer und Regisseur James DeMonaco seine Filme nicht nur als Nervenkitzel, sondern auch als ätzenden Kommentar auf die aktuelle Politik der USA versteht. Schon das Grundmotiv von The Purge lässt an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig: In naher Zukunft findet jedes Jahr eine Art morbider Karneval statt, der es den Bürgern für zwölf Stunden erlaubt, jedes nur erdenkliche Verbrechen zu begehen, ohne dafür belangt zu werden. Für das Volk ist das ein willkommener Anlass, angestaute Aggressionen in einem blutigen Schlachtfest zu entladen; für Politik und Wirtschaft eine Gelegenheit, sich hinterhältig all der Armen, Obdachlosen und ethnischen Minderheiten zu entledigen, die in dieser Nacht nicht die Möglichkeit haben, sich in einen Hochsicherheitsbunker zurückzuziehen. Die „Säuberung“ ist der Inbegriff eines Sozialdarwinismus in seiner grausamsten Form.

Aufgepimpte Hillary

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Das Erfrischende an den Purge-Filmen ist, dass sie zweifellos ein subversives Potenzial besitzen, dabei aber nicht zu aufdringlich mit ihrer Bedeutsamkeit hausieren gehen. Sie wollen etwas über Amerika erzählen, haben aber kein Problem damit, dass ihnen nur das Publikum aus der Mitternachtsschiene zuhört. Trotzdem findet man aktuell wohl keinen Film, der die angespannte Lage in den USA so treffend auf den Punkt bringt wie Election Year. DeMonaco setzt den amerikanischen Wahlkampfzirkus direkt auf der Leinwand fort. Die Präsidentschaftskandidatin Charlie (Elisabeth Mitchell) kämpft dort mit der Überzeugungskraft einer Sozialpädagogin für eine notwendige Revolution: die endgültige Abschaffung der Purge. Nicht nur wegen ihrer blonden Haare wirkt Charlie wie eine durch Schönheitschirurgie aufgepimpte Hillary. DeMonaco zielt bei ihren Gegnern auch derart offensichtlich auf den religiösen Wahn, die Waffenvernarrtheit und die hirnlose Bewahrung alter Werte ab, dass man den Film selbst schon als offiziellen Teil des Wahlkampfs der Demokraten verstehen kann. Aber obwohl Election Year immer wieder an die Wirklichkeit andockt, lässt er sich von ihr nicht versklaven. Vielmehr spielt er mit ihr, lässt sie auch mal links liegen und verzerrt sie dann wieder schamlos ins Groteske.

Keine Scheu vorm Ordinären

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Nachdem Charlie in der Purge-Nacht zum Freiwild erklärt wird, beginnt für sie eine lebensgefährliche Reise durch die Nacht. An ihrer Seite kämpfen jene gesellschaftlichen Außenseiter, die praktischerweise auch zu ihrer Zielgruppe gehören – etwa zwei schwarze Ex-Gangmitglieder und ein mexikanischer Einwanderer. Wie Election Year die Großstadt als Minenfeld inszeniert, durch das sich seine Figuren schlagen müssen, erinnert durch seine offensichtliche Freude an absurden Katastrophenszenarien und knallharten Bösewichten mitunter an Stephen Hopkins’ Judgment Night (1993), oder mehr noch an Walter Hills The Warriors (1979). Ständig stellen sich der Zweckgemeinschaft neue Gegner in den Weg, die durch ihre unterschiedliche Kampfweise, aber auch ihr einprägsames Erscheinungsbild wie Action-Figuren von morgen wirken – so etwa eine Gang russischer Mordtouristen, ein durchtriebener Baby-Doll-Killertrupp oder eine paramilitärische Einheit, deren Anführer sein Gesicht mit Hakenkreuzen und SS-Runen zutätowiert hat. Dazwischen schweift die Kamera immer wieder zu absonderlich surrealen Settings ab, zeigt etwa eine gigantische Guillotine, die in einer engen Seitengasse zum Einsatz kommt oder eine Ballerina, die vor einer Gruppe Gehenkter ihre Pirouetten dreht. DeMonaco hat keine Scheu vor dem Groben und Ordinären, weder vor bleihaltigen Schusswechseln noch vor comichaften Tötungsszenen. Es ist gerade die Maßlosigkeit, die Bereitschaft zur Extravaganz, die Election Year zu einem deutlich interessanteren Film macht als den ersten, noch vergleichsweise schmucklos inszenierten Beitrag der Reihe.

Zurück zur Utopie

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Obwohl sich der Film am Ende die Möglichkeit für eine weitere Fortsetzung bewahren möchte, könnte seine Offenheit nicht besser gewählt sein. Wenn das letzte Bild die Stars and Stripes zeigt, dann sind sie plötzlich nicht mehr das Symbol einer pervertierten Klassengesellschaft, sondern ein aufrichtiger Hoffnungsschimmer für eine bessere, also menschlichere Zukunft als man sie gerade gesehen hat oder sich momentan für die USA ausmalt. In Election Year sind es die „neuen Gründungsväter“, die für den moralischen Zerfall des Landes verantwortlich sind – ein Haufen böser weißer alter Männer, der rauchend in verglasten Büros sitzt und Idealisten aus dem Weg räumt. DeMonaco sehnt sich dagegen nach den Grundwerten der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und damit nach einer Utopie, in der jedem Bürger des Staates das Recht auf „Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“ gehört.

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Kommentare


CINENERD2000

Wäre sicher auch sehr interessant, wenn sich der 4. Teil dann -nun nach den Wahlen- sich dann zur dessen Erweiterung auf die Dokumentation "HILLARYS AMERICA" beziehen und dessen Argumentation fortführen und "ausweiden" würde..
,)






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