The Producers

1968 erhielt Mel Brooks für das Drehbuch zu seinem Kinoregiedebüt Frühling für Hitler (The Producers) den Oscar. 2001 ließ er die Broadway-Komödie mit großem Erfolg als The Producers – The New Mel Brooks Musical auf die Bühne bringen. Dieses Jahr kommt die Symbiose der vorherigen Film- und Musicalversionen in die Kinos.

The Producers

Mel Brooks ist zurück. Als Drehbuchschreiber und Komponist des Kino-Musicals The Producers zeigt der Veteran des Komödiengenres, dass er für den Ruhestand noch nicht bereit ist. Und auch wenn Brooks den Regiestuhl für Susan Stroman freigegeben hat und im Film lediglich als Stimme – für eine schwarze Katze und den Bühnencharakter „Stormtrooper Mel“ – auftaucht, so zieht sich seine Handschrift dennoch deutlich durch The Producers.

Dessen Story ist im Jahr 1959 in New York City angesiedelt. Broadway-Produzent Max Bialystock (Nathan Lane) hat schon bessere Tage gesehen – seine Musicals floppen und nur dank zahlreicher Liebschaften mit älteren Damen kann er überhaupt im Geschäft bleiben. Als sein unscheinbarer Buchhalter Leo Bloom (Matthew Broderick) entdeckt, dass man dank eines finanztechnischen Schlupfloches mit einem gewaltigen Flop mehr Geld machen könnte als mit einem Erfolg, überredet Max diesen, seinen Schreibtischjob zu schmeißen und mit ihm einen garantierten Flop zu inszenieren, um sich danach mit dem ergaunerten Geld nach Rio abzusetzen. Schon bald nehmen die beiden Producers Hitler-Verehrer Franz Liebkind (Will Ferrell) als Drehbuchautor unter Vertrag, scheint sein Stück doch prädestiniert für den Misserfolg: „Springtime for Hitler – A Gay Romp with Adolf and Eva in Berchtesgaden“. Den Regisseursposten besetzen die beiden mit dem divenhaften Roger DeBris (Gary Beach), der mit seiner „Freundin“ Carmen (Roger Bart) zusammen lebt und gerne im Abendkleid herumstolziert. Schließlich schneit dem Duo noch die Schwedin Ulla (Uma Thurman) ins Büro, die kaum Englisch spricht und die weibliche Hauptrolle bekommt. Der ultimative Flop scheint also sicher, doch dann kommt - natürlich - alles anders.

The Producers

Wie in anderen Musicalfilmen wechseln sich in The Producers Storyelemente und Musical-typische Tanz- und Gesangseinlagen ab. Dabei verliert der Film trotz einer Laufzeit von über zwei Stunden niemals an Schwung, da Regisseurin Stroman, die beim Musical für Regie und Choreographie verantwortlich war, die Möglichkeiten des Mediums Film gut ausgenutzt hat: Beispielsweise ist die Sequenz „We can do it“, in der Max Leo zur Zusammenarbeit überredet, nicht länger auf Max’ Büro beschränkt. Stattdessen zeigt eine rasante Kamerafahrt in einem Fluss, wie die beiden Protagonisten innerhalb weniger Minuten das Büro verlassen und in einem Taxi am Times Square vorbeirasen, bevor sie in einem Brunnen im Central Park ihr Duett kulminieren lassen. In dieser und weiteren Szenen kombiniert der Film The Producers geschickt die Reize des Musical-Genres mit den Möglichkeiten moderner Filmproduktion.

Nach dem großen Erfolg des Producers-Musicals, das 2001 mit zwölf Tony Awards mehr solcher Auszeichnungen erhielt als irgendeine andere Bühnenproduktion, engagierten die Macher von The Producers viele Mitglieder der Musicalbesetzung und -crew, um den Flair der Bühnenversion auf den Film zu übertragen. Neben Stroman und diversen Mitarbeitern hinter den Kulissen sind die beiden Hauptdarsteller Nathan Lane und Matthew Broderick wieder mit von der Partie, die schon bei der Uraufführung des Musicals zusammen auf der Bühne standen. Ihre durchwegs stark übertriebene Mimik und Körpersprache trägt deutlich zum Humor des Films bei. Auch Gary Beach und Rogert Bart verkörpern dieselben Charaktere wie schon im Musical. Diese sind zwar Stereotypen von schwulen Männern in Reinkultur, doch sie spielen sie so überzeichnet und liebenswürdig, dass ihre Szenen höchst unterhaltsam sind. Will Ferrell brilliert in seiner Rolle als Hitlerfan Liebkind, besonders bei seinen beiden herrlich grenzwertigen Musikeinlagen „Der Guten Tag Hop-Clop“ und „Haben Sie gehört das deutsche Band?“. Er schafft es, seinen Nazicharakter nicht nur als geistig verwirrt und zurückgeblieben, sondern gleichzeitig als kindlich-naiv darzustellen, so dass man selbst diesen nicht wirklich unsympathisch finden kann.

The Producers

The Producers ist keine typische Parodie im Stil von Mel Brooks und fällt daher nicht in die Tradition von Filmen wie Spaceballs (1987). Der Film ist eher augenzwinkernde Hommage an klassische Kino-Musicals. Die Sequenz „That Face“, in der Leo Bloom und Ulla sich übers Tanzen romantisch näherkommen, ist beispielsweise eine Würdigung von Fred Astaire und Ginger Rogers in Ich tanz mich in dein Herz hinein (Top Hat, 1935). Dennoch ist The Producers kein Film für Freunde des subtilen Humors - den für Brooks typisch deftigen Slapstick und Wortwitz findet man zur Genüge wieder. Wenn Max mit einer betagten Dame sexuell anzügliche Dialoge führt, um an einen Scheck zu kommen, oder das Produzentenduo den „Siegfried-Schwur“ auf „Adolf Elisabeth Hitler“ ablegen muss, um Liebkinds Zusage zu kriegen, kommt bei Brooks-Fans Freude auf. Politisch korrekte Zeitgenossen werden es dagegen nicht komisch finden, wenn im „Keep It Gay“-Segment abgedroschene Klischees von Homosexuellen bedient werden oder Roger gegen Ende des Films als singender, tanzender Adolf Hitler, stilecht mit Glitzer-Swastika, „Heil Myself“ proklamiert, bevor er sich in eine Hakenkreuz-förmige Tanzformation einreiht. Wer aber den entsprechenden Humor mitbringt, den wird Susan Stromans Musical-Komödie über zwei Stunden lang bestens unterhalten. All diejenigen, die danach noch Mel Brooks selbst für einen Moment auf der Leinwand sehen möchten, sollten sich den Abspann nicht entgehen lassen.

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