Mahana - Eine Maori-Saga

Unter uns in Aotearoa: Lee Tamahori hat mit viel Weichzeichner die erste Folge einer Maori-Soap gedreht.

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Lee Tamahori hat eine recht eigenwillige Filmografie. Hollywood-Querschläger vom Eifersuchts-Wildnis-Drama The Edge über Die Another Day – das CGI-lastige Bond-Spektakel, das das 007-Franchise in ein Reboot zwang – bis hin zur überdrehten Philip-K.-Dick-Adaption Next. Nach rund zwanzig Jahren in denen sich der Neuseeländer in seinem Hollywood-Urlaub ordentlich ausgetobt hat, kehrt er nun zu seinen Wurzeln zurück. Mahana erzählt, wie schon sein Debütfilm Die letzte Kriegerin, von einem Maori-Patriarchat. Vom rauen, ungelenken Stil des Erstlings, der eine moderne Maori-Gemeinschaft zwischen Alkoholismus und Gewalt abbildete, rückt die neue Saga allerdings weit ab.

Hausfrauen und Stallburschen

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Wie ein Schmuckstück im Polster seiner Schatulle wattiert Tamahori die Geschichte der Mahana-Familie, die ihr Überleben am Rande der Gesellschaft mit harter Arbeit gewährleistet. Angeführt von Großvater Tamihana (Temuera Morrison), der wahlweise auf seinem Schimmel oder am Kopf des Tisches über der Familie thront, verdienen die Männer der Familie ihr Geld als Schafscherer, während die Frauen und der junge Simeon (Akuhata Keefe) die Hausarbeit übernehmen. Mit dem Weichzeichner poliert der Film die harte Arbeit der Großfamilie in ausgiebig durchgestylten Schafställen, auf saftigen Wiesen und in wunderbaren Vintage-Waschküchen. Herrlich saubere Aufnahmen der Kulissen, die direkt aus einem Stallburschen-Kalender stammen könnten, werden mit Landschaftspanoramen und Streichern aufgefüllt. Beim Abendessen wird die Idylle dann durch Tischgebet und Tyrannei des Großvaters unterbrochen, freilich ohne dass der Heimatkitsch-Gestus dabei verloren ginge. Auch hier ist meist Simeon der Leidtragende. Ein Entkommen aus dem grausamen Alltag gibt es nur auf Schulexkursionen. Im Gerichtssaal klärt der überbegabte Junge den örtlichen Richter über die Rechte der Maori-Minderheit auf und bandelt nebenbei, ohne einen Funken von Eigeninitiative, mit der bildhübschen Tochter des rivalisierenden Poata-Clans an.

Indigene Seifenoper

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Die Verbindung zwischen Mahana- und Poata-Familie, die gleichzeitig der Grund für ihre Feindschaft ist, enthüllt der Film bereits mit Simeons erster Strafhausarbeit. Das auf einem Roman von Witi Ihimaera basierende Drehbuch formuliert die Details dieser Feindschaft ebenso sorgfältig aus wie den innerfamiliären Konflikt des Films. Nachdem Tamihana seinem 14-jährigen Enkel mal so richtig die Fresse poliert, seinerseits von seinem Sohn Joshua (Regan Taylor) mit einem Haken niedergestreckt wird, entzweit sich die Familie vollends. Joshua und Simeon nähern sich den Poatas an, während Tamihana den Rest der Familie weiterhin beim Abendessen anschreit. Das verbale Breittreten der Konflikte verschweißt sich mit den in Weichzeichner-Optik gehaltenen Rückblenden zur indigenen Seifenoper. Mitunter kommt die Kombination aus Heimat-Nostalgie und plastinierten Familienmomenten durchaus kurzweilig daher. Etwa wenn die Mahanas beim traditionellen Schafschur-Wettkampf gegeneinander antreten, der durch den Live-Kommentar zweier alter Experten zum Wrestlemania der Wolle wird. Die gesellschaftliche Stellung der Maori bleibt in Tamahoris Kitschfabrik ein Nebenprodukt, das über rassistische Hinweisschilder in Amtsgebäuden und Pubs hergestellt wird. Das bewahrt den Film vor Exotismus, führt aber gleichzeitig zu den Konfliktlinien des Terror-Patriarchats zurück, die Mahana wälzt wie übergroßes Kaugummi im Mund.

Absurditäten aus der Ethno-Ecke

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Spätestens nach dem dritten Abendessen, bei dem Tamihana erneut seinen Willen zur Familienspaltung bekundet, sehnt man sich nach dem betrunkenen Schläger-Patriarchen zurück, den Temuera Morrison noch in Die letzte Kriegerin verkörperte. Stattdessen versteigt sich Tamahori auf derart groteske Szenen, dass der Film ins Absurde eintaucht. Während Großvater Tamihana die Eier seines Enkels in die Hand nimmt, um ihm zu zeigen, dass es eben diese zum Beschützen einer Familie braucht, singt die Großmutter ihren CGI-Bienen ein maorisches Lied vor. Wo die Kreuzung von Maori-Traditionsgesang und schlechtem CGI noch einen trashigen Charme versprüht, offenbart Tamahori mit einer mal wieder weichgezeichneten Rückblende, die eine Vergewaltigung durch eine überlange Kranfahrt umschifft, endgültig seine vollkommene Geschmacklosigkeit. Mit einem halbherzigen Haka zum Ende des Films degradiert der Neuseeländer seine Rückkehr in die Heimat gänzlich zu einem Centerparcs-Familienurlaub mit Hollywood-Souvenirs.

Trailer zu „Mahana - Eine Maori-Saga“


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