Charlie Countryman – Kritik

In seinem Erstlingsfilm wirft Fredrik Bond die nötigen Pillen viel zu spät ein.

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Fangen wir am Ende an. Dort nämlich lässt Regisseur Fredrik Bond allen vorher angedeuteten Tiefsinn in seiner Belanglosigkeit liegen, feiert die Möglichkeiten digitalen Kinos endlich ohne Eitelkeit und lässt damit das Trash-Potenzial aus dem Korsett eines Films ausbrechen, der von Anfang an nicht funktioniert hat. In der letzten Viertelstunde wirft der Regisseur seinem Werk The Necessary Death of Charlie Countryman noch einmal eine Ecstasy in den Rachen und lässt seinen Protagonisten, den jungen Amerikaner Charlie (Shia LaBeouf), quer durch Bukarest rennen und gegen die Bösewichte antreten, die zwischen ihm und dem Happy End mit der schönen Rumänin Gabi (Evan Rachel Wood) liegen – auch wenn diese zu wissen scheint, dass dieser Plan im Filmtitel enden wird.

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Bond kann in dieser letzten Viertelstunde alles etwas gleichgültig sein, weil Gabi den Film ein paar Drehbuchseiten vorher bereits durchschaut hat. Zwar ist es Charlie, den sie spöttisch mit einem Kind vergleicht, das sich auf eine große Abenteuerreise begeben hat, um den Tod seiner Mutter zu verschmerzen, aber irgendwie beschreibt sie damit auch The Necessary Death of Charlie Countryman ganz gut. Der Film erinnert an die Spielerei eines Heranwachsenden, der Lust auf ein verrücktes Abenteuer hatte, in einer fremden Welt, mit geheimnisvollen Schönen und bestialischen Bösewichten, und einem gut aussehenden Helden, der selbst, wenn er am Ende sterben muss, alles versucht hat. Doch die Abenteuerlust, mit der dieses Projekt einmal angefangen haben mag, ist im Kino ebenso wenig zu spüren wie irgendeine Form von Leidenschaft zwischen Charlie und Gabi, denen wir ihre gegenseitige Zuneigung einfach glauben müssen.

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Ob angemessene Darstellung oder Resignation, Shia LaBeouf scheint nur in wenigen Einstellungen zu wissen, wie seiner Figur geschieht, und auch Bond weiß wenig anzufangen mit den vielen Tönen, die er anschlägt, und den filmischen Mitteln, an denen er sich probiert. Pathetische Momente der Trauer, mystische Geistervisionen, rohe Gangster-Gewalt und bunte Drogenexzesse – aber all das wird nicht einmal ordentlich ausgekostet, nichts davon wirklich an seine Grenzen getrieben. Die Elemente heben sich stattdessen gegenseitig auf, bleiben in einem Rahmen, an dem Bond stur festhält, weil er Kohärenz will, wo eine radikale Flucht aus selbiger deutlich konsequenter gewesen wäre.

Struktur verspricht er sich dabei von der mittlerweile häufiger nervig als clever daherkommenden Praxis, die Schlussszene um des stylischen Einstiegs willen schon mal an den Anfang zu setzen, sowie von einer tatsächlich äußerst unnötigen Erzählerstimme, die zwar immerhin John Hurt gehört, dem Film ansonsten aber eine märchenhaften Junge-trifft-Mädchen-Romantik aufdrückt, die jeden Funken aufkommenden Interesses an der Geschichte direkt im Keim erstickt.

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Womit wir endlich am Anfang wären. Da stirbt dem armen Charlie die Mutter und sorgt damit für den fast die gesamte Laufzeit anhaltenden Hundeblick in LaBeoufs Gesicht. Mums Seele lässt sich vor ihrem endgültigen Entschwinden aber noch auf ein letztes Stelldichein ein, um ihrem Sohn aufzutragen, nach Bukarest zu fliegen. Den Grund dafür kann sie nicht nennen. Und so landet Charlie im fremden Land, so wie The Necessary Death im Wettbewerb der Berlinale gelandet ist – ohne erkennbaren Grund, merkwürdig fehl am Platz und mit geringen Überlebenschancen.

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