Monuments Men

Clooney rettet im Zweiten Weltkrieg Kunstschätze vor Nazis und Sowjets und erinnert uns daran, dass die Amerikaner es nur gut meinen mit Europa.

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Wer hätte kein Verständnis dafür, dass die Berlinale einen mediokren Film im Wettbewerb (außer Konkurrenz) hinnimmt, um George Clooney nach Berlin zurückzuholen, wo er bereits für die Entstehung von Monuments Men Monate verbrachte? Die Aufmerksamkeit ist dem Festival, wie könnte es auch anders sein, sehr willkommen. Noch dazu wird hier ein Kreis geschlossen, das erzählt sich gleich doppelt schön: Clooneys Geschichtsklitterung wurde in Babelsberg mit großzügiger Unterstützung deutscher Filmförderungen produziert – nun findet hier wenn schon nicht die Weltpremiere, doch immerhin die erste Aufführung außerhalb der USA statt. Obwohl Produzent und Regisseur Clooney bereits konsequent für das Unterkomplexe im politisch gemeinten Hollywoodkino steht, ist es niemandem zu verdenken, sich das Know-how einer solchen Produktion für Deutschland sichern zu wollen. In der Wirtschaft ist das ein üblicher Vorgang. Expertise wird importiert. China hat sich auch Ingenieure aus dem Westen ins Land geholt. Nur hätten totalitäre Kommunisten wohl etwas genauer hingeguckt, was da bei ihnen entsteht.

Brachliegendes Potenzial

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Auf den ersten Blick ist Monuments Men nicht mehr als eine misslungene Dramödie mit einem lahmen Drehbuch, das disparate Episoden der im Promo-Sprech „wahren“ Geschichte um amerikanische Kunstretter im Zweiten Weltkrieg zusammenflickt. Klar, Bill Murray hat von seinem ersten Auftritt an eine Präsenz, die noch jede Matt-Damon-George-Clooney-Paarung in den Schatten stellt. Doch Kapital zu schlagen aus seinem Cast ist nicht des Regisseurs Talent, vor allem das komödiantische Potenzial der Kombination von John Goodman, Jean Dujardin und Murray lässt Clooney brachliegen. Lieber darf Bob Balaban für Lacher herhalten, der wie immer souverän den etwas verstockten Außenseiter gibt, neben dem die anderen beinahe von selbst in Coolness erstrahlen.

Die Figurenzeichnung verrät ohnehin viel über die Haltung des Films. Im Groben verhält es sich so: Sieben Männer, nicht mehr die Jüngsten und selbstverständlich ohne Kriegserfahrung, werden zusammengewürfelt nach dem Prinzip: je unpassender, desto besser. Sie werden hineingeworfen in die Schlacht, ein wenig wie Asterix und Obelix – als liebenswürdige und trottelige Hoffnungsträger wider alle Vernunft. Am Anfang scheint es klar: Hier sollen Slapstick und Groteske entstehen, wenn Kunstexperten und Archivare sich auf hartem Terrain beweisen müssen, auch gegen amerikanische Kommandeure, die von Kunst nichts hören wollen. Stattdessen aber dürfen die Figuren gemeinsam durch dick und dünn gehen, um bessere Amerikaner zu werden.

Schnell, entschlossen, rabiat

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Denn obwohl Monuments Men auch auf den zweiten Blick primär ein misslungener Unterhaltungsfilm ist, ist doch nichts an ihm harmlos. Clooney ist der zweifelsfrei exponierteste Vertreter des sogenannten engagierten Filmemachens in den USA. Die guten Absichten sind auch hier wie immer offensichtlich: Dem klassischen Kriegsfilm setzt er einen entgegen, der sich nicht mit Frontlinien, Sieg und Niederlage identifiziert, sondern mit dem materiell Bewahrenswerten hinter den Schicksalsschlachten. Schon in dieser Mission ist daher ein starker Konflikt angelegt: sich um Werke von immensem kulturellem (und monetärem) Wert zu bemühen und dabei gleichzeitig Menschenleben aufs Spiel zu setzen. Das wäre ein dramatischer Stoff, der einen Zwiespalt aufbrechen lassen könnte, doch Clooney bügelt drüber, schnell, entschlossen und ziemlich rabiat. Keiner zweifelt. Keiner darf zweifeln. In Monuments Men ist Geschichte nämlich Agent, Agent von Ideologie.

Freilich wäre ein stark ideologisch aufgeladener Hollywood-Film der linken Intelligenzija inmitten des konservativen Allerlei vermutlich höchst sympathisch. Die titelgebenden Kunstliebhaber, die als Teil des Militärs Europas Schätze beschützen sollen, streifen mit ihrer Uniform zugleich aber jede Form von lebendigem Verhältnis zu Umwelt und Mitmenschen ab. Die Klamotte, als die Monuments Men beginnt, ist auch in dieser Hinsicht schnell vergessen. Die Männer sind unfehlbar in ihren Absichten und fast immer auch in ihren Taten. Nur Claire (Cate Blanchett), Moralinstanz schlechthin, wittert in ihnen auch eine Gefahr, fürchtet, sie könnten die Kunst für amerikanische Museen beanspruchen. Doch auch sie wird Vertrauen fassen, so sehr, dass sie sich dem schönen Soldaten als kurzweiliges Geschenk aus Paris anbietet. Der Verheiratete (Damon) aber widersteht mit genauso wenig Zweifeln, wie er an seine Mission verschwendet. Der gute Soldat ist guter Ehemann. Die Hadernde aber, die es wagte, die Männer in Frage zu stellen, wird schließlich noch en passant zum Witz degradiert – weil sie selbst eine Schwäche an den Tag legte.

Was die Welt im Innersten zusammenhält

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Schön ist, wie entleert das Drama daherkommt. Wenn das Komödiantische entweicht und es ans Eingemachte geht, dann entscheidet sich der Film ein ums andere Mal dafür, die Spannung verpuffen zu lassen. Weder die Sowjets noch die Nazis bilden ernstzunehmende Kontrahenten, der Krieg ist von Beginn an sinnlos. Selbst in den Momenten größter Not schneidet Monuments Men schnell zum nächsten Handlungsstrang. Dass nicht alle Figuren glimpflich davonkommen können, hat im Plot dagegen zwei Funktionen. Die Opfer, die die Einzelnen bringen müssen, geben der Truppe ein gemeinsames Ziel: dafür zu sorgen, dass sie nicht umsonst waren. Und sie rechtfertigen die eindringliche Symbolik und offensive Rhetorik von Patriotismus und Loyalität über allem. Kommunisten würde das womöglich gar nicht aufstoßen. Clooney aber erweist sich damit einen Bärendienst, denn er übernimmt die Argumentationsweise eines Unrechtsregimes: Vertraut uns, wir wollen nur das Beste für alle. Was mit der Kunst anzufangen, mit ihr und durch sie die Welt zu erschließen, sich selbst dank ihr im Innersten zu befragen, das weiß in Monuments Men keiner.

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