The Mechanic

Im Remake von Kalter Hauch (The Mechanic, 1972) wird atmosphärische Düsternis durch harte Action ersetzt und existenzielle Angst durch souveräne Coolness. Nicht jedermanns Sache.

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Sein Haus, sein Auto, sein Plattenspieler sagen viel aus über den wortkargen Auftragskiller Arthur Bishop. Nach getaner Arbeit kehrt er in sein abgelegenes, überaus stilvolles Zuhause mitten in den Sümpfen von New Orleans zurück, wo der rote Sportwagen unbenutzt in der Garage steht. Fast zärtlich legt er seine Lieblingsmusik auf den Designerplattenspieler: Schuberts Trio in Es-Dur für Klavier, Violine und Violoncello. Die Melodie bringt melancholische Entschlossenheit zum Ausdruck und hat schon Kubricks Barry Lyndon (1975) und Hanekes Klavierspielerin (La pianiste, 2001) begleitet.

Die Vorliebe für klassische Musik zeigt, dass Profikiller keine Kulturbanausen sein müssen und dass Actionikone Jason Statham alias Arthur Bishop hier einmal nicht den Haudrauf geben soll. Tatsächlich trägt Bishop seinen Spitznamen „The Mechanic“ zu Recht, weil er seine Aufträge mit äußerster Präzision und perfektem Timing ausführt. Das Einzige, was ihm fehlt, ist ein Partner.

The Mechanic ist ein Remake von Michael Winners Kalter Hauch (The Mechanic, 1972), einem der ersten Filme im amerikanischen Kino, die die Figur des Auftragskillers zum Helden machten. Diese Figuren umgibt häufig eine Aura der Einsamkeit und Verlorenheit, die sich an ihrer kaltblütigen Effizienz und körperlichen Unverletzlichkeit bricht. Immer wieder geht es in den Filmen darum auszuloten, ob der Killer noch ein Gewissen hat oder vollends zur skrupellosen Tötungsmaschine geworden ist.

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Den Auftrag, seinen Freund und angeblichen Verräter Harry McKenna (Donald Sutherland) zu erschießen, erfüllt Bishop jedenfalls mit der gleichen kaltblütigen Routine wie alle anderen Jobs. Als er aber erfährt, dass er von seinem Auftraggeber getäuscht wurde, entwickelt er Schuldgefühle und macht ausgerechnet McKennas Sohn Steve (Ben Foster) zu seinem Partner, um ihn bei seinem Rachefeldzug zu unterstützen. Eine gefährliche Freundschaft, denn Bishop ist der genretypische Einzelgänger, der keine emotionale Bindung eingehen darf, und Steve findet irgendwann heraus, dass Bishop derjenige ist, der seinen Vater exekutiert hat.

Erst mit dem Auftritt des unberechenbaren Steve, des perfekten Gegenentwurfs zum kontrollierten Killer, wird das bis dahin eher ruhige Werk zum Actionfilm, denn Steve findet in seinem neuen „Job“ endlich ein Ventil für seine Wut, die sich in blutigen Gewaltexzessen entlädt.

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Die Lust an der Gewalt ästhetisiert Regisseur Simon West durch Zeitlupen herumfliegender Autos, zersplitternder Fensterscheiben und Wohnungseinrichtungen bis hin zur finalen Explosion, bei der auch Haus, Auto und Plattenspieler in die Luft gehen. Die Kamera ist immer ganz nah dran und bleibt, außer bei den statischen Nahaufnahmen der Gesichter, wie die ruhelosen Helden immer in Bewegung. Der Schnittrhythmus ist perfekt getimt, und das Ganze ist unterlegt mit Mark Ishams coolem Soundtrack, der beim Showdown musikalische Referenzen zum Western herstellt.

Den Auftrag der Produzenten von The Mechanic, David Winkler und Bill Chartoff (übrigens die Söhne der Produzenten des Originals), die besten Aspekte des alten Drehbuchs beizubehalten und mit viel Action aufzumotzen, erfüllt der Regisseur routiniert. Er inszeniert das Spektakel aus Gewalt, Geschwindigkeit und Körperkult elegant, ohne den Figurenkonflikt aus den Augen zu verlieren. Kurzauftritte des leicht bekleideten Ex-Models Mini Aden steigern den Schauwert des Films, wobei die clipartig geschnittenen Sexszenen einem anstrengenden Workout gleichen, nach dem Statham immerhin mal sein Sixpack präsentieren darf, das sonst unter dem schwarzen Pulli verborgen bleibt.

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So sehr Ben Foster als gebrochener Held überzeugt, so wenig nimmt man Statham trotz Schuberts musikalischer Unterstützung den unter Einsamkeit leidenden Helden ab. Und dass er wie Charles Bronson im Original Antidepressiva nimmt, wollte man dem Zuschauer wohl nicht zumuten. The Mechanic ist kein Film noir, in dem der Profikiller wie in alten und neuen Klassikern des Genres, Der eiskalte Engel (Le samouraї, 1967) etwa oder Collateral (2004), als Spiegelbild seiner gefühlskalten Umwelt fungiert. Geringe Tiefenschärfe isoliert die Figuren in The Mechanic von der in den Hintergrund tretenden Kulisse New Orleans’, und das warme Licht einer südlichen Sonne befreit das Remake von der atmosphärischen Düsternis des Originals. Der Film ist einigermaßen spannendes Popcornkino, das so wenig Spuren im Kopf des Zuschauers hinterlässt wie ein Profikiller am Tatort.

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