Die glorreichen Sieben

Wenn der Western zur Westfront wird: Antoine Fuqua zählt sieben Stars zusammen und schickt sie über die Weiden des wilden Westens, an deren Ende ein Fleischwolf wartet.

Die glorreichen Sieben 03

Der Western ist ein Genre der einfachen Arithmetik. Die Trommel eines Colts hält sechs Patronen. Betritt der Träger des Colt einen Saloon, wird diese Zahl meist in schneller Abfolge reduziert, während die Zahl der Toten um den gleichen Faktor steigt. Für den Kopfgeldjäger Sam Chisolm (Denzel Washington) steht am Ende dieser einfachen Rechnung ein Nettogewinn von 1.000 Dollar – wie auf dem Steckbrief vermerkt, den er mit sich herumträgt. In der Kleinstadt, die Chisolm mit Blei wieder in Richtung Gesetzestreue lenkt, reduziert sich die Einwohnerzahl auf drei. Verglichen mit dem Schicksal des in der Nähe gelegenen Rose Krick ein Segen. Hier erfahren die Bewohner bereits in der Eröffnungssequenz, wie wenig ihr Leben gegenüber den Rohstoffen wiegt, die unter ihrem Land begraben liegen. Während der Kopfgeldjäger mit seinen Geld-für-Blut-Rechnungen der Moral des Steckbriefs folgt, kalkuliert ein Self-Made-Unternehmer wie Bartholomew Bogue mit größeren Zahlen und deutlich weniger Anspruch auf Gerechtigkeit. Peter Sarsgaard porträtiert diesen Industriellen als archaische Version eines Coltan-Warlords, dessen Verachtung für die Menschen, die sein kostbares Land besetzen, ihm den kalten Schweiß ins Gesicht treibt. Um diese zu vertreiben, lässt Bogue die Kirche anzünden und wahllos einige Bewohner hinrichten. Unter den Überlebenden bringt nur die Witwe Emma Cullen (Haley Bennett) den Mut auf, sich Bogue entgegen zu stellen. Sie heuert Sam Chisolm für eine Satteltasche voll Gold an.

Archetypen aus 1001 Western

Die glorreichen Sieben 02

Sechs glorreiche Mitstreiter sucht Chisolm an unterschiedlichen Orten des Wilden Westens. Die entsprechen noch immer den Archetypen, die Akira Kurosawa für Die Sieben Samurai (1954) entwarf und John Sturges in Die glorreichen Sieben (1960) für den Western aufarbeitete. Antoine Fuqua verleiht dem Ensemble nun eine größere ethnische Vielfalt: von Comanche und Mexikaner, über Ostasiat bis zum texanischen Kriegsveteranen. Unter den Status der Gesetzlosigkeit darf fast jeder der Sieben nochmal seine Unterschrift setzen, die Figurenexposition geht meist Hand in Hand mit einem Mord in klassischer Western-Manier. Die Textur der tödlichen Auseinandersetzung erhält ihren Anstrich dabei abhängig vom jeweiligen Archetypen. Starlord-Verschnitt Josh Faraday (Chris Pratt) lässt den Revolver in Kombination mit einem Kartendeck sprechen, der Trapper Jack Horne (Vincent D’Onofrio) schleudert ein Tomahawk um sich und der Fernost-Assassine Billy Rocks (Byung-hun Lee) beseitigt seine Feinde mit einer Haarnadel. Unter der exotischen Firnis bleibt der Film unverfälschte Westernware. Mexican standoffs, abgeschossene Hüte, verschreckte Saloon-Prostiuierte, Whiskey-Shots und die Außensicht eines Saloons, durch dessen Scheibe ein Halunke seinen Abgang macht: Die glorreichen Sieben scheut sich auch im Jahre 2016 nicht davor, seine Lieblingsstücke der Westerngeschichte zu präsentieren.

Die glorreichen Sieben 01

Fuqua führt somit die Geradlinigkeit der Genreadaption fort, die sich durch seine Filmografie zieht. Sein maskulines Exzesskino trifft nicht immer das Ziel, wie in Tränen der Sonne oder zuletzt im Boxer-Drama Southpaw, entwickelt aber mitunter genug Geschwindigkeit, um Genremotiven die nötige Durchschlagskraft zu geben. Besonders erfolgreich scheint Fuqua dabei zu sein, wenn er Vorlagen zeitgenössisch aufbereitet. The Equalizer stutze er auf Basis einer 1980er Erfolgsserie zu einem konsequenten Action-Thriller zurecht. Mit Die Glorreichen Sieben folgt nun erneut das Update eines Klassikers. Fuqua zieht die Fäden der Genreklischees straff und lässt sie zu einem Showdown zusammenlaufen, der die nostalgische Western-Arithmetik mit dem tödlichen Algorithmus der Moderne konfrontiert.

Westfront

Die glorreichen Sieben 04

Schon in der Vorbereitung auf die letzte Schlacht mit der Privatarmee Bogues – deren Name nicht zufällig an das Söldnerunternehmen Blackwater erinnert – wandeln sich die altmodischen Westernscharmützel zum Krieg: Gräben werden ausgehoben, Sprengfallen werden aufgestellt, das offene Land vor dem Dorf wird mit Hindernissen versehen. Bogue lässt unterdessen nicht nur namenlose Söldner am Horizont aufmarschieren, sondern bringt sein eigenes Kriegsgerät nach Rose Krick. Unter den Salven aus der Gatling Gun des Warlords wird das Westerngefecht vom lustvollen Schusswechsel zur industriellen Vernichtungsmaschine. Der Showdown des Films ist ein Fleischwolf, dessen Kurbel Fuqua erbarmungslos dreht – und erinnert dabei mehr an Sam Peckinpahs The Wild Bunch (1969) als an die eigene Filmvorlage. Drehbuchautor Nic Pizzolatto, der bereits in True Detective ein Talent dafür bewies, Schusswechsel aus der folgenlosen, routinierten Banalität zu reißen, schweißt den Showdown mit einer eisernen Dramaturgie zusammen, die der beachtlichen Dauer standhält. Jede Western-Arithmetik, die von sechs Revolverpatronen ausgeht, die präzise Stuhlbeine und Hüte abschießen, verschwindet im 30-minütigen, algorithmischen Sperrfeuer der Maschinengewehre, mit dem Fuqua einen Klassiker in eine neue Ära ballert.

Andere Artikel

Trailer zu „Die glorreichen Sieben“


Trailer ansehen (2)

Kommentare


Silence

Zuviel Action zu wenig Dramatik .
Zuviel Ungereimtheiten und Unlogisches .
Wieviel Schuss hat eine Gatling ? Jedenfalls nicht so viele wie es Einschläge gibt.
Aber gut ausgesehen hat es.
Zuviel liebloses Heldenverheizen
Viele Gute gewaltige Bilder
Gute Dialoge
Teilweise starke Schauspieler.
Dieser Film ausgestattet mit der Dramatik des Originals .. Das wäre es gewesen






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.