The Life and Death of Peter Sellers

In dem Biopic des Fernseh- und Kino- erfahrenen Regisseur Stephen Hopkins (24, ab 2001) vermag Geoffrey Rush den englischen Schauspieler und Komödianten, der durch die Rolle des Inspektor Clouseau zum Superstar der 60er Jahre aufstieg, in einer genialen Performance zu verkörpern.

The Life and Death of Peter Sellers

„Mein Königreich für ein Pferd!“ ruft Richard III. in William Shakespeares The Life and Death of Richard III, bevor er in die Schlacht von Bosworth zieht und vom späteren König Henry VII. geschlagen wird. In dem Drama zeichnete Shakespeare 1592 den blutigen Weg des grausamen Fürsten von Gloucester nach, der zum tyrannischen König Richard III. aufstieg. Vermochte der berühmte englische Dramatiker und Dichter eine historische Persönlichkeit, die bereits hundert Jahre zuvor starb, mit seiner Feder auf dem Papier zum Leben zu erwecken, bietet rund 400 Jahre später im ähnlichen Maße ein ganz anderes Medium ein komplexes Wechselspiel von Fakten und Fiktion bei der Dramatisierung von realen Ereignissen und Personen.

In einer filmischen Illusionsbildung soll ein Abbild von Realität produziert werden. Dies scheint zumindest ein Anspruch zu sein, der sich insbesondere an Biopics knüpft, da sich dieses Sub-Genre auf die Darstellung einer realen Person konzentriert. Hinzu kommt, dass Biopics von Natur aus dem Period-Picture verbunden sind, ein Sub-Genre, das eine vergangene Epoche auf die Leinwand materialisieren soll. Der Erfolg eines Biopics/Period-Pictures wird oft an der Nähe zu den realen Vorbildern gemessen. Als gelungen gilt, wenn etwa die Kulisse zu Mozarts Zauberflöte (1791) in Formans Amadeus (1984) nach den ursprünglichen Plänen von Karl Friedrich Schinkel gebaut wurde, oder wenn Cate Blanchett in Scorseses Aviator (2004) Katharine Hepburns Gestik, Mimik und Stimme überzeugend wiedergibt. Im Gegenzug sinkt die Akzeptanz wenn die Illusion einer filmischen Zeitreise zu Nichte gemacht wird und Anachronismen offensichtlich werden. So bei Stanley Kubricks Spartacus (1960), in dem eine Armbanduhr am Handgelenk eines Sklaven der Antike sichtbar ist, oder in Beyond the Sea (2004), in dem der Mittvierziger Kevin Spacey den wesentlich jüngeren Bobby Darin spielt.

The Life and Death of Peter Sellers

The Life and Death of Peter Sellers scheint gerade diese Erwartungshaltung an ein Biopic zu thematisieren. Der Film hätte sich mit seiner zentralen Figur kaum ein schwierigeres Vorbild wählen können, das es auf der Leinwand zu reproduzieren gilt. Die besondere Herausforderung, dem 1980 verstorbenen titelgebenden Schauspieler, der zu einem der erfolgreichsten Komödianten des 20. Jahrhunderts aufstieg, Leben einzuhauchen, ist der Tatsache geschuldet, dass Sellers’ Genie filmisch dokumentiert ist und dem potentiellen Publikum wohl gut in Erinnerung sein dürfte. Im Sinne des mimetischen Ansatzes würde also vorrangig die Frage an den Film gestellt werden, wie glaubhaft es dem Oscar prämierten Schauspieler Geoffrey Rush (Shine, 1996) gelingen würde Sellers’ einzigartige screenpersona zu duplizieren. Das kritische Publikum wird nicht enttäuscht, denn Rush vermag es bravourös den Zuschauer auf die anvisierte Zeitreise mitzunehmen. Andererseits verweigert sich der Film bisweilen einer, der Realität verpflichteten, Porträtierung von Personen und vergangener Jahrzehnte, indem die subjektiv gefärbte Sicht der Hauptfigur auf dessen Umfeld mit surrealer Note in Szene gesetzt wird. Regelmäßig vergegenwärtigt der Film dem Zuschauer seine Position als Rezipient einer Illusionsmaschine. Wenn Sellers etwa unvermittelt in Make-Up und Kostüm seiner eigenen Ehefrau dasteht und sich direkt an das Publikum wendet, während er vom Set, das kurz zuvor noch als diegetischer Raum etabliert wurde, läuft, um Dialogpassagen nach eigenen Vorstellungen nachzusynchronisieren.

The Life and Death of Peter Sellers

Die Brüche in der filmischen Realität werden genutzt um, über ein Porträt hinaus, das Psychogramm einer Persönlichkeit mit ihren Abgründen zu zeichnen. Die Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely orientieren sich an der 1994 erschienen, gleichnamigen Sellers-Biografie von Roger Lewis und entwerfen einen Menschen, der voller Widersprüche ist. Rush liefert mit seiner Rolle nicht eine bloße Imitation des Schauspielers ab, er weiß die unterschiedlichen Facetten der Person Sellers, die hinter der Maske des Komödianten zu schlummern scheinen, zu reflektieren und verleiht diesen Gestalt. Die Inszenierung des Regisseurs Stephen Hopkins stellt hingegen sicher, dass der Zuschauer, obgleich der schauspielerischen Brillanz Rushs, eine Melange aus filmisch aufbereiteten Fakten und Fiktion vorgesetzt bekommt. Trotz dieser erzählerischen Vielfalt fehlt dem Film streckenweise der rechte Antrieb, da auch in diesem Biopic das Kernproblem des Genres nicht gelöst werden konnte: viel zu früh steuert der Film auf ein unabwendbares Ende zu, so dass wenig Raum für Überraschungen bleibt. Ein genreimmanentes Merkmal, das schon der Titel reflektiert, nur scheint dies besonders zu einem Problem für das Medium Film zu werden. Shakespeares Dramen hat dieser Umstand jedenfalls nicht geschadet.

Trailer zu „The Life and Death of Peter Sellers“


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