The Legend of the Evil Lake

Ein Feldherr muss im Korea des 9. Jahrhunderts den Kampf mit seiner von einem Dämonen besessenen Geliebten aufnehmen, um den Verfall des Königreichs zu verhindern. The Legend of the Evil Lake erweist sich als unausgegorener Genremix aus Fantasy-, Martial Arts-, Melodram- und Historienfilmelementen, der kaum mehr als triviale Unterhaltung bietet.

The Legend of the Evil Lake

57 Jahre vor Christi Geburt vernichten Krieger der Shilla Dynastie in Korea den Volksstamm der Auta. Durch ein magisches Schwert kann der Fluch des Auta-Anführers in einen See gebannt werden. Fast 1000 Jahre später sieht sich das im Niedergang begriffene Shilla-Reich durch Bauernaufstände und Rebellionen machthungriger Feudalherren erschüttert. Königin Chinsong (Hae-ri Kim) schickt ihren besten Feldherren, General Biharang (Joon-ho Jeong), in die Schlacht, um die Einheit des Reiches zu wahren. Während Biharangs Abwesenheit wird ein Attentat auf seine Geliebte Jaunbi (Hyo-jin Kim) verübt, die an den verfluchten Teich flüchtet, wo der hasserfüllte Dämon des Auta-Anführers in sie fährt. Bevor jener das Königreich zerstören kann, muss Biharang ihn vernichten, wohlwissend dass er damit den Tod der Geliebten herbeiführt.

Regisseur Kwang-hoon Lee liefert mit The Legend of the Evil Lake (Cheonnyeon ho) einen allenfalls mediokren Mix aus Fantasy-, Martial Arts-, Melodram- und Historienfilmelementen. Zwar ist die für das postmoderne Kino charakteristische Mischung verschiedener Genres an sich nicht zu kritisieren, Lee vermag es jedoch nicht, die einzelnen Teile zu einem harmonischen Ganzen zu fügen. Hierbei sind es insbesondere zwei für den Film zentrale Elemente, die das Gesamtbild trüben: zum einen die Inszenierung der Kampfszenen, zum anderen die der Liebesszenen.

The Legend of the Evil Lake

Die Martial Arts-Momente lassen jene Kunstfertigkeit der Kampfszenen vermissen, die ein breiteres westliches Publikum durch Filme wie Tiger and Dragon (Wo hu cang long, 2000, Regie: Ang Lee) oder Hero (Ying xiong, 2002, Regie: Zhang Yimou) zu schätzen gelernt hat. Statt auf choreographische Eleganz setzt Lee – zusammen mit seinem Kampfszenen-Koregisseur Tak Yuen - ganz auf den effekthascherischen Einsatz von Grossaufnahmen abgeschlagener Glieder und spritzendem Kunstblut.

So sehr er in solchen Momenten unmotivierter Gewaltdarstellung den Bogen überspannt, so sehr übertreibt er gleichfalls in den melodramatischen Augenblicken. Ein Überschwang an Pathos treibt die Liebesgeschichte zwischen Biharang und Jaunbi gefährlich nah an den Rand des Kitsches, so dass die dem Sujet eigentlich innewohnende Kraft des Tragischen – ein Mann muss seine Geliebte töten, um sich und sein Volk zu retten – verspielt wird. Das Problem von The Legend of the Evil Lake ist die Unfähigkeit seines Regisseurs, ein richtiges Maß zu finden.

The Legend of the Evil Lake

Aufgrund der straffen Handlungsführung und einer stellenweise routinierten Inszenierung, die sich vorrangig in den zum Teil unheimlichen Momenten der Geistererscheinung niederschlägt, gelingt es dem Film dennoch, wenn auch nur auf einer trivialen Ebene, zu unterhalten. Zudem nutzt Kameramann Yue Lu die Monumentalität der Palastbauten, sowie die malerischen Naturkulissen Chinas, um ästhetische Bilder zu entwerfen, die zuweilen jene Sensibilität erkennen lassen, welche der Regie und dem Gesamtkonzept des Films fehlt. Letztlich überwiegt das Gefühl, dass der Film mehr sein will als er kann: er versucht tragischer Liebesfilm, ästhetischer Martial-Arts-Film, politischer Historienfilm, fesselnder Fantasyfilm gleichzeitig zu sein – nur: es gelingt ihm nicht, all seinen vielen an sich selbst gestellten Anforderungen Genüge zu tragen. Für Freunde des asiatischen Fantasyfilms mag er kurzweilige Zerstreuung bieten, für alle anderen lohnt es sich, die mittlerweile zum Klassiker avancierte Trilogie der Chinese Ghost Story (Sinnui yauman, 1987-1991, Regie: Siu-Tung Ching), unerreichtes Vorbild für The Legend of the Evil Lake, (wieder) zu entdecken.

 

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