The Killer Inside Me

All American Psycho.

Die Amerikaner lieben ihre Serienmörder. Ihr absoluter Favorit wurde von einem Briten dargestellt. Nun widmet sich ein Engländer hinter der Kamera dem Wahnsinn hinter der US-Fassade.

The Killer Inside Me

Michael Winterbottom wechselt Genre und Produktionsbedingungen wie andere Leute die Unterwäsche. Zwar haben sich einige der honorigsten Regisseure, unter ihnen Stanley Kubrick, immer wieder neuen Sujets zugewandt. Dabei ist es ihnen jedoch stets gelungen, etwas Eigenes zu destillieren. Bei Winterbottom verhält es sich anders. Selbst wenn man seine Filme direkt hintereinander sehen würde, eine Verwandtschaft ließe sich nur schwerlich feststellen. Wenn Winterbottom eines ist, dann der Anti-Autor schlechthin.

Deshalb ist auch schwer einzuschätzen, was ihn an dem Roman von Jim Thompson oder dessen erster Verfilmung durch Burt Kennedy aus dem Jahr 1976 interessiert hat. Vielleicht wollte der Regisseur sein breites Repertoire einfach um eine Art Neo-Noir-Serienmörderstreifen erweitern. Dafür wagt er sich ins tiefe Texas, die Schauspieler bemühen sich alle um breiten Akzent.

The Killer Inside Me

Lou Ford ist ein Cop mit Vergangenheit. Er ist der Kinderschänder, für den alle seinen Bruder Mike halten. Mittlerweile hat er sich spezialisiert und weiterentwickelt: zum Frauenschänder.
Seine Gewalttätigkeit stellt der Film mit großer Muße aus. Höhepunkt sind die Zerstörungen zweier schöner Frauen. Winterbottom setzt dabei auf Starqualität. Jessica Alba und Kate Hudson spielen die Opfer-Rollen, die in Genrestreifen gerne von Unbekannten ausgefüllt werden. Der Prozess der gewaltvollen Verhässlichung, die Zertrümmerung des Hübschen ist die Attraktion von The Killer inside me.

Auch für den Part des Täters konnte die Produktion einen Castingcoup landen. Casey Affleck, der sich nach seinem Triumph mit Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (2007) rar gemacht hatte, spielt wieder groß auf. Wie in Andrew Dominiks Western und wie in Gone Baby Gone (2007), dem Regiedebüt seines Bruders, agiert Affleck ein weiteres Mal als Engelsgesicht, das irgendwann die Grenze zur Gewalt überschreitet. Dieses Mal legt er noch mehr Kühle in seine Figur, was einen Vergleich zu Christian Bales bahnbrechender Performance als Patrick Bateman nahe legt. Das Grandiose in American Psycho (2000) ist allerdings die völlige Losgelöstheit des Psychopathen von seiner Umwelt. Unter der Regie von Mary Harron entwickelt sich Patrick immer mehr zum Hauptdarsteller seiner eigenen Wahnwelt. Bale trägt die Ironie des Films nicht nur, er potenziert sie noch durch die Unwirklichkeit, mit der er seine Figur anlegt. Der amerikanische Serienkiller ist bei ihm ganz Zeichen, nie Fleisch. Seite Taten sind so irrwitzig wie unbegründet.

The Killer Inside Me

Affleck und Winterbottom hingegen statten ihren Psychopathen mit jeder Menge Motivationen aus, erklären sein Verhalten und machen ihn zu einer leibhaftigen Figur. Durch solchen Bierernst verliert The Killer inside me jeden Mehrwert.

Trailer zu „The Killer Inside Me“


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