The Host

Ein schleimiges, grünes Monster greift eine koreanische Großstadt an. Die Familie eines alternden Imbisshändlers nimmt in dem besten Monsterfilm seit langem den Kampf gegen das Untier auf.

The Host

Im Jahr 2003 machte der junge koreanische Regisseur Bong Joon-ho mit seinem zweiten Werk Memories of Murder (Salinui chueok) nicht nur in seiner Heimat auf sich aufmerksam. Der Film, der die auf tatsächlichen Begebenheiten beruhende Geschichte einer Mordserie in der koreanischen Provinz erzählte, überzeugte durch eine schlüssige Verbindung des Serienkillerplots mit satirischen sowie neorealistischen Elementen und kann zu den interessantesten Aktualisierungen des Genrekinos der letzten Jahre gezählt werden.

Mit The Host (Gwoemul) scheint Bong Joon-ho nun drei Jahre später der große internationale Durchbruch gelungen zu sein. Der Film brach letztes Jahr nach seiner Premiere in Cannes an den koreanischen Kinokassen alle Rekorde und wurde auf zahlreichen Festivals rund um die Welt gefeiert. Mit ein wenig Verspätung kommt nun auch das deutsche Kinopublikum in den Genuss des würdigen Nachfolgewerks zu Memories of Murder.

Auch Bong Joon-hos neues Werk situiert sich im Kontext des Genrekinos. The Host schließt an die Tradition des Monsterfilms an, die in den letzten Jahren – abgesehen von Peter Jacksons King Kong (2005) – zumindest in Hollywood wenig Interessantes hervorgebracht hat. So orientiert sich der Streifen denn auch zumindest auf der Handlungsebene stärker an asiatischen Vorbildern, allen voran natürlich der japanischen Godzilla-Serie, die 1954 ihren Anfang nahm (Godzilla – Der sensationellste Film der Gegenwart, Gojira). Wie in Ishiro Hondas Klassiker stellt das Monster in The Host nicht das Produkt eskapistischer Fantasie, sondern die konkrete Manifestation gesellschaftlicher Probleme dar.

The Host

Allerdings ist 2006 nicht die Atombombe schuld. In diesem speziellen Fall ist die Verschmutzung der koreanischen Gewässer die Ursache für das Entstehen einer riesigen, grünlichen Kreatur mit seltsamen Körperfortsätzen im Kopfbereich, die alsbald Appetit auf Menschenfleisch entwickelt. Verschiedenste Instanzen nehmen den Kampf gegen das Ungeheuer auf, in den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen gerät jedoch die Familie des gealterten Imbissbesitzers Park Heui-bong (Byeon Heui-bong).

The Host gewinnt einen Teil seines Reizes aus der gelungenen Verschaltung der Familiengeschichte mit sozialen und politischen Diskursen, die unter anderem das Abhängigkeitsverhältnis Südkoreas zu den USA thematisieren. Zu Beginn befiehlt ein amerikanischer General seinen koreanischen Untergebenen, gefährliche Chemikalien vorschriftswidrig in den Han-Fluss zu leiten. Immer wieder treffen im weiteren Verlauf der Handlung undurchsichtige angebliche Seuchenbekämpfungsmaßnahmen auf einen überforderten koreanischen Verwaltungsapparat, woraus Szenen absurder Komik im Stile von Memories of Murder entstehen, beispielsweise wenn mitten im Krisengebiet außerhalb eines Notfallzeltes eine Grillparty gefeiert wird.

In dieser verfahrenen Situation situiert Bong Joon-ho die drei Generationen überschreitenden familiären Auseinandersetzungen, die den Großteil des Films bestimmen und in deren Mittelpunkt sich drei Geschwister, die Kinder Park Heui-bongs, befinden. Die zentrale Figur ist Gang-du (Song Gang-ho), ein ewiger Verlierer, dem es mit Müh und Not gelingt, seine Tochter Hyeon-seo (Ko A-sung) zu erziehen. Sein jüngerer Bruder Nam-il (Park Hae-il), ein arbeitsloser Akademiker mit Alkoholproblem, war in seinem bisherigen Leben kaum erfolgreicher. Die größte Hoffnung der Familie stellt Nam-ju (Bae Du-na) dar, eine professionelle Bogenschützin, der jedoch im entscheidenden Moment meist die Nerven versagen.

The Host

Die Figur des sympathischen Losers, der im Augenblick der Gefahr über sich hinauswächst, ist in der Filmgeschichte genauso wenig neu wie die Betonung des familiären Zusammenhalts in Zeiten der Gefahr. The Host jedoch schreibt diese stereotypen Elemente systematisch in der sozialen und kulturellen Wirklichkeit des gegenwärtigen Koreas fest. Dies geschieht vor allem durch eine Vielzahl kleiner, genau beobachteter Details aus dem Alltag der Figuren sowie durch die vielschichtige mediale Überformung, die den Handlungsaufbau prägt.

The Host ist in dieser Hinsicht wahrscheinlich einer der realistischsten Monsterfilme aller Zeiten. Gleichzeitig ist Bong Joon-hos Werk jedoch auch der erfolgreiche Versuch, die Struktur des Blockbusterformats nach Ostasien zu importieren. Während andere koreanische Großproduktionen der letzten Jahre wie das Kriegsdrama Brotherhood (Taegukgi hwinalrimyeo, 2004) in der Ausstellung ihrer eigenen technischen Brillanz erstarrten, setzt Bong Joon-ho seine Mittel um ein Vielfaches präziser ein.

Nicht nur die CGI-Effekte – die, wiewohl sehr ansehnlich, den Vorbildern im aktuellen amerikanischen Kino noch recht deutlich unterlegen sind – erinnern an Hollywooderfolge der letzten Jahre. Wie in Fluch der Karibik (Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl, 2003) und ähnlichen Produktionen ersetzt der Film die narrative Geschlossenheit des klassischen Erzählkinos zu weiten Teilen durch eine Abfolge heterogener Episoden, die sich vor allem durch ihre jeweils spezifische Affektlogik voneinander unterscheiden. Allerdings geht Bong Joon-ho mit diesem Format nicht nur weitaus reflektierter und intelligenter um als Brotherhood-Regisseur Kang Je-gyu, sondern auch als Gore Verbinski und der Großteil seiner Kollegen. Die hybride, sprunghafte Struktur erscheint als adäquates Abbild der koreanischen Lebenswelt. Dadurch wird The Host auf zwei Ebenen lesbar: Als vielfältige Auseinandersetzung mit sozialen und geopolitischen Fragestellungen ebenso wie als abwechslungsreiches, melodramatisches Actionabenteuer mit einem schleimigen, grünen Monster.

Trailer zu „The Host“


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Kommentare


oliver

leute, mich hat der film umgehauen. endlich ein wirklich einfallsreicher monster film mit grotesken situationen die das leben schreiben. genial. hier kann sich hollywood einige scheiben abschneiden.






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