The Hitcher – Kritik

Sean Bean beerbt Rutger Hauer als Autobahnserienkiller John Ryder. Dave Meyers Remake eines der besten Thriller der achtziger Jahre, hebt sich wohltuend von einem Großteil der Konkurrenz im gegenwärtigen Mainstreamkino ab.

The Hitcher

Seit einigen Jahren fertigt die von Blockbuster-Regisseur Michael Bay gegründete Produktionsfirma Platinum Dunes finanziell erfolgreiche Horrorfilme für ein Teenagerpublikum und spezialisiert sich dabei auf Remakes alter Genreklassiker wie Blutgericht in Texas (The Texas Chainsaw Massacre, 1974) oder The Amityville Horror (1979). Inszeniert werden die Streifen von einer Garde junger Regisseure, die Bay mit Vorliebe aus der Musikvideobranche rekrutiert. Auch Dave Meyers kann auf eine erfolgreiche Karriere im Clipformat zurückblicken, unter anderem arbeitete er für Missy Elliot, Nas und Britney Spears. Sein Debüt im Mainstreamfilm – 1999 führte er bei dem Independent-Gangsterstreifen Foolish Regie – ist ebenfalls ein Remake. Diesmal greift Platinum Dunes jedoch nicht auf einen Horrorfilmklassiker der siebziger Jahre zurück, sondern wechselt sowohl das Jahrzehnt als auch das Genre.

„Never Pick Up A Stranger“: Mit dieser Tagline wurde im Jahr 1986 Robert Harmonds Hitcher, der Highway-Killer (The Hitcher) beworben, der inzwischen längst Kultstatus erlangt hat. Der effektive und stimmungsvolle Thriller, welchem 2003 ein Direct-to-Video Sequel folgte (The Hitcher 2: I’ve Been Waiting), erzählte die Geschichte eines jungen Mannes, der auf der Autobahn einen Anhalter mitnimmt und von diesem scheinbar grundlos terrorisiert wird. Der Film verdeutlichte nicht nur die in den achtziger Jahren in der Gesellschaft weit verbreitete Paranoia, die bereits obiger Slogan enthält, darüber hinaus konnte die Figur des Hitchers, gespielt von einem grandios dämonischen Rutger Hauer, auf unterschiedlichste Weise gelesen werden, sei es als Projektion homoerotischer Fantasien der Hauptfigur, oder als Manifestation des amerikanischen kollektiven Unbewußten.

The Hitcher

Diese psychosexuellen Dimensionen gehen in Dave Meyers Remake bereits in der ersten Minute verloren. Jim Halsey (Zachary Knighton) holt seine Freundin Grace Andrews (Sophia Bush) im Sportwagen zum gemeinsamen Frühjahrsurlaub ab. Im Mittelpunkt der neuen Hitcher-Version steht kein Duell Mann gegen Mann, sondern der Kampf eines Pärchens gegen das Böse in Form von John Ryder (Sean Bean), dem es durch einen Trick gelingt, in das Auto der beiden College-Studenten zu gelangen.

Diese Konzeption, die auf einer Linie mit anderen Platinum Dunes-Produktionen liegt, sorgt nicht nur für konventionellere Identifikationsfiguren und ein strikt heterosexuelles libidinöses Prinzip, sondern verändert den Film auch in anderen Bereichen. Sean Bean etwa interpretiert seine Rolle deutlich anders als seinerzeit Rutger Hauer. Von Hauers dämonischem Auftreten ist wenig übriggeblieben, stattdessen verwandelt der martialische Bean sich im Laufe des Films in eine Ein-Mann-Armee, die es mit Dutzenden Polizisten auf einmal aufnimmt und in der Hitze des Gefechts sogar einen Hubschrauber mit einem Revolverschuss vom Himmel holt. In formaler Hinsicht dominieren kurze Einstellungen, vor allem die Spannungssequenzen werden fast ausschließlich in Großaufnahmen aufgelöst, die sowohl die Reaktionen Jims und Graces auf Ryder zeigen, als auch Interaktionen des Pärchens untereinander und den Film dadurch zusätzlich dynamisieren. Insgesamt ist Meyers Film weit weniger düster als das Original ausgefallen und ersetzt dessen unheimliche, fast übernatürliche Ätmosphäre vor allem durch Action.

The Hitcher

Wie alle Platinum Dunes Produktionen ist The Hitcher in technischer Hinsicht dem Genremittelmaß recht deutlich überlegen. In der Tat macht Meyers von allen Bay-Protegees bei seinem Mainstream-Debüt die beste Figur. Die Videoclip-Vergangenheit des Regisseurs ist seinem Film weniger deutlich anzumerken als etwa Marcus Nispels The Texas Chainsaw Massacre (2003). Meyers verzichtet auf allzu exzessive Stilisierung, setzt die filmischen Mittel äußerst ökonomisch ein und inszeniert einen erfrischend geradlinigen, spannungsreichen Thriller.

The Hitcher ist solides Handwerk, wie es in Hollywood leider selten geworden ist. Etwas überambitioniert sind lediglich die intertextuellen Verweise, die Meyers in seinem Streifen integriert. In der Dusche eines Motels zitiert der Film Hitchcocks Psycho (1960), gleich darauf läuft Die Vögel (Birds, 1963) im Fernsehen. Der Vergleich, den diese Einschübe nahe legen, kann für Meyers natürlich nicht allzu vorteilhaft ausfallen. Doch wie dem auch sei: Lässt man Hitchcock beiseite und vergisst man für 83 Minuten das Original, tritt ein überaus ansehnlicher Film zutage, der dazu angetan ist, wieder ein wenig Hoffnung für die Zukunft des amerikanischen Genrekinos zu wecken.

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Kommentare


ghostface87

Er will mit dir mitfahren...
Er will mit dir reden...
Er will vier kleine Wörter von dir höhren..."Ich möchte tot sein".


Jasmin Fleischer

BOAH...Der Film ist echt der absolute Hammer und nur zu empfehlen!!!Ganz zu schweigen von Sean Bean,der in dem Film nicht nur gut aussieht sondern auch eine hammertsgeile Rolle spielt!!!
GEIL


WilliSS

Der Film ist so Actionreich, ich muss ihn echt Loben. kurz Spannend gut und Blutig...






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