The Hills Have Eyes 2
Nur ein Jahr nach Alexandre Ajas Remake des Horrorfilms Hügel der blutigen Augen (The Hills Have Eyes, 1978) legt der deutsche Regisseur Martin Weisz mit dem zweiten Teil nach.

Das Wesen des Horrorfilms erfüllt sich in der Fortsetzung. Noch auf den mittelmäßigsten Genrebeitrag folgt in der Regel innerhalb kürzester Zeit ein Nachfolger mit der Seriennummer 2. Kaum eine Filmform bietet vergleichbare Planungssicherheit für die Studios. Die Fans des Originals sind eine sichere Einnahmequelle, die Atmosphäre sowie die wichtigsten Motive sind bereits eingeführt, am Markt erprobt und ohne Probleme wiederverwertbar – die Wirkungsmechanismen des Horrorfilms, und insbesondere der derzeit boomenden ultrabrutalen Splattervariante, sind nicht auf die Originalität des Erzählmaterials angewiesen, sondern befinden sich auf einer basaleren, körperlichen Ebene. Die Fortsetzung ist in diesem Sinne die Essenz des Splatterkinos: Da die Grundvoraussetzungen des Plots als bekannt vorausgesetzt werden können, lässt sich die notwendige Exposition auf ein Minimum reduzieren, und so beginnt das blutige Handwerk ohne unnötige Verzögerung.
Auch The Hills Have Eyes 2, der gerade einmal ein knappes Jahr nach dem von Alexandre Aja inszenierten ersten Teil, der seinerseits ein Remake eines Werkes Wes Cravens aus dem Jahr 1978 war, in den deutschen Kinos anläuft, macht bereits in der ersten Einstellung klar, wie sich die nächsten 89 Minuten gestalten werden. Zu sehen ist das schmerzverzerrte Gesicht einer Frau in Großaufnahme, der Mund zum Angstschrei geöffnet, die Haut mit verkrustetem Blut überzogen. Martin Weisz, wie viele seiner Kollegen im Genre gelernter Videoclipregisseur, legt gleich zu Beginn ein beeindruckendes Tempo vor, nach fünf Minuten sind bereits ebenso viele Leichen zu verzeichnen.

Im Anschluss an diese rasante Eröffnungssequenz, in welcher im Stile eines Teasers die kommenden Attraktionen des Films beworben werden, folgt eine etwas verwirrende Szene, die auf den ersten Blick im afghanischen Kandahar zu spielen scheint – zumindest verweist hierauf ein demoliertes Straßenschild. Amerikanische Soldaten bekämpfen in einer Wüstenstadt Guerillakrieger und treffen gar auf eine Selbstmordattentäterin. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass wir uns nach wie vor in den USA befinden. Das Szenario ist Teil eines Ausbildungsprogramms junger Nationalgardisten, die in der Hitze des amerikanischen Südens den Ernstfall proben.
Mit der, ebenfalls von Wes Craven im Jahr 1985 gedrehten und heute höchstens aufgrund ihrer unfreiwilligen Komik goutierbaren Fortsetzung des allerersten Hills-Films hat Weisz´ Version – bis auf den Titel – wenig gemeinsam. Der Horroraltmeister ließ es sich jedoch nicht nehmen, gemeinsam mit seinem Sohn Jonathan das Drehbuch für den zweiten Teil der Neuauflage seines Genreklassikers zu verfassen. Craven orientiert sich hier allerdings an anderen Vorbildern. Die Ausgangssituation erinnert an Walter Hills Die letzten Amerikaner (Southern Comfort, 1981), der in einem Sumpfgebiet in Louisiana spielt, wo junge Rekruten während eines Trainingseinsatzes die Bewohner der umliegenden Dörfer gegen sich aufbringen. In The Hills Have Eyes 2 findet sich jedoch keine Spur des kolonialistischen Diskurses, der Hills Werk zu einem der eindrücklichsten Filme über die amerikanische Außenpolitik im Allgemeinen und den Vietnam-Konflikt im Besonderen machte. Statt dessen legt Weisz´ Streifen, gerade durch den Bezug auf den Afghanistan-Konflikt, die reaktionäre Schlagseite des Großteils der neuen Horrorfilme offen. Wo in Die letzten Amerikaner die Soldaten in eine ihnen fremde Gemeinschaft eindringen und diese durch ihr arrogantes Verhalten gefährden, inszeniert The Hills Have Eyes 2 den genreüblichen Showdown zwischen heldenmütigen Soldaten – unter ihnen zwei Frauen – und verunstalteten, blutrünstigen Mutanten.

Nach der irritierenden „Kandahar“-Sequenz entwickeln Weisz´ Regie und Cravens Skript einen der geradlinigsten und stumpfsten Splatterfilme der letzten Jahre. Die jungen Nationalgardisten schlagen in einem abgelegenen Tal ihr Quartier auf und werden von einem Lichtsignal in die umliegenden Berge gelockt. Wer Teil 1, beziehungsweise einen der beiden älteren Filme kennt, weiss, wer sie dort erwartet. Bald verlagert sich die Auseinandersetzung in ein ausgedehntes Höhlensystem, wo sich sowohl die stilistisch gelungensten als auch die unangenehmsten – und wie bei fast allen Genrebeiträgen der letzten Zeit fallen diese beiden Kategorien meist zusammen – Abschnitte des selbst für Genreverhältnisse extrem blutigen Films finden. Die bis an die Zähne bewaffneten Jungmänner und -frauen sind den Bewohnern der Berge genauso hilflos ausgeliefert wie die arglosen Familien und Teenies in den drei Vorgängerfilmen.
Das klaustrophobische Setting erinnert hier weniger an Walter Hill, als an James Camerons epischen Actionklassiker Aliens – Die Rückkehr (Aliens, 1986), oder, um zwei dem handwerklichen Niveau der Produktion angemessenere Beispiele zu nennen, an die Computerspielverfilmung Doom und Neil Marshalls The Descent (2005). Wie die beiden letztgenannten Filme bietet auch The Hills Have Eyes 2 denjenigen, die sich mit den genretypischen Gratifikationen in ihrer Reinform, ungetrübt von komplexen Handlungssträngen oder ausgearbeiteten Charakteren, begnügen, solide Unterhaltung. Und der dritte Teil, darauf verweist das Schlussbild unmissverständlich, wird in nicht allzu ferner Zukunft folgen.
Filmkritik von Lukas Foerster
Veröffentlicht am 29.03.2007
Kommentare zu The Hills Have Eyes 2
Marilyn 03.04.2007 02:53
Hab THHE2 vor kurzem im Kino gesehen und fand ihn klasse. Teil 1 war natürlich etwas besser aber man kann beide Filme auch nicht miteinander vergleichen da sie total verschieden sind. Man sollte versuchen Teil 2 als eigenständigen Film anzusehen. Ich wurde jedenfalls bestens unterhalten. THHE2 wartet natürlich mit vielen Klischees und dummen Charakteren auf aber sein wir doch ganz ehrlich im Grunde ist das doch bei fast jedem Horrorfilm so. Mir hat THHE2 auf jeden Fall sehr gut gefallen und von der Härte her fand ich den viel brutaler als den ersten und die Mutanten fand ich auch viel besser als im 1.Teil.Besonders Chameleon und Hades.Die Vergewaltigung ist in diesem Film auch viel krasser.Der 3.Teil kann kommen!!
Horror?! 07.05.2007 21:45
The Hills HAve Eyes 2 ist übertrifft sich von Minute zu Minute an Horror und Ekel. Der Film ist ein Meisterwerk in seiner Story, den Schauspielern und der Effekte. Man muss lediglich hinzufügen, dass man in Filmen wirklich alles zeigen darf, nur nicht, wenn eine Frau vergewaltigt wird. So etwas ist unterstes Niveau. Geschmacklos.
christina 09.05.2007 18:20
ich finde horror-filme eig ganz gut, aber ich bin der meinung, dass diverse szenen einfach nicht gezeigt werden sollten. das mit der vergewaltigung geht einfach zu weit und hat auch nichts mehr mit entertainment zu tun, sondern ist einfach abscheulich und widerlich.ich verstehe auch nicht, wie eine person auf die idee kommen kann sowas noch zu zeigen, wo wir so schon genügend kranken menschen auf der welt haben, die sowas frauen antun!!!
christina 09.05.2007 18:21
ich finde horror-filme eig ganz gut, aber ich bin der meinung, dass diverse szenen einfach nicht gezeigt werden sollten. das mit der vergewaltigung geht einfach zu weit und hat auch nichts mehr mit entertainment zu tun, sondern ist einfach abscheulich und widerlich.ich verstehe auch nicht, wie eine person auf die idee kommen kann sowas noch zu zeigen, wo wir so schon genügend kranke menschen auf der welt haben, die sowas frauen antun!!!
oliver 31.05.2007 00:00
zu der kritik von christina und sandra: ich pflichte euch uneingeschränkt ein das eine vergewaltigung, egal ob das opfer mann oder frau ist, expliziet gezeigt in seiner form unnötig ist, womit ich aber viel mehr probleme habe ist, wenn in filmen kinder umgebracht werden. das schockt mich jedesmal am meisten und ich denke: wozu?
Apfelkuchen 11.07.2007 00:46
der 2 Teil von The Hills have Eyes war besser als Teil 1 weil er mehr Handlung hat.....
Apfelkuchen 11.07.2007 01:12
upps ich meinte:hatte :,)
Gezi 31.08.2007 19:44
Der Film ist nur blöd die Soldaten dumm wie Stroh! echt wer geht in Feindes gebiet wo die Gegner jederzeit aus Löchern kommen allein pissen!Einfach ein dummer Film!Vielleicht soll der Film ja auch nur aufzeigen wie dumm die Amerikaner sind!wenn das die Intention war, dann ist ihm das gelungen!
oliver 01.09.2007 23:41
soldaten sind immer dumm. sonst würden sie kein krieg machen. als horror film hat er mich gut unterhalten. 8 von 10 punkten.
Christian 02.08.2009 06:42
Ich finde diese Peseudomoralisten immer echt klasse. Mich hat das mit der Vergewaltigung auch geschockt, aber ich finde, dass das die ganze Geschichte wesentlich authentischer macht. Ja, auch mutierte Menschen sind Menschen und Menschen vergewaltigen. Ich finde es eher schlimm, schlimme Dinge zu verleugnen und damit zu suggerieren, dass es sie gar nicht gibt, als wenn eine fiktive Vergewaltigung in einem Horrorfilm gezeigt wird...
MissGaga28 05.02.2011 14:57
Horrorfilme im Allgemeinen haben doch nur selten logisch Inhalte...Natürlich sind die Soldaten naiv oder wie man das auch immer nennen kann...Wären sie es nicht, wie auch alle anderen Darsteller in anderen Horrorfilmen, gbe es keine Story. Und zum Thema Vergewaltigung...Geschmacklos sicherlich! Eine Axt im Kopf etwa nicht? Entweder man mag Horrorfilme, oder eben nicht.
Mr-Undercover 06.11.2011 17:34
Also Ich hand den Film genial und die Vergewaltigungsscene eher lahm. Was hat mann denn da groß gesehen was einen daran schokieren sollte??? Da hat mann selbst in TV Abendprogramm schon schlimmere VG scenen gesehen
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Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: The Hills Have Eyes 2
USA 2007
Laufzeit: 89 Minuten
Regie: Martin Weisz
Drehbuch: Wes Craven, Jonathan Craven
Produktion: Wes Craven, Peter Locke, Marianne Maddalena
Darsteller: Michael McMillian, Jessica Stroup, Daniella Alonso, Jacob Vargas, Lee Thompson Young
Kinostart: 29.03.2007
DVD-Angaben
Titel: The Hills Have Eyes 2
Vertrieb: 20th Century Fox
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 2.0/Stereo), Englisch (DD 2.0/Stereo)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: keine Jugendfreigabe
Spieldauer: 86 Minuten
Extras: Extras: 4 entfallene Szenen; Verpatzte Szenen; 4 Featurettes: Mutanten, Making Of, Leben nach der Filmschule mit Wes Craven, Die Geburt eines Comics
Verleih ab: 24.09.2007
Verkauf ab: 31.01.2008
Copyright The Hills Have Eyes 2
Fotos: © Fox
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
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