Flying Swords of Dragon Gate – Kritik

Ausweitung der Kampfzone. Tsui Harks jüngster Wuxia-Film setzt neue Maßstäbe im Umgang mit 3D.

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Inmitten einer weitläufigen Wüstenlandschaft steht das Wirtshaus am „Dragon Gate“. Zum Ende der Ming-Dynastie herrscht hier eine sehr eigenwillige Vorstellung von Gastfreundschaft. Als Neuling bekommt man „weißes Fleisch“ serviert, bei dem es sich um das Fleisch jener Besucher handelt, die sich nicht an die Regeln des Hauses halten und keine eigenen Essstäbchen mitbringen. Den rauen Sitten entsprechend verschlägt es hierhin vor allem die ganz Harten. Während sich ein bedrohlicher Sandsturm nähert, treffen verschiedene, sich gegenseitig wenig freundlich gesinnte Parteien zusammen: Eine mongolische Kriegertruppe mit ihrer Anführerin, einige Vertreter des „West-Büros“, die das Land in Angst und Schrecken versetzen sowie der Freiheitskämpfer Zhao Huai’an (Jet Li), der diesen endlich den Garaus machen möchte.

Flying Swords of Dragon Gate

Schon in zwei einflussreichen Wuxia-Filmen diente das „Dragon Gate“ als Kulisse. Einmal in King Hus Dragon Inn (Long men kezhan, 1967), dem Tsai Ming Liang in Goodbye Dragon Inn (Bu san, 2003) seinen Tribut zollt, und später noch einmal in dem von Tsui Hark geschriebenen und produzierten Remake New Dragon Gate Inn (Sun lung moon hak chan, 1992). Nun ist Tsui, der mit epischen Großproduktionen wie Once Upon a Time in China (Wong Fei Hung, 1991) zu den wichtigsten und einflussreichsten Genreregisseuren Hongkongs zählt, mit einem Sequel und dem Einsatz neuester Technologien zu dem berüchtigten Gasthaus zurückgekehrt.

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Flying Swords of Dragon Gate (Long men fei jia) ist ein aufwändig produziertes Spektakel, das ganz darauf angelegt ist, dem Zuschauer den Atem stocken zu lassen. Das gelingt ihm gerade mit seinem beeindruckenden Umgang mit 3D. Bereits der Vorspann, eine lange Kamerafahrt zwischen Schiffsmasten hindurch, sprengt gekonnt die räumliche Begrenzung der Leinwand. Dass Tsui Kampfszenen inszenieren kann, ist bekannt, doch gerade hier schafft die 3D-Technologie einen wirklichen Mehrwert. Fäuste, Schwerter und Wurfmesser werden in den Zuschauerraum geschleudert und  inmitten von ornamental durch die Luft fliegenden Ketten führen die Darsteller ihre tänzerisch ausgeführten Kampfbewegungen aus. Auffällig ist dabei vor allem die schwerelose Eleganz der körperlichen Auseinandersetzungen und die Materialität der immer wieder ins Publikum flatternden Kleider und Bänder.

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Zu seinem Helden hat der Film ein seltsames Verhältnis. War Jet Li etwa in Once Upon a Time in China noch Dreh- und Angelpunkt der Handlung, verschwindet er hier über den gesamten Mittelteil. Das ist unüblich, wirkt in der Logik des Films aber durchaus konsequent. Schließlich geht es Tsui diesmal offensichtlich weder um die dramatische Tiefe seines Protagonisten, noch darum, der rudimentären Liebesgeschichte Platz einzuräumen. Stattdessen folgt Aktion auf Aktion und Kampf auf Kampf. Dazwischen dienen Verwechslungen und Intrigen als Verbindungslinien, bis sich die Figuren zum Finale als Goldgräber in einer verlorenen Stadt wiederfinden. 

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Flying Swords of the Dragon Gate trägt seine technischen Möglichkeiten dabei stets stolz nach außen. Das ist mitunter atemberaubend anzusehen, doch besonders der erhöhte Einsatz von CGI-Effekten zeigt, dass nicht alles, was in der Postproduktion möglich ist, auch auf der Leinwand gut aussieht. Ein Duell, bei dem die Kämpfenden durch das Innere eines Sandsturms geschleudert werden, liest sich spannend, leidet in der Ausführung aber an seiner enormen Künstlichkeit. Auch erzählt hat der versierte Drehbuchautor Tsui schon einmal konzentrierter und spaltet die Handlung auf ein übervölkertes Figurenensemble auf. Wer sich aber davon überzeugen will, wie die 3D-Technologie einen Schwertkampffilm ästhetisch bereichern kann, der ist bei Flying Swords of Dragon Gate genau richtig.

Trailer zu „Flying Swords of Dragon Gate“


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