The Fighters

Ein Karate-Kid-Remake mit Fight-Club-Einsprengseln: Der junge Heißsporn Jack Tyler muss sich an seiner neuen Schule als Kämpfer bewähren und zugleich seine Aggressionen zügeln.

The Fighters

Früher konnte man mit einem Ortswechsel ein neues Leben anfangen. In der YouTube-Ära geht das nicht mehr so leicht: Dank eines einschlägigen Videos hat Jack (Sean Faris) an seiner neuen Schule in Florida schnell den Ruf als harter Kämpfer weg, dem er eigentlich entfliehen wollte. Zufällig ist dort Free Fight gerade das ganz große Ding, und der Champion, der reiche Schnösel Ryan (Cam Gigandet), verabreicht Jack vor versammelter Partygesellschaft ordentlich Dresche. Ein Kampfsport-Meister muss her und ist schnell gefunden (Djimon Hounso); der lehrt Jack Koordination und Disziplin und besteht zugleich darauf, dass er außerhalb der Sporthalle das Prügeln sein lässt.

The Fighters

Daraus wird nichts, denn der Film wiederholt immer wieder das gleiche Grundmuster: Jack will nicht kämpfen, aber die Umstände zwingen ihn dazu, und am Ende lohnt es sich dann doch. Bevor er aber reif ist für den Endkampf gegen Ryan, muss er noch lernen, die Wut zu zügeln, die seit dem Tod seines Vaters in ihm steckt, seinem kleinen Bruder (Wyatt Smith) ein Vorbild werden und sich mit seiner Mutter (Leslie Hope, in einer ähnlichen Rolle wie in der ersten 24-Staffel) versöhnen. Ryans Freundin Baja (Amber Heard) indessen, die zunächst ein falsches Spiel mit Jack getrieben hat, wechselt rechtzeitig die Fronten zwischen bad und good guy.

The Fighters

Ein Karate Kid-Remake ohne den Niedlichkeitsfaktor des Originals, dafür mit einem ordentlichen Schuss Fight Club: Damit ist schon sehr viel über The Fighters gesagt. Um den beiden anderen Filmen gerecht zu werden, muss man allerdings noch ein paar Punkte ergänzen. Bei beinah identischer Plotentwicklung hat The Fighters aus John G. Avildsens rührender kleiner Initiationsgeschichte ein hohles und vor Sentimentalität und Verlogenheit triefendes Männlichkeitsgetue gemacht. Und wenn sich der Film von Fight Club einiges abgeschaut hat, von der Inszenierung der Kämpfe bis zum Namen des Helden („Jack Tyler“), dann ohne das geringste von Finchers Meisterwerk verstanden zu haben. Von Krise der Männlichkeit keine Spur, hier wird jemand auf ganz klassischem Wege „zum Mann gemacht“: Das Leben ist Kampf, geschenkt wird dir nichts, aber mit Muskeln, Mut und dem Herz auf dem rechten Fleck wirst du es schon schaffen, Junge.

The Fighters

Da der Film aus dem Vierteljahrhundert (Film)geschichte, die seit Karate Kid vergangen ist, doch dies und das, wenn auch unreflektiert, mitgenommen hat, gibt es ein paar zumindest symptomatisch interessante Verschiebungen. Wie den Umstand, dass der Platz des weisen Lehrmeisters statt von einem Asiaten von einem Afroamerikaner besetzt ist. Oder dass sich der Held statt mit einer von einem Vietnamveteranen geführten Truppe Halbstarker nun mit einem aufgeblasenen Bonzenkind messen muss. Wer will, könnte den Film nach diesen und weiteren Spuren untersuchen, die unfreiwillig vielleicht einiges über das Selbstbild, die Sehnsüchte und die Wertvorstellungen junger weißer Amerikaner verraten.

The Fighters

Weit mehr als solche Fragen dürfte das Zielpublikum aber der Schauwert der Kämpfe interessieren. Nun, wenn denn mal gekämpft wird, dann kommt man hier schon auf seine Kosten. Insofern hätte der Film, eigentlich ein klassischer Fall für die direkte DVD-Verwertung, seinen Platz auf der großen Leinwand wohl verdient. Man sollte trotzdem lieber auf die DVD warten: Im Kino kann man zwischen den Kampfszenen nicht vorspulen, und was man dazwischen an Klischees und an Ideologie geboten bekommt, ist ziemlich schwer erträglich.

Trailer zu „The Fighters“


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Kommentare


Olli

naja, der Film ist nicht das "Gelbe-vom-Ei"...
...er ist nicht schlecht und vorallem das jüngere Publikum spricht er sicherlich an.
Aber genauso wie der Film, ist auch die Kritik.
Ganz ehrlich, so wie er hier runter gemacht wird ist absolut übertrieben.
Auch als Kritiker sollte man nicht jedem Vorurteil eines solchen Film folgen und eine Art Mainstream-Kritik verfassen.
Evt. nimmt es sich Herr Lahde zu Herzen.
Kritiker und Journalisten waren noch nie meine besten Freunde, die Gründe liegen auf der Hand.






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