The Eye

Französische Regisseure inszenieren das amerikanische Remake eines asiatischen Horrorfilms und landen dabei in Mexiko. Sieht so das neue Weltkino aus? Hoffentlich nicht...

The Eye

Seit ihrem sechsten Lebensjahr ist Sydney Wells blind. Und obwohl sie während den Konzerten den Dirigenten nicht sieht, hat sie es zur Starviolinistin gebracht. Ein Corneatransplantat soll ihr nun das Augenlicht zurück geben. Doch bereits kurz nach der Operation kommt der Verdacht auf, dass mehr durch Sydneys runderneuerte Augen dringt als nur die Lichtreflektionen der physikalischen Wirklichkeit. Anfangs glaubt sie den Ärzten, die beteuern, dass nach langer Blindheit zwangsläufig Probleme auftreten. Doch als die Halluzinationen zunehmend bizarrer und gewalttätiger werden, macht sie sich auf nach Mexiko. Denn von da stammt das Transplantat.

Hollywood als Resteverwerter: The Eye ist das Remake eines Films, der selbst nicht mehr war, als das größtenteils leblose Amalgam einer Reihe besserer und interessanterer Streifen. Der Film aus dem Jahr 2002, eine panasiatische Coproduktion unter dem Originaltitel Gin gwai bediente sich schamlos bei den japanischen Horrorerfolgen Ring (Ringu, 1998) und Ju-on (2000). Die Idee war originell, fast selbstreflexiv, und führt die übernatürliche Grundprämisse des Geisterfilms ad absurdum: Ich schaue die Geister mit Geisteraugen an. Viel anzufangen wusste der Film mit dieser Konstruktion allerdings nicht. Die beiden technisch ambitionierten Regisseure Oxide und Danny Pang versahen ihre enttäuschend wirre und inkonsequente Erzählung immerhin noch mit einigen atemberaubenden Kamerafahrten.

The Eye

Dem amerikanischen Remake fehlen selbst solche Spielereien. Verantwortlich für die Regie zeichnen die Franzosen David Moreau und Xavier Palud, die nach dem harschen europäischen Erstlingswerk Them (Ils, 2006) in ihrem Hollywooddebüt auf Nummer sicher gehen. The Eye übererfüllt die Geisterfilmklischees fast in Beamtenmanier. Die obligatorische Fahrstuhlszene, düstere Hotelkorridore, Kankenhaushorror: Alles vorhanden, aber präsentiert ohne den geringsten Mut zum Risiko.

Und dabei ist mit Jessica Alba sogar ein waschechter Star an Bord. Viel zu tun hat sie nach einigen aufwändigen Sequenzen in der Anfangsphase, die ihre zerrütteten Sinnesempfíndungen nachzustellen versuchen, nicht. Noch verschwenderischer geht der Film mit nahmhaften Nebendarstellern um: Parker Posey darf als Sydneys Schwester nur gelegentlich ein bisschen Mitgefühl zeigen, dann ist sie stets schnell wieder weg vom Fenster. Und selbst ein Rade Serbedzija hinterlässt nicht den geringsten bleibenden Eindruck in einem Film, dem ein wenig kroatische Vitalität gut zu Gesicht gestanden hätte.

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