The Exchange

Ein Mann weicht von seiner täglichen Routine ab und verändert dadurch sein ganzes Leben.

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Der Alltag des Physikers Oded (Rotem Keinan) lebt von der Wiederholung. Jeden Tag fährt der Mann mit dem Bus an die Uni, kommt immer zur gleichen Zeit nach Hause, spricht mit seiner Frau Tami (Sharon Tal) über den Tag, hat Sex mit ihr und schläft. Als er ungeplant früher nach Hause muss, um eine vergessene Mappe zu holen, wird die strikte Routine unterbrochen. Tami schläft, nichts ist zu hören außer dem leisen Brummen des Kühlschranks. Im ungewohnten Licht der Nachmittagssonne verändert sich Odeds Blick auf seine Wohnung, ja auf seine ganze Welt. Er beginnt nach Anomalien zu suchen, schiebt einen Serviettenhalter vom Tisch, der dumpf auf dem Teppich aufprallt, und lässt ihn liegen. Dabei wirkt Oded in The Exchange (Hahithalfut) wie ein Kind, das seine Grenzen erprobt. „Es war seltsam, irgendwie, als ob man krank von der Schule nach Hause kommt, und alles ist so anders“, sagt er später.

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Im Bus drückt er jetzt nicht mehr die Stopptaste wie sonst und steigt an einer anderen Haltestelle aus. Im Treppenhaus betrachtet er seinen Penis im Spiegel und wird dabei von seinem Nachbarn Yoav (Dov Navon) beobachtet. Bald stellen die beiden fest, dass sie einiges gemeinsam haben. Mit kindlicher Freude schreien sie Drohungen in leere Wohnungen hinein oder starren auf dem Boden liegend an die Decke. Die Alltagsfluchten wachsen bei Oded zu einer Manie heran, die immer mehr in sein normales Leben eindringt, von dem er sich zusehends entfremdet.

Odeds immer gleicher Alltag wird von Shai Goldmans Kamera mit langen statischen Einstellungen festgehalten, die einem viel Zeit lassen, das Gesicht des Protagonisten zu erkunden. Die Kamera und die Stille machen in The Exchange den Zuschauer selbst zum manischen Beobachter, zwingen ihn, in den Film hineinzulauschen. Diesem gelingt es so zunächst, unsere Aufmerksamkeit zu bündeln. Der Minimalismus, dem sich Regisseur Eran Kolirin verschreibt, schlägt sich auch in Kainans Spiel nieder, der Odeds Mimik nur kleinste Regungen gestattet.

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Der Kontrast aus Odeds unbewegter Miene – starrer Blick, den Mund leicht geöffnet, flach atmend – und seinem immer absurderen Handeln enthält viel komisches Potenzial, das sich aber im Verlauf des Filmes abnutzt. Denn während er sich innerlich wandelt, bleibt Oded äußerlich völlig unverändert. Auch die langen Aufnahmen der grauen israelischen Betonarchitektur ziehen sich durch den ganzen Film und unterstreichen seine gleichbleibende Grundstimmung. Dieses Konzept bietet zwar durchaus interessante Blickwinkel, die Statik von The Exchange erschwert es in ihrer 94-minütigen Gesamtheit aber deutlich, eine emotionale Verbindung zu den Figuren aufzubauen. Auch aus dem Umstand, dass sich Tami immer weiter von Oded entfernt, zieht der Film keine Konsequenz und belässt es bei einer seltsamen Gleichgültigkeit zwischen den beiden. Das kommt zumindest überraschend, schließlich war Kolirins Debut Die Band von Nebenan (Bikur Ha-Tizmoret, 2007) noch mit Pointen geradezu gespickt.

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Eran Kolirin versucht in The Exchange zu zeigen, was passiert, wenn man das hinterfragt, was man für die Normalität hält. Theoretisch könnte der Film ein Denkanstoß sein, so wie sein Protagonist mit dem Blickwinkel auf die eigene Welt zu experimentieren. Jedoch wachsen Odeds Teilnahmslosigkeit und die minimalistische Ästhetik im Verlauf von The Exchange zu einer Mauer heran, durch die der Film sich in seiner Wirkung auf den Zuschauer selbst Grenzen setzt.

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