The Equalizer

Torture Thrill im Baumarkt. Denzel Washington stellt sich als ehemaliger CIA-Agent mit präziser Brutalität der russischen Mafia entgegen.

Auditiver Objektreigen

The Equalizer 13

Ein Wecker, ein Rasierer, die U-Bahn. Es piept, es brummt, es quietscht und rauscht zu Beginn von The Equalizer, immer wieder schält das sehr präzise Sound Design aus dem stetigen Flow der Tonflächen Alltagsgeräusche heraus. Das Widerspiel zwischen dieser formal hervorgehobenen Prägnanz und der eigentlichen Unbedarftheit dieser Töne erzeugt eine ungreifbare, brüchige Spannung. Später, zum lang gedehnten Finale des Films, kurz bevor die erwähnten Tonflächen endlich maximal (rockig) vibrieren dürfen, sind es erneut derlei Geräusche, die den Suspense immer wieder in einen sehr konkreten Body Horror überführen. Ein Bohrer, ein Tacker, ein paar Meter Stacheldraht. Es knackt, es zischt, es flatscht. Die reichhaltige Objektwelt des Films ist nun endgültig in aller Blutigkeit umgewidmet: Wir befinden uns in einem Baumarkt bei Nacht, und nach und nach wird ein russischer Auftragskiller nach dem anderen abgeschlachtet. Die einzige Konstante in diesem auditiven Objektreigen ist die Stoppuhr am Handgelenk der Hauptfigur Robert McCall (Denzel Washington), dem Verantwortlichen für dieses Massaker. Mit ihr misst der Ex-CIA-Agent jede Handlungsabfolge zeitlich genau aus, seien es wie zu Beginn einfache Alltagstätigkeiten oder dann die auf den Punkt koordinierten Attacken und Verteidigungen, wenn The Equalizer nach circa zwanzig Minuten Fahrt aufnimmt und McCall im Beast-Modus angekommen ist.

Der Protagonist als Regisseur

The Equalizer 03

Die Figur McCall ist so nicht nur der eigentliche Drehbuchautor des Films, sondern führt auch Regie, denn: den Raum der Inszenierung beherrscht sie ohnehin. Handlung und Bild richten sich immer wieder an McCall aus; auch wenn er einmal (noch) nicht anwesend ist, wartet im Prinzip alles auf seinen Auftritt. Das erinnert oft an Nolans The Dark Knight (2008), wie überhaupt die ganze moralisch-ethische Konstellation – die im Namen des Guten legitimierte Brutalität, der Grenzgang zwischen Gesetzesapparat und dem anarchistischen Bösen – nahe an der zeitgenössischen Batman-Figur dran ist. Das eigentliche Referenzwerk ist allerdings eine hervorragende US-Fernsehserie gleichen Namens aus der zweiten Hälfte der 1980er Jahre, die in ihrer psychedelisch eindringlichen Art durchaus als das historische Gegenstück zu den slicken Welten von Miami Vice gefasst werden kann. In dieser kehrt McCall dem verhassten Agency-Apparat den Rücken und nimmt als eine Art Privatermittler sein eigenes Schicksal und das hilfloser Menschen selbst in die Hand (indem er, das als nette Randnotiz zur Medienentwicklung der letzten dreißig Jahre, Zeitungsinserate aufgibt: „Gotta problem? Odds against you? Call The Equalizer“). Regisseur Antoine Fuqua versucht durch einige eher überflüssige Nebenstränge, der Serialität Rechnung zu tragen, und modifiziert die Konstellation der Vorlage vor allem dahingehend, dass der McCall seines Films erst (wieder) zu diesem Rächer des Guten wird. Zunächst hat sich dieser nämlich von der Verbrecherjagd losgesagt – interessant dabei ist auch die unterschiedliche Rolle des Weiblichen in Serie und Film: dort als immer mal wieder drohendes Liebessubjekt, hier in Form der verstorbenen Ex-Frau als eine Art mahnendes Trauma.

Einer gegen alle

The Equalizer 14

McCall führt ein auffällig unauffällig inszeniertes Leben als Baumarkt-Mitarbeiter. Als er jedoch mit seiner gutmütigen Art einer misshandelten Prostituierten (Chloë Grace Moretz) zur Hilfe kommt, befindet er sich – schneller als es die korrupte Polizei erlaubt – mittendrin im Kampf gegen die Russenmafia. Diese scheint die ganzen Vereinigten Staaten zu beherrschen und beantwortet die punktuelle Präzision der Gewalt McCalls in Person des mächtigen Handlangers Teddy mit grober und ausladender Brutalität. Die großartige Selbstherrlichkeit und die von Fuqua bisweilen inszenatorisch gefeierte Körperlichkeit im Spiel von Marton Csokas lässt Washingtons Cop-Standardrepertoire (Training Day, 2001, Déjà Vu – Wettlauf gegen die Zeit, Inside Man, beide 2006) noch einmal schillern. Mit all seiner afroamerikanischen Coolness macht er aus McCall eine ganz andere Figur als der englische Serien-Hauptdarsteller Edward Woodward in seiner beherrschten, immer leicht hochnäsig wirkenden britischen Art. In ihrer Unnahbarkeit berühren sich beide aber dann doch wieder sehr stark, bekommen wir doch auch in Fuquas Film trotz unübersehbarer Reminiszenzen an das 80er-Action-Kino keinen klassischen Hard Body zu sehen. (Inwieweit die Serie unter diesem Aspekt gar als historisch synchroner Gegenentwurf zu eben jenem Kino gelesen werden kann, steht noch einmal auf einem anderen Blatt.) Gefeiert wird die Agilität, die minutiöse Vorbereitung und Durchführung – The Equalizer interessiert sich wohltuend wenig für Psychologien und Identitäten, sodass konsequenterweise auch bis zum Schluss die Frage im Raum stehen bleibt: Who are you?

Trailer zu „The Equalizer“


Trailer ansehen (2)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.