The East

Öko-Terror in der Mitte der Gesellschaft.

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Die Aktionen der Untergrundbewegung aus The East haben zweifellos Unterhaltungswert. Sie dienen als schlechtes Gewissen einer Gesellschaft, die sich und ihren Lebensraum selbst zugrunde richtet. Ihre Vorgehensweise ist dabei denkbar einfach: Was ihre Opfer der Menschheit oder dem Planeten angetan haben, soll ihnen selbst widerfahren. Ein Ölmagnat, der für eine gigantische Verschmutzung der Meere verantwortlich ist, muss die Folgen seiner Umweltsünde in den eigenen vier Wänden erleben, als sein Haus in dickflüssigem Öl gebadet wird. Noch bewegt sich die Gruppe damit auf einer Ebene, die mehr mit spaßigem Aktionismus als mit Terrorismus zu tun hat. Noch.

Zal Batmanglij hat offensichtlich ein Faible für ominöse Gruppierungen. Bereits sein Regiedebüt Sound of My Voice (2011) – der auch seine erste Zusammenarbeit mit Hauptdarstellerin und Drehbuch-Co-Autorin Brit Marling markiert – handelte von einer Sekte, deren Führer behauptete, aus der Zukunft zu stammen. Da sind die Figuren aus seinem neuen Film doch um einiges bodenständiger. Langhaarig und in brauntonige Klamotten gesteckt, sehen sie so aus, wie man sich linke Weltverbesserer vorstellt. Dazu hausen sie an einem geheimen Ort im Wald, ernähren sich von den Abfällen der Anderen und planen, wie man die herrschende Weltordnung ins Wanken bringen kann. Sarah (Marling) kommt dagegen von der anderen Seite. Sie lebt mit ihrem gutgläubigen Mann in einer harmonischen, aber etwas spießigen Partnerschaft und arbeitet für eine private Organisation, die die Interessen von mächtigen Industriellen vertritt. Als Schläfer wird sie schließlich in die anarchistische Vereinigung eingeschleust, um deren Mitglieder zu entlarven.

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Eher grob als nuanciert, aber einem Film, der von seiner soliden Thriller-Dynamik lebt, durchaus angemessen, wird Sarahs Initiation vor allem zu einer Konfrontation mit dem Verdrängten, sowohl auf politischer wie persönlicher Ebene. Dabei sticht schnell die unverhohlene Sympathie, mit der The East der Gruppierung gegenübersteht, ins Auge. Ohne das bei einem Film, der mehr unterhalten als reflektieren will, überzubewerten, ist es auch im Indie-Mainstream keine Selbstverständlichkeit, sich auf die Seite einer doch recht extremen Ideologie zu schlagen. Öko-Beau Benji ist eben kein diktatorischer Demagoge, der seine Schäfchen mit strenger Hand regiert, sondern eine ausgeglichene und sanfte Autorität im Hintergrund. Ohnehin bleibt die politische Gesinnung der betont heterogen inszenierten Vereinigung – in der es nicht nur eine Hautfarbe, Gewichtsklasse oder sexuelle Orientierung gibt – nicht das einzige Definitionsmerkmal. Für die notorisch unlockere Sarah dient sie auch als sinnlicher Familienersatz. Ihre innere Wandlung geht mit einem sexuellen Begehren einher und gipfelt in einem religiös-erotischen Baderitual. Und wer könnte schon einer Revolution widerstehen, die durch das ehemalige Model Alexander Skarsgård verkörpert wird?

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Auf die Seite der Gruppierung bringt Batmanglij seine Protagonistin, und damit auch das Publikum, vor allem über die universelle, aber auch manipulative Kraft von Gefühlen. Hinter dem Idealismus steht immer auch ein individuelles Schicksal, das als Antrieb dient. Wenn etwa die führenden Köpfe eines Pharmakonzerns attackiert werden, dann in erster Linie deshalb, weil ihre gefährlichen Medikamente der Schwester eines Mitglieds das Leben gekostet haben. Auf emotionaler Ebene sind Handlungen und Motive der Figuren durchaus einleuchtend. Gerade Sarahs innere Zerrissenheit verleiht dem Film eine effektive Grundspannung. Kleinere Erzählstränge wirken dagegen häufig psychologisch überfüttert. Hoffnungslos übers Ziel hinaus schießt The East etwa, wenn er den Konflikt zwischen der radikalen Izzy (Ellen Page) und ihrem wirtschaftlich gewissenlosen Vater zur griechischen Tragödie vor Kraftwerkkulisse aufbläht.

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The East ist ein Genrefilm, den man inhaltlich nicht zu sehr ernst nehmen sollte. Gerade weil er seine Qualitäten, die er sich mit Sarahs Identitätskrise verdient, gegen Ende wieder ein bisschen verspielt. Der Film profitiert davon, sich an die Regeln herkömmlicher Dramaturgie zu halten, verärgert aber auch, weil er sich ihnen letztlich um jeden Preis beugt. Für die Wirkung eines Wendepunkts verrät er da schon mal seine Figuren und lässt den charismatischen Rudelführer, den er zuvor noch so differenziert gezeichnet hat, im Schnelldurchlauf zum Fanatiker mutieren. Aber The East ist eben mehr Thriller als Manifest. So ist es auch nicht unbedingt dem Mut des Regisseurs zuzuschreiben, dass er die Faszination für eine politisch radikale Gruppierung nachvollziehbar macht, sondern eher ein Anzeichen dafür, dass ökologisches Bewusstsein längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

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