The Door in the Floor - Tür der Versuchung

The Door in the Floor ist die inzwischen fünfte Verfilmung eines John Irving Romans. Es ist die Geschichte eines Ehepaares (Jeff Bridges, Kim Basinger), das in seiner Trauer um den Verlust der Söhne gefangen ist. Als ein junger Student bei ihnen den Sommer verbringt, brechen die Wunden wieder auf. Regisseur Tod Williams verlässt sich in seinem zweiten Film zu Recht auf seine hervorragenden Darsteller, sein Film vermag dennoch nicht wirklich zu fesseln.

The Door in the Floor

Die Verfilmungen des amerikanischen Erfolgsschriftstellers John Irving sind großes Schauspielerkino. Es sind eigentlich ernste, realistische Geschichten, doch gewürzt mit einer Prise Phantasie und Humor, geben sie den Darstellern die Möglichkeit, ihr ganzes Können unter Beweis zu stellen. So erhielt im Jahr 2000 der Brite Michael Caine einen Oscar für seine Leistung in Lasse Hallströms Verfilmung von The Cider House Rules (Gottes Werk und Teufels Beitrag, 1999).

Auch The Door in the Floor (The Door in the Floor - Tür der Veruchung), der nur auf einem Drittel des Irvingschen Romans Widow for One Year (Witwe für ein Jahr) basiert, ist ein Film, der sich auf die Kunst seiner Darsteller verlässt. Er vereint ein interessantes Ensemble, allen voran die beiden Hauptdarsteller Kim Basinger und Jeff Bridges. Basinger spielt die schöne, aber unnahbare Marion Cole, Bridges ihren schriftstellernden, sie ständig betrügenden Mann Ted. Sie haben ihre Söhne vor einigen Jahren bei einem Autounfall verloren und diesen Verlust nicht verarbeiten können. Also beschlossen sie, neu anzufangen. Sie zogen nach Long Island, wo dann Ruth (Elle Fanning), die inzwischen fünfjährige Tochter und eigentliche Hauptfigur des Romans, geboren wurde: “A new life. A new child.” Aber ihre Hoffnungen erfüllten sich nicht: Marion geht maschinengleich ihren Pflichten als Mutter nach, Ted gibt sich seinen diversen Leidenschaften hin. Sie leben nebeneinander und versuchen dabei möglichst wenig Geräusche von sich zu geben: “A sound like someone trying not to make a sound.” Über den Unfall wird nicht gesprochen, stattdessen hängen die Wände des Hauses voller Photos der verstorbenen Jungen. Die Zeit scheint stehen geblieben. In diese Familiensituation platzt der junge Eddie O’Hare (Jon Foster), der über den Sommer als Praktikant für Ted arbeiten soll. Eddie geht auf dieselbe Schule wie die beiden Söhne, ist im gleichen Alter wie einer der beiden zum Zeitpunkt seines Todes und sieht sogar aus wie der Jüngere. Seine Ankunft reißt Marion aus ihrer Lethargie und bringt deshalb eine ganze Lawine an Emotionen ins Rollen.

The Door in the Floor

Regisseur Tod Williams, der für seinen zweiten Kinofilm auch wieder das Drehbuch schrieb, vertraut hier zu Recht seinen Schauspielern. Kim Basinger schafft es, ihre Figur glaubhaft wirken zu lassen und ihrem Leiden Tiefe zu geben. Ihre Marion Cole steht dabei im schroffen Gegensatz zu der Trailer-Park Mutter, die sie in Curtis Hansons 8 Mile (2002) gespielt hat. Ihr zur Seite steht Jeff Bridges, der eine äußerst charmante Variante eines seine Ehefrau betrügenden Trinkers gibt. Jedoch ist dieser Charme nur oberflächlich und Bridges lässt erahnen, dass unter all dieser Lockerheit ein unzufriedener, in seinem Leben gefangener Mann mittleren Alters steckt, der sich die Rolle des Künstlers angeeignet hat, ohne wirklich einer zu sein. Eigentlich ist er nur ein mehr oder weniger erfolgreicher Kinderbuchautor. Jon Foster spielt Eddie mit den großen Augen eines Sechzehnjährigen, dem man den Reifeprozess, den er während seines Aufenthalts bei den Coles durchmacht, durchaus abnimmt.

The Door in the floor besticht durch harmonische Bilder, die Kameramann Terry Stacey für die Geschichte fand. “Diese Leute verfügen über alle Zutaten, die ein glückliches Leben möglich machen. Deshalb wollten wir dem düsteren Inhalt der Geschichte üppige, schöne Bilder und Klänge gegenüberstellen.” erklärt Regisseur Williams den Gegensatz zwischen dem emotionalen Drama der Protagonisten und der Schönheit der Bilder. Leider lassen einen die geschmackvolle Inneneinrichtung und die prächtige Kulisse manchmal vergessen, dass der Film eigentlich die tragische Geschichte einer auseinander brechenden Familie erzählt. So vermag The Door in the Floor, anders als Lasse Hallströms Verfilmung von The Cider House Rules, nicht wirklich zu fesseln und auch die Figuren bleiben einem trotz der sehr guten schauspielerischen Leistungen seltsam fremd.

 

Kommentare


Martin Z.

Ohne den Titel des Originals „Die Tür im Fußboden“ versteht man die letzte Einstellung nicht. Damit wird der Symbolik aber mehr als ausreichend Tribut gezollt. Der Film stellt nur einen Teil des Romans von John Irving „Witwe für ein Jahr“ dar und muss folglich stark vereinfachen. Es zieht sich aber alles ganz schön in die Länge und man fragt sich nach dem Kern: Unglücklich Verheiratete (Kim Basinger) verführt College Boy - also eine Dreiecksgeschichte oder wie verarbeiten die beiden Eltern jeweils ein traumatisches Ereignis? Es sieht so aus als würde beides mit einander zusammenhängen. Zumindest kann man bei genauerem Hinsehen und mit viel Fantasie die unterschiedliche Trauerarbeit in einer kaputten Ehe ausmachen. Jeff Bridges - „eingebildet wie ein undichtes Kondom“(John Irving) gibt als Ehemann den egozentrischen Künstler. Auch die unfreiwillige Komik in der zweiten Hälfte, kann das Gähnen nicht verhindern. Der Versuch der tiefenpsychologischen Durchleuchtung ist nicht ganz geglückt.






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