The Divide

Von Folter und Selbstaufgabe. Die Grundelemente der Zerstörung stehen im Mittelpunkt des unmittelbarsten Katastrophenfilms seit Langem.

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Für Xavier Gens, den Regisseur des überaus gelungenen Frontier(s) (Frontière(s), 2007) und des umso überflüssigeren Hitman – Jeder stirbt allein (Hitman, 2007), könnte sich sein jüngstes Werk als das vielleicht wichtigste seiner Karriere erweisen – ungeahnt dessen, was noch kommen wird. Nach der traurigen Computerspielverfilmung vor vier Jahren hätte man ihn durchaus an den CGI-behangenen Kommerz verloren geben können. Da erfreut es umso mehr, dass The Divide überraschend nüchtern, in Schauspiel und Atmosphäre hinreißend inszeniert ist.

Der Film beginnt mit dem großen Knall. Eine riesige Explosion visualisiert das Ende der Menschheit; ihre Reflexion in dem entsetzten Angesicht einer jungen Frau kann als Reminiszenz zum „reflecting eye“ aus der Eröffnungssequenz von Ridley Scotts Blade Runner (1982) gelesen werden. Diesen aparten ersten Eindrücken folgt ein nicht minder überraschendes Sturmgewitter aus Panik und Verzweiflung. Und schon wird klar, worauf der bezeichnende Titel hinauswill: die Trennungslinie zwischen den Menschen.

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Auf die überzeugende Exposition folgt die absolute Isolation. Der Film spielt fortan (fast) die gesamte Länge in den dunklen Mauern eines Strahlenschutzbunkers, in den sich ein kleiner Haufen Überlebender retten konnte. Die Protagonisten (u.a. verkörpert von Michael Eklund, Lauren German und Milo Ventimiglia) sehen sich der unerbittlichen Tatsache ausgesetzt, wahrscheinlich nie wieder das Tageslicht zu erblicken und in dem Bunker elend zu verrecken. Das Zeitgefühl wird mehr und mehr verzerrt, und bald verlieren die ersten Insassen ihr klares Bewusstsein. Die verstörende Ausweglosigkeit bringt sie dazu, ihresgleichen zu verdächtigen, gegeneinander aufzuhetzen und zu vergewaltigen – das menschliche Verhalten sinkt unter das eines Raubtiers.

Diese desaströse Gratwanderung des menschlichen Instinkts wird in The Divide zunächst subtil, darauf mit immer eruptiveren Gefühlsmechanismen der Protagonisten an den Zuschauer herangetragen. Fast alle Figuren fallen vollständig aus ihrem anfänglich funktionierenden Schema und kommen in neuen Terrorgestalten zum Vorschein, deren Handlungsmuster bald nicht mehr nachvollziehbar sind. Nicht nur in dieser Hinsicht verweist der Film mehrmals auf das Post-9/11-Syndrom, nach dem Geschichten nie mehr ohne Brüche erzählt werden können.

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Der Anführer der Truppe wird von Michael Biehn verkörpert, der in seinen Rollen aus James Camerons Blockbustern Terminator (1984) und The Abyss (1989) sowie Robert Rodriguez’ Grindhouse-Beitrag Planet Terror (2008) zum Inbegriff des apokalyptischen Ritters charakterisiert wurde. Neben diesem spezifischen Type-Casting schafft The Divide eine eigene, visionäre Leistung, die das stereotype filmische Weltuntergangs-Szenario aufbricht und um essenzielle Dimensionen erweitert. Während beispielsweise die Filme von Roland Emmerich vor allem auf lauten Bombast und oftmals unglaubwürdige Naturgewalten setzen, funktioniert The Divide als beängstigendes Kammerspiel, das alle Beteiligten an ihre Grenzen bringt und die Katastrophe des Menschlichen zum Vorschein bringt.

The Divide stellt den womöglich stärksten Beitrag der das diesjährige Fantasy Filmfest dominierenden Doomsday-Filme dar. Neben Werken wie 22nd of May (22 Mei, 2010) und Tim Fehlbaums Hell (2011) überzeugt Xavier Gens Film vor allem in seiner Entschlossenheit, die vollständige Isolation und die daraus resultierende Verwahrlosung der Menschen zu zeigen. Der Mensch ist zur Zerstörung verdammt – aus dieser These schöpft The Divide seine bedrückende und furchterregende Faszination. 

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