The Devil's Double

Aus einem historischen Stoff, der Geschichte um Saddam Husseins sadistischen Sohn Udai und seinen Doppelgänger, macht Lee Tamahori einen schmierigen Exploitationfilm.

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The Devil’s Double erzählt die Geschichte von Latif Yahia, Doppelgänger des als Sadisten und Mörder berüchtigten Udai Hussein. Nach Udais Tod trat Yahia an die Öffentlichkeit, war Gast in zahlreichen Talkshows und verfasste ein Buch mit dem werbewirksamen Titel „Ich war Saddams Sohn“. Lee Tamahori (Die letzte Kriegerin, 1994, Next, 2007) hat aus diesem Stoff einen Film gemacht, der sich – wohlwollend ausgedrückt – auf ungewohnte Weise mit dem Irakkrieg auseinandersetzt. Statt sich um Authentizität zu bemühen oder einen emotionalen Zugang zu wählen, hat er ganz einfach ein reißerisches Schurkenstück gedreht, der aus einer Aneinanderreihung von Schauwerten besteht.

Es ist besonders das dekadente, ausschweifende Leben des „schwarzen Prinzen“, an dem sich der Film interessiert zeigt, seine Sexbesessenheit – die er mal an Prostituierten, mal an minderjährigen Schuldmädchen auslebt –, sein Sadismus – von dem man sich in zahlreichen Folterszenen überzeugen kann – und die sexuellen Reize seiner Darstellerinnen. Es bleibt ein Rätsel, warum sich etwa die französische Schauspielerin Ludivine Sagnier für die eindimensionale Rolle des Diktatoren-Flittchens Sarrab hergegeben hat, das noch am ehesten durch seine ständig wechselnde Garderobe Kontur bekommt. Die Figur des Latif ist nicht wesentlich differenzierter angelegt. Seine Funktion besteht lediglich darin, das schlechte Gewissen inmitten einer Welt voller Maßlosigkeit und Brutalität zu sein. Lange wehrt er sich gegen seine Rolle als Doppelgänger, erst als mit der Ermordung seiner Familie gedroht wird, gibt er nach.

Der eigentliche Mittelpunkt des Films ist Udai. Dominic Cooper spielt den Diktatorensohn und sein moralisch integeres Ebenbild in einer Doppelrolle. Während er als Latif die meiste Zeit ausdruckslos dreinblickt, darf er sich als Udai richtig austoben. Letztlich ist der gesamte Filme die One-Man-Show eines unberechenbaren, ständig zugekoksten Psychopathen. Tamahori gibt sich nicht damit zufrieden, Udai als Unmenschen darzustellen, er stilisiert ihn zur totalen Witzfigur: Ein mit Fistelstimme und Hasenzähnchen ausgestatteter Choleriker, der nur unter Anwendung von Gewalt in der Lage ist, Sex zu haben, und von Komplexen geplagt wird – es wird mehrmals darauf hingewiesen, dass er weniger in der Hose hat als Latif.

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Hätte es Tamahori dabei belassen, eine überdrehte Farce zu inszenieren, wäre The Devil’s Double sicher gelungener ausgefallen. Doch der Film schreckt auch vor dem Einsatz von Archivmaterial nicht zurück und bezieht sich so unweigerlich auf den realen Krieg. Wenn Nachrichtenbilder von Schusswechseln und Leichenbergen zu Montagesequenzen kombiniert und mit rührseliger Musik untermalt werden, hinterlässt das im Rahmen eines ansonsten wenig ernst zu nehmenden Films einen schalen Beigeschmack. Schließlich lässt The Devil’s Double auch noch dramaturgisch zu wünschen übrig und zaubert selbst in den letzten zehn Minuten noch eine alberne Wendung aus dem Hut. Da will man Tamahori dann nicht mal mehr die Dreistigkeit anrechnen, mit der er sich auf einen historischen Stoff stürzt.

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