The Contract

Vater, Sohn und ein gemeingefährlicher Verbrecher schlagen sich durch die Wildnis, gejagt von einer Gruppe Killer und dem FBI. In der schematischen Geschichte fällt vor allem Morgan Freeman als kaum glaubhafte Fehlbesetzung auf.

The Contract

Es ist die alte Geschichte vom Jedermann, der in großer Gefahr über sich hinauswächst. Schon für Hitchcock war das ein Lieblingstopos (Der unsichtbare Dritte, North by Northwest, 1959), und Cary Grant stellt so etwas wie die Urform dieses Heldentyps dar. Entscheidend dabei ist im Grunde vor allem eins: die Unausweichlichkeit des Konflikts. Das heißt, der Held hat keine Möglichkeit, zu entkommen - er muss sich stellen. Etwa so wie der von Grant dargestellte Werbefachmann Roger Thornhill in Hitchcocks Film, der mit einem Agenten verwechselt wird und ohne sein Zutun immer tiefer in den Strudel der Ereignisse gerät. Und der die Gefahr mit Dilettantismus und mit Glück übersteht, keineswegs mit aus dem Nichts auftauchender Geschicklichkeit. Wäre die Gefahr nicht unausweichlich, würde der Zuschauer sich fragen, wieso der Held nicht einfach nach Hause geht.

The Contract

In The Contract spielt John Cusack den Lehrer Ray, der bei einer ausgedehnten Wandertour mit seinem Sohn Chris (Jamie Anderson) auf den Schwerverbrecher Carden (Morgan Freeman) trifft. Carden, in Handschellen und auf der Flucht, macht Ray deutlich, dass seine Kumpane ihn bereits suchen, über schwere Waffen verfügen, brutal und rücksichtslos sind und ihn sicher bald gefunden haben werden. Und dass er, Ray, sich besser aus der Sache heraushalten solle. An diesem Punkt könnte Ray einfach umkehren - aber nein, er bringt sich (und seinen minderjährigen Sohn!) in allerhöchste Gefahr, indem er beschließt, den Verbrecher eigenhändig durch die Wildnis bis zur nächsten Polizeistation zu bringen. Als Erklärung für dieses Verhalten wird beiläufig seine Halsstarrigkeit erwähnt und die Tatsache, dass er früher einmal Polizist war. Beides sind Behauptungen, für die es im Film sonst keinerlei Entsprechung gibt - sieht man einmal von einer Standpauke ab, die Ray seinem Sohn zu Beginn des Films hält, aus Anlass von dessen Haschischkonsum.

The Contract

So sind die Prämissen des Thrillers im Drehbuch arg unglücklich skizziert, und die Inszenierung von Regisseur Bruce Beresford fügt sich nahtlos in diese B-Picture-Anmutung ein. Vom Paukenschlag im Score, der ertönt, als während des Vorspanns der Filmtitel erscheint, bis zu der Tatsache, dass Ray in der Wildnis keinen Handyempfang hat, die Bösewichter aber mit einem Laptop und Internetzugriff hinter ihm her sind, steckt der Film voller vordergründiger Effekte und Ungereimtheiten. Und redundanter Dialoge: „Seine Habgier wird stärker sein als seine Bedenken.“ - „Das heißt, er will auf jeden Fall sein Geld, richtig?“ - „Ja, richtig.“

Man muss dem erfahrenen Regisseur Beresford, zu dessen Werk so unterschiedliche Filme wie Miss Daisy und ihr Chauffeur (Driving Miss Daisy, 1989, ebenfalls mit Morgan Freeman) und Stummer Schrei (Silent Fall, 1994) gehören, allerdings zugute halten, dass er die Künstlichkeit seines Films nicht im Geringsten zu kaschieren versucht, ja sogar noch betont. In einer Kamerafahrt aus einem Krankenzimmer schwebt der Blick über die Wände hinüber in den Flur, als wollte der Regisseur sagen: Seht her, alles nur eine Kulisse aus Pappmaché. Und The Contract wirkt, bei dieser Betrachtung, wie eine spielerische Anhäufung von Actionfilm-Klischees, zu denen auch der in tausend Variationen gesehene Gegensatz von Stadt und Land gehört. Wenn das FBI bei der Jagd nach Carden das Kommando übernimmt und zwei zuvor wichtigtuerische Provinzpolizisten wie Deppen dastehen lässt, entstehen immerhin einige liebenswerte Laurel-und-Hardy-Momente.

The Contract

Wie Brian de Palmas Black Dahlia (2006) ist auch The Contract zum gößten Teil in Bulgarien gedreht, anders als jener sieht man ihm an, dass das vor allem aus Kostengründen geschah. Die wohl als Clou des Films gedachte Besetzung Morgan Freemans als brutalen Bösewicht funktioniert leider überhaupt nicht, weil Freeman sogar diesem Kerl, der in einer Szene einen Mann beiläufig vor ein Auto stößt, seine schon zum Klischee geronnene Seriosität und Altersweisheit mitgibt. Bevor Freeman zum Inbegriff des guten Schwarzen wurde, konnte er das besser. Seine Rolle als Zuhälter in Glitzernder Asphalt (Street Smart) brachte ihm 1987 seine erste Oscarnominierung ein. The Contract dürfte durchaus Chancen auf eine goldene Himbeere haben.

Kommentare


critic.de Tester

Morgan Freeman der Mann für alles mal wieder ...

Der Film kurz gesagt durchweg schwach und nicht glaubhaft.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.