The Company You Keep – Kritik

Keine Angst vorm Expliziten! Robert Redford täuscht einen Politthriller vor, um seine Laufbahn als Aktivist fortzuführen.

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„We’re just a story told to children.“ – „I’m glad someone’s still telling it.“ Die Idee, einen Film über die amerikanische Ultralinke der 1970er Jahre zu drehen, hatte Robert Redford bereits zu der Zeit. In The Company You Keep liegen die Ereignisse von damals dreißig Jahre zurück. Vordergründig bemüht sich der Regisseur nun, zugleich einen Politthriller in der Jetztzeit zu inszenieren – samt genrebedingter Dringlichkeit – und in der Rückschau die damaligen Motive der extremistischen Gruppierung in den Fokus zu rücken. Tatsächlich lässt der Film keine Gelegenheit aus, die Vermittlungsarbeit anzustoßen, die Hintergründe der einstigen Radikalisierung zu beleuchten und zu diskutieren. Ob des diskursiven Ansatzes überrascht es nicht, dass das Filmprojekt eine literarische Vorlage hatte: Lem Dobbs, der erst kürzlich Steven Soderbergh das Drehbuch für den beeindruckend konzentrierten Actionfilm Haywire (2011) lieferte, hat für Redford den gleichnamigen Roman (2003) von Neil Gordon adaptiert. Im Gegensatz zum Soderbergh aber setzt Redfords fertiger Film nicht auf Action, Suspense oder Kämpfe, sondern auf Konversation, Recherche und Wissensdurst. Der Gegensatz zwischen einem sich filmisch herausfordernden und einem von der Botschaft eingenommenen Regisseur könnte innerhalb der Hollywood-Ränder kaum größer sein. Besser also sich gleich darauf einstellen, zum Beispiel durch die Erinnerung an Redfords Politthriller/Thesenfilm Von Löwen und Lämmern (Lions for Lambs, 2007).

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The Company You Keep dockt in politischer Hinsicht nahtlos an den Vorgänger im Geiste an. Eine durch den Vietnamkrieg politisierte Generation blickt auf die Gegenwart ihres Landes, das erneut entzweit ist. Hier wie dort sucht Redford einen dritten Weg, indem er sich widersprechende Positionen mit aufrichtiger Offenheit anhört, ohne einen Hehl aus seinen Sympathien für die Rebellen/Verbrecher von einst zu machen. Mit einem allwissenden Blick folgt er ehemaligen Kämpfern (Redford, Susan Sarandon, Julie Christie, Richard Jenkins …), einem aufstrebenden Reporter (Shia LaBeouf) und dem FBI (Terrence Howard, Anna Kendrick). Als sich Jim Grant (Redford), gesucht für einen Raubüberfall der damaligen „Weather Underground Organization“, auf die Flucht begibt, weil ihn der junge Lokalreporter enttarnt hat, gibt dann aber doch recht schnell die journalistische Arbeit den Ton und auch die Struktur des Films vor: Es ist die naheliegende Option, um aus der Dichotomie Flüchtling/Jäger auszubrechen, die Suche nach der Wahrheit statt der Suche nach dem Schuldigen. Obwohl auch die Gegenüberstellung von Gesetzeshüter und -brecher einige Brisanz geboten hätte, wenn man etwa zurückdenkt an die unlauteren FBI-Ermittlungsmethoden (Stichwort: Counter Intelligence Program), die gerade im ultralinken Umfeld damals zunächst für Verhaftungen und dann für Freisprüche sorgten.

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Widersprüche in der Logik des Staatsapparates und seiner Exekutiven aber streift Redford lediglich, ihm geht es mehr um abstrakte (Reichtum/Armut) und allgemeine (Gewalt als Mittel der Revolte) oder aber historische (Wehrpflicht) Probleme. Überhaupt verharmlost er eher die Schuldfrage auf beiden Seiten, indem er sie auf die Dialogebene verbannt, als dass er sie dramatisieren würde. Wenn die Gespräche nicht so unspezifisch gehalten wären und trocken daherkämen, müsste man sie genau für das Unsensationalistische loben. Auf die Dysfunktionen in den USA des 21. Jahrhunderts spielt Redford vor allem mit der egogetriebenen Figur des Reporters an, der zwar selbst Opfer der Zeitungskrise ist und gegen einen leicht resignierten Chef aufbegehren muss, dann aber wiederum vom süffisanten Altlinken Jim Grant im Nullkommanichts zurechtgewiesen wird, als er keine Antwort darauf hat, was er da eigentlich genau recherchiere: „That’s why journalism is pretty much dead.“

Den naiven, immer etwas überforderten Schwiegersohn in spe hat Redford mit LaBeouf ganz treffend besetzt. Den „Lead“, also die führende Rolle, vermag er nur nicht mit ausreichend Komplexität zu füllen. Er ist die offensichtliche Achillesferse eines ansonsten soliden, aber weitgehend unterforderten Ensembles, das im Verhältnis zu den zwei Duos Meryl Streep/Tom Cruise und Andrew Garfield/Robert Redford in Von Löwen und Lämmern deutlich abfällt.

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Ein paar Verfolgungsjagden täuschen nicht darüber hinweg, dass Redford es genau aufgrund seiner unentschiedenen Perspektivierung zu keiner Zeit gelingt, den Thrilleraspekt zu bedienen, obwohl er einen doch beträchtlichen Teil der Story ausmacht und einige überflüssige Wendungen bereithält. Man braucht aber auch nur dem Darsteller Redford außer Atem beim Rennen zuzusehen, um zu wissen, dass es darum in The Company You Keep nie gehen konnte. Im Zentrum steht vielmehr die intendierte Vermittlungswirkung, die mittels einer Vielzahl an Gesprächen zwischen Alt und Jung in die Storylines direkt eingeschrieben ist. In einem Gespräch mit dem Reporter sagt die ehemalige „Weatherman“-Täterin Susan Solarz (Sarandon) hoffnungsvoll: „It doesn’t matter what I say, unless I tell someone who is interested in the truth.“ Ihre Aufforderung setzt den journalistischen Strang der Geschichte erst richtig in Gang und soll auch als ethischer Appell verstanden werden. Demgegenüber steht am Ende die betonte Gleichgültigkeit einer Tochter, die gar nicht wissen will, wer ihre Eltern wirklich waren. Solange und weil es diese geschichtsvergessene Attitüde gibt, braucht es Filme wie The Company You Keep. Man würde ihnen nur inszenatorisch inspiriertere Regisseure wünschen.

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Kommentare


Sebastian

Dieser Film ist kein Thriller und sollte es hoffentlich auch nie werden. Er hat eine spezielle Art, die Herrn Jaeger anscheinend nicht so sehr gefällt und behandelt Themen, die so konkret in der Kritik auch nicht angesprochen wurden. Es ist vielleicht nicht alles optimal (Schauspiel, Dialoge), aber der Film bewegt, Schauwert ist vorhanden.






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