The Big Eden

Der Dokumentarfilm Big Eden riskiert einen Blick hinter die vielen Masken des Playboys Rolf Eden, der einst die angesagtesten Diskotheken in Westberlin besaß.

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Diskothekenbesitzer, Westberliner Society-Größe und Playboy mit einem Frauenbild aus dem Pleistozän: Das sind, kurz zusammengefasst, die Fakten, die man über Rolf Eden kennt. Der Dokumentarfilm Big Eden von Peter Dörfler (Achterbahn, 2009) fängt aber nicht im Konkreten, sondern im Abstrakten an. Da steht Rolf Eden in weißem Anzug vor komplett weißem Hintergrund und – macht Faxen. Tanzt ein bisschen herum, sein (drei Mal geliftetes) Gesicht, eine mienenspielerische Fundgrube, grinst in Großaufnahme in die Kamera. Das Publikum in der Sektion Panorama der Berlinale hat Rolf Eden da schon für sich eingenommen.

Der Mann liebt die Kamera mindestens genauso wie die Frauen. In Big Eden sieht man Edens Hobbyfilmaufnahmen, Urlaubsfilme auf Super-8, die stets auf die Selbstinszenierung hinauslaufen: der Playboy mit dem Mikrofon in der Hand, über die Schönheit des Ortes und der ihn gerade begleitenden Frau schwadronierend. Rolf Eden, davon kann man ausgehen, hat nur darauf gewartet, dass endlich jemand auf die Idee kommt, einen richtigen, professionellen Dokumentarfilm über ihn zu drehen.

Das ist die eine, die zweifellos exzentrische Seite des Mannes. Aber das Leben des heute 81-Jährigen ist interessanter, als es die ewigen Berichte in der Boulevardpresse und seine Äußerungen in Talkshows (mit dem Bekenntnis, gerne ins Bordell zu gehen, auch heute noch) vermuten lassen. Eden stammt aus einer jüdischen Familie, die zu Beginn der Nazi-Zeit nach Palästina auswanderte. Er kämpfte im Krieg von 1948, seine ehemaligen Kameraden erinnern ihn als Helden. Eden selbst winkt ab, er sei damals einfach so blöd gewesen, in vorderster Reihe mitzustürmen.

In den 1950er Jahren geht er nach Berlin, wo er einen Heimkehrerbonus von 6.000 Mark entgegennimmt und damit beginnt, Diskotheken zu gründen. Von Anfang an hat er damit Erfolg, er muss ein innovativer Geschäftsmann gewesen sein. Die Prominenz der 1950er, 60erund 70er Jahre feiert bei Rolf Eden wilde Partys, Dörfler montiert Fotos aus dieser längst vergangenen Zeit, als der Ku’damm das heißeste Pflaster in Berlin war, zu aufwändigen Panoramen zusammen.

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Abgesehen von dem Partylöwen und Frauenverschleißer zeichnet der Film aber auch das Bild eines Mannes, der hilfsbedürftigen Freunden ohne viel Worte Geld schickt und der – auf seine Art – zu seinen Verpflichtungen steht. Die Frage, wer aber nun der „wahre Rolf Eden“ ist, muss unbeantwortet bleiben. Einer seiner Söhne glaubt, dass der Vater vor lauter Selbstinszenierung selbst schon nicht mehr weiß, was sich unter den zahlreichen Masken verbirgt.

Alle seine Verflossenen berichten von kleinen Aufmerksamkeiten und großzügigen Geschenken. Sobald sie aber schwanger wurden, zog er sich zurück. Geschenke kamen weiterhin, dann aber halt zum Muttertag.

Enttäuschung klingt aus den Berichten aller von Dörfler interviewten Frauen, aber oft auch Rührung über gemeinsame Erinnerungen; wirklich böse scheint ihm keine zu sein. Eine fragt, ob Edens Schürzenjägerei in der Liebe zum weiblichen Geschlecht begründet sei oder in der Verachtung, und vermutet dann, dass er noch immer die Liebe seiner Mutter sucht. Eine andere erklärt, er sei in der Pubertät steckengeblieben.

Eden und die Frauen, das Thema wird ihn, wenn es nach ihm geht, noch bis zu seinem letzten Atemzug begleiten. Wenn er stirbt, so erzählt er wieder im weißen Anzug vor weißem Hintergrund gegen Ende des Films, will er beim Sex sterben, und zwar „auf der Frau“(nicht drunter, das ist ihm wichtig). In seinem Testament hat er festgelegt, dass die Dame, bei der dies geschieht, 250.000 Euro erhält. Die Frauen, so fügt Rolf Eden noch hinzu, strengen sich deshalb jetzt noch mehr an.

Trailer zu „The Big Eden“


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