The Amazing Spider-Man

Alles auf Anfang: Nach der gescheiterten Diskussion um einen vierten Teil mit der Stammbesetzung wagt Sony Pictures zehn Jahre nach Spider-Man einen Neustart.

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Die Voraussetzungen für The Amazing Spider-Man hätten wirklich besser sein können: Nach mehreren verworfenen Drehbüchern für einen vierten Teil der Reihe hat man sich bei Sony gegen eine Fortsetzung und für einen Reboot des gewinnträchtigen Franchise entschieden. Dabei wurde nicht nur der Regisseur Sam Raimi ausgetauscht, sondern auch der gesamten Starbesetzung um Tobey Maguire, Kirsten Dunst und James Franco Lebewohl gesagt. Klingt nach einer Steilvorlage für Leute, die Hollywood-Blockbuster mit Ausverkauf und platten Plots gleichsetzen. Allein, es würde dem Film nicht ganz gerecht werden.

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The Amazing Spider-Man erzählt die Geschichte also abermals von Anfang an. Er bleibt dabei wie seine Vorgänger recht nah an der Comic-Vorlage, greift aber zum Teil andere Aspekte des Originalplots auf als Raimi. Peter Parker (Andrew Garfield), ein sensibler Jugendlicher und Außenseiter, lebt bei seinem Onkel Ben (Martin Sheen) und seiner Tante May (Sally Field) und stellt sich die üblichen Teenager-Fragen: Wer bin ich, wo ist mein Platz in der Welt, und wie spreche ich dieses Mädchen an? Dieses Mädchen ist die hübsche Gwen Stacy (Emma Stone), die seine Begeisterung für Genforschung teilt und gleichzeitig an der Highschool beliebt ist. Als Peter bei einer Laborführung von einer genetisch manipulierten Spinne gebissen wird, verändert sich sein Leben schlagartig. Mit Hilfe seiner neuen übernatürlichen Kräfte rechnet er mit seinen Peinigern an der Schule ab. Doch erst als sein Onkel durch seinen Fehler getötet wird, erkennt er, dass aus großer Kraft große Verantwortung folgt. Spider-Man wird geboren.

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In den verschiedenen Comic-Reihen war Spider-Man immer eine Identifikationsfigur für Außenseiter. Die Geschichte vom Normalo, der durch einen Zufall zum Superhelden wird und sich dabei trotzdem mit ganz menschlichen Problemen herumschlagen muss, machte ihn zur Projektionsfläche für die Identitätskrisen von Heranwachsenden. Wie schon Sam Raimi nimmt sich auch der Regisseur Marc Webb viel Zeit, um darauf einzugehen, und zielt dabei noch stärker auf ein jugendliches Publikum. Besonders in der ersten Hälfte vereint der Film zahlreiche Merkmale einer typischen Coming-of-Age-Geschichte: Die Schikanen der US-amerikanischen Highschool-Flurhierarchie, der falsche Eindruck, den man beim ersten Treffen mit den Eltern der Liebsten hinterlässt, und die Grundsatzdiskussionen mit den Erziehungsberechtigten über Selbstständigkeit und Erwachsenwerden. Für Zuschauer, deren Adoleszenz nur noch als halb verdrängte Erinnerung existiert, ist das womöglich weniger interessant und führt in der Folge auch zu einigen Längen.

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Die ikonische Darstellung Spider-Mans als übermenschlichen Helden stellt Marc Webb zugunsten der menschlichen Aspekte seiner Hauptfigur in den Hintergrund. Er forciert weniger die Reproduktion der Comic-Ästhetik, sondern versucht die Lebenswelten der Tennie-Zielgruppe zum Beispiel über popkulturelle Referenzen einzubinden. Wenn Peter seine neuen Fähigkeiten auf dem Skateboard austestet, im Parkour-Stil durch eine Lagerhalle hetzt und in Spider-Man-Uniform auf dem Dach eines Wolkenkratzers lässig mit seinem Smartphone telefoniert, schafft das Anschlussstellen für ein jüngeres Publikum.

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Auch mit viel Humor erreicht Webb, dass Spider-Man nicht nur im wörtlichen Sinne seine Maske deutlich öfter abnimmt. The Amazing Spider-Man ist erstaunlich witzig. Das Autorenteam um James Vanderbilt und Alvin Sargent verwandelt Peters Entdeckung der neugewonnenen Kräfte in eine Slapstick-Einlage, ohne dabei zu albern zu werden. Die Nachricht ist klar: Auch Superhelden machen Fehler, man darf über sie lachen. Fans der The Amazing Spider-Man-Comics sollte das nicht überraschen, denn die Reihe glänzte auch textlich durch ihren guten Humor. Andrew Garfield versteht es darüber hinaus, der feinen Ironie seiner Figur die nötige Nonchalance zu verleihen.

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Zeitgenössischen Blockbustern wird gerne vorgeworfen, sie setzten 3D meist als reine Effekthascherei ein. Tatsächlich mag sich auch bei The Amazing Spider-Man das Konzept nicht ganz erschließen. Obwohl in 3D gefilmt wurde, wird der Effekt für das Genre ungewöhnlich sparsam eingesetzt. Abseits der beeindruckenden Animationsfahrten durch Manhattans Häuserschluchten wirkt er wie nachträglich hineinmontiert. Davon abgesehen, leistet sich The Amazing Spider-Man nur wenig Ausfälle und hält als solide Familienunterhaltung mit Teenager-Appeal, was er verspricht.

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Kommentare


Sebastian

Ich war auch positiv überrascht und schließe mich der Kritik an... für mich
persönlich besser, als seine Vorgänger mit vielen sehr guten Ideen. Der Film
ist im Saal gut angekommen.


Leander

Das Verfallsdatum war noch nicht überschritten. Ferner ist - im Gegensatz beispielsweise zu den Batman Filmen - nichts Neues hinzugekommen, ja die Handlung ist fast identisch, nur Aspekte wurden neu gedeutet (Teenie-freundlicher). Darüber hinaus sind die Action-Szenen lange nicht so kreativ, wie in den ursprünglichen Spiderman-Filmen. So was wie die die Stopp-den-Zug-Szene gibts hier nicht, ausgiebige CGI Kamerafahrten auch nicht. Stattdessen CGI, Schnitt, Stunt, Schnitt, CGI etc. Es wurde nur das absolut nötigste getan. Schließlich ist die Figurenzeichnung fast noch klischeehafter als im Original. Für ein Reboot so gut wie nichts Eigenständiges, eindeutig nur Geldpresserei der Sony Filmstudios.






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